Heimat bei Gott

Wir erleben hier Widerwärtigkeiten – nicht anders als unser Herr, schreibt Paulus den Christen in der Gemeinde von Korinth, doch wir haben Hoffnung auf eine Heimat, in welcher das alles Enden wird – Heimat ganz nah bei Gott. Weshalb? Weil Gott in Christus mit uns Frieden geschlossen hat: Der hat unsere Sünde bezahlt – unsere und die der ganzen Welt. Nun sind wir zu Gott eingeladen. Heute und jeden Augenblick unserer Leben können, sollen, dürfen wir nun ohne jedes schlechte Gefühl bei, mit und vor ihm Leben. Paulus macht diese Einladung ganz dringlich. Eben in diesem Brief an die Korinther schreibt er:

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Liebe Gemeinde, Schwestern und Brüder! Verschiedene Weisen gibt es, den Karfreitag zu sehen, verschiedene Perspektiven: Ein zum Tode Gefolterter am Kreuz. Das ist Karfreitag für viele. Oder Einsicht, schlechte Gefühle, schlechtes Gewissen „Ich, ich und meine Sünden, die sich wie Körnlein finden des Sandes an dem Meer … Ich bin’s, der sollte büßen an Händen und an Füßen gebunden in der Höll“. Auch das ist Karfreitag. Menschenperspektive das alles. Menschenperspektive, späte Reue – und ein Hindernis auf Gottes Weg mit uns, der schon einen Schritt weiter ist. Paulus: „Denn Gott hat durch Christus Frieden mit der Welt geschlossen, indem er den Menschen ihre Sünden nicht länger anrechnet, sondern sie vergibt.“ Halten wir uns nicht mit uns auf so, als seien wir und unsere dunklen Gefühle alles. Wechseln wir in Gottes Perspektive, Schwestern und Brüder, und dann ist Karfreitag das: Versöhnung. Versöhnung. Versöhnung. Und noch einmal Versöhnung. Schmerzlich? Ja, zuvor – für Gott. Er musste unsere Abwege und unser vergebliches Mühen nach Gutsein mit ansehen und Er hat sich uns etwas kosten lassen: Jesus. Aber nun schaut nicht allzu schnell wieder auf den Sohn am Kreuz – (1) das ist schlimm, doch das ist nicht Euer, das ist Gottes Schmerz. Das ist schlimm und (2) so schlimm stand’s um uns und steht’s um jeden Menschen ohne Beziehung zum lebendigen Gott der Bibel, unversöhnt mit Gott, denen um sich, sich selbst. Und (3) hinter dem Schmerz lässt es sich so schön verstecken und nichts braucht sich ändern. Und zu nichts war dann der Karfreitag gut. Das ist nicht einmal religiös, das ist frömmelndes Karfreitagsgesülze – mehr nicht. Das ist nicht der Hauptakkord dessen, was da geschieht. Der Grundton lautet Versöhnung. Die Zeit der blutigen Opfer ist vorbei – Er, Christus, ist das Lamm Gottes, dass die Schuld der Welt getragen hat, ihre Krankheit, ihre Schmerzen, damit jede und jeder nun über Kreuz und Auferstehung und durch Himmelfahrt und Pfingsten den Blick frei bekommt auf das, was nun zählt: Wir sind versöhnt mit Gott. Versöhnt – da steckt das Wort „Sohn“ drin – und natürlich auch Tochter. Das sind wir nun: Söhne und Töchter Gottes. Keine Fremden mehr, die kommen und gehen und bestenfalls vorübergehend Gastrecht haben, sondern Kinder Gottes: Sie. Ich. Kinder – die haben Wohnrecht, Unterhaltsrecht. Und das allerschönste: Kinder werden geliebt. Und Kinder, die geliebt werden, die dürfen heranwachsen, die dürfen erwachsene Kinder Gottes werden: Nicht mehr Breichen und Windeln, sondern feste Nahrung. Versöhnung ist fest Nahrung. Versöhnung bedeutet an Sie, an mich die erwachsene Frage: Will ich das annehmen?

Und nun schauen Sie sich das an: Gott bittet um Versöhnung. Gott ist der erste, der bittet, betet. Ganz ernsthaft und ganz inständig bittet Gott: Wechselt nun bitte endlich den Blickwinkel aus Eurer religiösen Kinderwelt, seht erwachsen auf das, was hier geschehen ist, dass wir miteinander Frieden haben, kindert und pubertiert nicht weiter herum mit Eurem Glauben, lasst Euch in das Neue einladen.
Wohin einladen? Lasst Euch einladen in sein, Gottes Reich. Ihr seid nicht mehr Ferne, Ihr seid nahe. Ihr seid nicht mehr Vorübergehende, Ihr gehört dazu. Ihr habt nun die doppelte Staatsbürgerschaft: Auf Zeit hier auf der Erde – auf ewig bei Gott. Lasst Euch einladen in das Neue, dass Ihr nicht nur um Eures Vertrauens willen Kinder seid, sondern nun auch Miterben – Miteigentümer der neuen Schöpfung Gottes. Und lasst Euch als die erwachsenen Kinder des einen Vaters in die Verantwortung einladen, die Ihr für Gottes Reich, für Gottes, des Vaters Werte, für Sein und Euer Shalom, für Frieden, für Gerechtigkeit, für Bewahren der Schöpfung habt. Lasst Euch einladen mit einem Blick nach links, einem Blick nach rechts, mit Umsicht und Rücksicht in das Familienleben der Schöpfung Gottes. In das Miteinander von Gemeinde und Gemeinden damit der Wunsch Jesu wahr wird: „Vater – ich will dass sie alle eins sind so, wie Du und ich eins sind.“

Eine der schönsten und tröstlichsten Stellen der Bibel, die ich kenne, steht gegen Ende der Offenbarung Johannes. Sie malt ein Bild von Gottes anbrechender Welt zu dem Zeitpunkt, zu dem sie allen sichtbar wird. Da lese ich (Offb 21, 1-5) Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. 2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. 3 Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; 4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. 5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! Wahrhaftig und gewiss – und diese neue Schöpfung beginnt, wo wir heute schon nach den Spielregeln von morgen leben, versöhnt mit Gott, versöhnt untereinander, schwesterlich, brüderlich.

Liebe Gemeinde – mit Karfreitagsgedanken sind Sie in diesen Gottesdienst gekommen. Mit welcher Haltung, mit welchen Gedanken werden Sie sie verlassen? Und werden Ihre Einsichten Ihren Gefühlen standhalten? Und dem Alltag? – Gott bittet: Lasst Euch versöhnen … 21 Denn Gott hat Christus, der ohne jede Sünde war, mit all unserer Schuld beladen und verurteilt, damit wir von dieser Schuld frei sind und Menschen werden, die Gott gefallen. Darum solls gehen – Gott geht’s darum.

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