Greifen Sie bedenkenlos zu!

Um Essen und Trinken geht es hier. Für mich war das nie ein wichtiges Thema. Zu Hause hat sich die Mutter darum gekümmert, morgens, mittags und abends war der Tisch verlässlich gedeckt. Im Studium war das auch kein Problem, mittags die Karte gezogen am Automaten, Stammessen 1 oder 2 und dann in die entspre-chende Schlange eingereiht. Nach dem Studium, also genau nach der mündlichen Prüfung, hab ich mit meiner Frau die Ringe getauscht, die Bremer Küche wurde durch die fränkische ersetzt, aber manche Vorlieben durfte ich doch behalten, vor allem die Nussnougatcreme. Es mag Bequemlichkeit sein, wenn ich mit keinem Kochbuch umgehen kann und als Selbstversorger nur langweiliges zuwege bringe wie ein paar beschmierte Brötchen oder ein Müsli, wenns hoch kommt einen Konserveneintopf. Zugrunde liegt eher die Überzeugung: Mit dem, was einem vorgesetzt wird, hast du zufrieden zu sein; überzogenen Ansprüche sind unangemessen. Das fuchst mich immer enorm bei Konfirmandenfreizeiten, wenn da manche Meckerpötte die Nase rümpfen bei Auftrag des Mittagessens, und sie haben noch gar nicht probiert. Vor allem ist es aber die Beobachtung: Essen und Trinken sind nicht das Ent-scheidende und werden in dieser Welt doch so hoch gehängt. Was sind die Lieblingsthemen bei Familientreffen und Kaffeekränzchen? Die liebe Gesundheit, und gut essen und trinken. Wo man geladen war, wo es das Pfund Erdbeeren 50 Pfg billiger gibt, welche Kartoffelsorte besonders zart ist. Für Christen sollte es wahrlich wichtigere Fragen geben als: Was sollen wir essen, was sollen wir trinken, womit sollen wir uns kleiden.

Aber nun ist durch die traurigen Folgen der Massentierhaltung und Hochzüchtung des Viehs eine Lage eingetreten, die zu Recht jedermann nötigt, sich intensiv diesen Fragen zuzuwenden. Nicht bloß, damit wir mitreden können. Sondern auch, weil wir Verantwortung haben, Eltern für ihre Kinder, Gastgeber für ihre Gäste. Und vor allem, weil Christen von den biblischen Grundlagen her besonde-res einzubringen haben, was sonst unterschlagen wird.. Als erstes erfahren wir dort, dass sich Gott und genauso sein Sohn Jesus Christus für dein leibliches Wohlergehen interessiert. Da ist eine große Menge zusammen geströmt, um mitzubekommen, was Jesus zu sagen hat über das Wirken Gottes, um ihm persönlich nahe zu sein. Die Jünger wissen, ihr Meister ist ein begnadeter Redner. Da ist er unvergleichlich, wenn es um Themen geht wie ewige Seligkeit, wie führe ich mein Leben richtig. Als es abend wird, knurrt vielen der Magen. Nicht unser Problem, denken die Jünger, das war doch von vornherein klar, für die Bewirtung muss jeder selbst sorgen. Erstaunt hören die Zwölf aus dem Munde Jesu die Anweisung: Gebt ihr ihnen zu essen. Damit haben sie nicht gerechnet. Jesus ist um das leibliche Wohl besorgt. Darauf waren sie nicht vorbereitet. Jesus löst das Problem, indem er alles einsammeln lässt, was an geringen Vorräten vorhanden ist. 5 Brote und 2 Fische kommen zusammen. Jesus spricht über diese Gaben ein Dankgebet. Dann lädt er alle zum Essen ein. Die kommen hocherfreut. Und sie langen zu. Allen schmeckt es. Und es bleibt noch übrig. Zwölf Körbe voll. Unbegreiflich. Gestärkt gehen alle von dannen. Gestärkt an Leib und Seele. Wie herrlich. Geschwächt an Leib und Seele, ja mehr noch, tödlich infiziert haben sich andere, die meinten, selbst zu wissen, was das richtige sei und sich um Gottes Ordnungen nicht scherten: "Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. Und Gott der Herr gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen. Denn an dem Tage, da du von ihm issest, musst du des Todes sterben." Die so Angesprochenen hielten sich nicht an die Warnung. Das brachte ihnen den Tod. Nicht weil die Früchte vergiftet waren. Todbringend ist es, wenn wir Gottes Wort und Gebot in den Wind schlagen. Seitdem hat sich die Sünde von Adam und Eva vielfach wiederholt. Trotz klarster Anweisungen will der Mensch tun, was er für richtig hält und muss die Folgen tragen. So wie bei BSE und Creutzfeld-Jakob. Es gibt Vorschriften in den Mosebüchern, die halten Bibelunkundige für langweilige Speisegebote mit jüdischen Reinheitsvorschriften, die uns nichts angingen. Dabei sind sie hochaktuell. In der Schöpfungsgeschichte: "Allen Tieren auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das auf Erden lebt, habe ich alles grüne Kraut zur Nahrung gegeben." 5. Mose: "Ich will deinem Vieh Gras geben auf deinem Felde, dass ihr esset und satt werdet." Ebenso in einem der Schöpfungspsalmen: "Du lässest Gras wachsen für das Vieh."

Der Schöpfer hat in seiner Weisheit angeordnet, dass unser Vieh Gras und Kräuter fressen soll. Seit Urzeiten haben Menschen Rinder gehalten und sich von ihrem Fleisch und ihrer Milch ernährt. In der Bibel wird das Rind als reines Tier unter den Tieren aufgezählt, die gespaltene Hufe haben und Wiederkäuer sind. Heute wissen wir, dass dieseVoraussetzungen für gute Fleischqualität sind. Ein Tier mit gespaltenen Hufen lebt weder im Sand der Wüste, noch in Sumpfgebieten, sondern da, wo der Mensch die besten Voraussetzungen zum Leben findet. Hier wachsen gute Kräuter, Kleearten und Gräser, die zu ihrer Pflege sogar den Tritt durch die gespaltenen Hufe brauchen. Ein Merkmal der Wiederkäuer ist ihre sensible Nase. Wurde eine Weide viel mit Gülle gedüngt, dauert es unter Umstän-den