Hausbau

<i>[Diese Predigt ist für den Sonntag Kantate konzipiert. Anlass: Gottesdienst vor der Gemeindeversammlung, in der die vom Presbyterium verabschiedete Gemeindekonzeption vorgestellt und diskutiert wird. Der Text der Konzeption ist unter <a href="http://www.ekkt.de" target="_blank">www.ekkt.de</a> – Link: Unsere Gemeinden -> Trier einzusehen.]</i>

1. Wissen Sie, liebe Gemeinde … Manchmal, da macht man Erfahrungen, die man nie vergisst. Sein Leben lang.

Und ich glaube: gerade, wenn man die Chance hat, (wenigstens) eine Zeitlang im Ausland zu leben, … Dann kann man durch das Erleben von Fremdheit und Anderssein viel leichter solche Erfahrungen machen.

So ist mir das jedenfalls gegangen – in Namibia.

Mehr als 10 Jahre ist das nun schon her, dass ich mit meiner Frau dort leben und arbeiten durfte … Trotzdem – vieles ist mir noch sehr gegenwärtig. (Ich weiß nicht, ob Sie das nachempfinden können.)p>Nun, von einer Erfahrung, die ich dort gemacht habe, möchte ich Ihnen gerne erzählen.

Eine Woche waren wir im Buschmannland unterwegs … Zusammen mit Gerson Uhihama, der uns ja auch hier in Trier besucht hat.

Wir haben den Missionspfarrer begleitet, um zu sehen und zu erleben, … Wie eigentlich Missionsarbeit geschieht – bei den namibianischen Partnern.

Mit dem Allradwagen ging es quer durch die Kalahari, von einem Dorf zum nächsten, das irgendwann unvermittelt zwischen Gestrüpp und Dornbüschen auftauchte.

Übernachtet haben wir in mitgebrachten Zelten. Und ich muss schon sagen: Camping in der Kalahari – das ist etwas völlig anderes als ein schön eingezäunter Platz in Holland oder sonst wo. Ich habe noch nie in meinem Leben so viel Angst gehabt wie in der Woche!

Wenn man in einem Löwenrevier zeltet, … und immer wieder mal auf die Hinterlassenschaften derselben stößt, … Und wenn dann der namibianische Kollege sagt: „Ihr braucht euch keine Sorgen machen. Solange ihr den Reißverschluss an eurem Zelt dicht macht, kommt da kein Löwe rein …!“ Dann schläft man nicht wirklich ruhig und entspannt.

Trotzdem, das war eine gute Zeit. In einem Dorf konnten wir nämlich beobachten, wie so ein Buschmannhaus gebaut wird.

Eigentlich ganz einfach. Nach einem Tag ist das Eigenheim fertig.

Zunächst werden im „Veld“ lange, einigermaßen gerade Holzstöcke gesucht – stabil und so um die 2 m lang.
Die werden dann in einem Kreis in die Erde gerammt – nur für die Tür bleibt eine Lücke frei.

Danach sucht man weiche, biegsame Zweige, die zwischen die Holzstämme geflochten werden.

Das ganze wird dann zugekleistert mit einer „Pampe“ aus Wasser, Elefantendung und Termitenhügeldreck.

Fertig ist der Rohbau.

Während der Trocknungszeit wird das Dach gebaut.

Eine Dachstuhlkonstruktion aus starken Hölzern wird wieder mit Zweigen stabilisiert … Und schließlich wird das ganze mit dem trockenen Steppengras ausgestopft.

Und schon ist das Dach fertig.

Jetzt aber kommt der spannendste Moment. Das Dach muss ja noch rauf – auf’s Haus.

Da müssen dann wirklich alle anpacken – zumindest die Großen … Und genau dabei haben wir als Gäste im Dorf auch mitgeholfen.

Und … Ich weiß nicht, ob Sie das nachempfinden können, … Das war schon ein ganz eigenartiges Gefühl, … Von Stärke und Gemeinschaft, … Als wir da alle zugelangt haben, … Um das Dach auf den Rohbau zu stemmen.

Eigentlich nur ein kurzer Moment …

Hauruck – und hoch – und fertig … Aber doch ein gutes Gefühl. Wir haben gemeinsam etwas geschafft! (2x)

Am Abend, als das ganze Dorf rund ums Lagerfeuer saß oder lag, … Da hat Gerson dann genau dieses Erlebnis vom gemeinsamen Hausbau aufgegriffen … In seinem Gottesdienst …

Und er hat ganz schlicht und einfach gesagt: Genau so ist die Gemeinde Jesu Christi.

Ich weiß nicht, wie Ihnen das geht, liebe Gemeinde … Aber ich finde das einfach stark.

Und dieses Bild vom Hausbau – wo alle anpacken … Wo alle gemeinsam schaffen … Wo alle ganz selbstverständlich mit dabei sind … Das ist für mich – bis heute wirklich das Bild, um zu beschreiben, was Gemeinde für mich bedeutet.

2. Nun, ich glaube: Jeder von uns trägt solche Bilder von Gemeinde in sich. Lebendige Bilder, die sich festmachen an Lebenserfahrungen, …

Die verankert sind in der eigenen Lebensgeschichte …

Ich erinnere mich z.B. an ein Gespräch in dieser Woche. Da sagte jemand: „Kirche, das ist für mich die Klingel vom Pfarrhaus …
Bei uns zuhause im Dorf … Wenn ich da irgendwelche Sorgen hatte, … Dann brauchte ich nur die Straße ’runterzugehen und klingeln … Und ich wusste: Da war jemand, mit dem ich reden konnte.“

Andere Menschen tragen andere Bilder in sich: Vielleicht das vom Schiff, das sich Gemeinde nennt, … Das Lied haben wir ja gerade gesungen.

Oder Sie sagen: Für mich ist die Gemeinde ist wie eine Tankstelle, … Hier bekomme ich neue Kraft, … Kann ich auftanken für die Seele … Vielleicht trägt und prägt Sie auch das Bild von einem Haus mit vielen Zimmern, … Man kann sich frei bewegen … anderen begegnen … Spaß haben, Freude und Freunde erleben …

Was es auch ist, … Ich glaube es ist gut, … Es tut gut, … Wenn wir diesen Bildern, … Unseren Lebenserfahrungen … Unseren Glaubenserfahrungen von Zeit zu Zeit nachspüren … Und das auch miteinander teilen.

3. Der Apostel Paulus, der hat das gemacht, … Und er hat sein Bild von der Gemeinde beschrieben, … Aufgeschrieben. In seinem Brief an die Gemeinde in Ephesus … Ich lese Kapitel 2, Vers 19-22:

[TEXT]

p4. Ich weiß nicht, wie Ihnen das geht, liebe Gemeinde … aber ich meine: auch das ist ein wunderschönes Bild! –

So wie sich ein Bauwerk aus vielen verschiedenen Steinen zusammensetzt, … So fügt sich auch die Gemeinde Jesu Christi, … So fügt sich auch unsere Gemeinde … Aus vielen verschiedenen Steinen zusammen …

Lebendige Steine – das sind wir … Auch wir in unserer Gemeinde.

Und wenn ich so zurückdenke an den langen Prozess zur Vorbereitung unserer Gemeindekonzeption … (Nachher in der Gemeindeversammlung wollen wir sie Ihnen ja gerne vorstellen …)

Wir – in der Steuerungsgruppe … Wir haben immer wieder – nur – gestaunt: Wie viele lebendige Steine es in unserer Gemeinde gibt. Wie viele Menschen sich bei uns engagieren, mitmachen – oder auch einfach dabei sind … Das ist schon klasse.

Und so wie jeder Stein ein Stück weit das ganze Gebäude stützt und trägt … Jeder Stein an einer anderen Stelle … Und damit jeweils ganz anderen Kräften ausgesetzt ist, … So stützen und tragen auch wir … Jeder und jede von uns … Die Gemeinde. Mehr noch: so werden wir hineingenommen in den Tempel, der sich Gemeinde nennt.

Frauenhilfe, Bastelkreis und Lachclub, … Offene Jugendarbeit und CVJM … Hauskreise und Eine-Welt-Gruppe … Was weiß ich … Wir alle … Wir sind hineingenommen in den „Tempel Gottes, der sich durch Gottes Geist aufbaut“ …

Und so, wie jedes Gebäude ein stabiles Fundament braucht, um nicht haltlos in sich zusammenzustürzen, … So haben auch wir eine Basis für unser Vertrauen:

Wir können, … Wir dürfen uns festmachen an dem, was uns in der Bibel zugesagt wird … Und wir dürfen das miteinander und mit anderen teilen.

Und so wie eine prachtvolle Kuppel einen Schlussstein braucht, der alles hält – und auch aushält … So brauchen wir Jesus Christus – als Haltepunkt für unser Leben.

In unserer Gemeindekonzeption haben wir das so formuliert: „Wir glauben an Jesus Christus, den Sohn, der uns die Liebe des Vaters für jeden einzelnen von uns gezeigt hat, … so dass wir uns wertgeschätzt und angenommen fühlen können.“

Genau darum geht es auch Paulus in seinem Bild vom Haus aus lebendigen Steinen.

Ich weiß nicht, ob Ihnen das gerade beim Hören des Bibeltextes aufgefallen ist: Paulus schreibt nicht: „Ihr sollt so sein!“ Er schreibt: „Ihr seid so!“ Ihr seid lebendige Steine.

Also nicht: der moralische Zeigefinger nach dem Motto: Jetzt strengt euch aber gefälligst an! Damit ihr noch dazu gehört …

Nein: eine offene Einladung: Ihr gehört dazu. Auch wenn ihr das vielleicht gar nicht so wahrnehmt, begreift … Ihr gehört dazu – ihr seid lebendige Steine!

Ich finde das faszinierend … Diese Offenheit.

Und genau das … Das verstärkt Paulus ja noch.

Allerdings verlässt er dabei dann das Bild von den lebendigen Steinen.

Paulus schreibt: „Ihr gehört zum Volk Gottes und seid in Gottes Hausgemeinschaft aufgenommen.“ (2,19b)

Genau diesen Satz haben wir als Überschrift für die Gemeindekonzeption gewählt: „Ihr gehört zum Volk Gottes und seid in Gottes Hausgemeinschaft aufgenommen.“

Ihr seid angenommen.
Ihr gehört dazu! (Der Indikativ ist das Entscheidende!)

In der Gemeinde Jesu Christi dürfen wir uns schlicht zuhause fühlen!

Das heißt natürlich auch: die Gemeinde – auch unsere Gemeinde, sie ist keine geschlossene Gesellschaft. Sie ist von ihrem Wesen her offen für andere …

Und das ist auch gar nicht so schwer …

Ich glaube, wenn wir in unserem Herzen und mit unserem Verstand spüren und erfahren und begreifen, … Mit welcher Offenheit Gott uns begegnet, … Mit welcher Freiheit Gott uns beschenkt, … Dann wird auch uns die Kraft – ja – geschenkt, … Die uns Offenheit und Toleranz gegenüber anderen ermöglicht.

Dann fällt es uns leichter, einander als Geschwister zu sehen – und anzunehmen.

Als wir in der Steuerungsgruppe über diesen Bebeltext nachdachten, da sagte jemand – (ich glaube, es war Christiane):

Geschwister sucht man sich ja auch nicht aus. Trotzdem – sie gehören zusammen. Auch wenn es manchmal so richtig Knatsch gibt.

Wir müssen nicht zwangsläufig und zwanghaft alle immer einer Meinung sein … Es kommt darauf an, dass wir in Vielfalt einander annehmen …

Und genau in dieser Vielfalt und Verschiedenheit sind wir lebendige Steine, aus denen sich die Gemeinde Jesu Christi aufbaut. Wir sind das, selbst wenn uns das nicht wirklich bewusst ist …

5. Diese Vielfalt und Lebendigkeit wollen wir gerne zusammen mit Ihnen darstellen, … Wenn Sie so wollen abbilden …

Sie haben am Eingang ja alle so ein Blatt Papier bekommen … Wenn Sie so wollen: Einen kleinen Stein …

Wir laden Sie ein, diesen kleinen Stein durch Ihre Gedanken lebendig werden zu lassen … Überlegen Sie: Wo möchte ich meinen Platz haben in der Gemeinde? (2x)

In der Steuerungsgruppe, die an der Gemeindekonzeption gearbeitet hat, haben wir uns dazu ein paar Gedanken gemacht.

Frau Bellmann, Frau Schwickerath, Herr Bambauer, Frau Bunniger stellen ihre Steine vor und legen sie vor dem Altar ab.

<i>[Aktion der Gemeinde]</i>

6. <i>Vorlesen einiger Steine.</i> Ich lade Sie herzlich ein: Nehmen Sie sich nach dem Gottesdienst ein paar Minuten Zeit, … Um die Gemeinde aus lebendigen Steinen wahrzunehmen. Um unsere Gemeinde wahrzunehmen …

Und vielleicht ist dieses Bild hier, … Unser Gemeindebild aus lebendigen Steinen … Vielleicht ist es – ja – eine Ermutigung, … Um einzuladen … Damit es noch mehr lebendige Bausteine gibt.

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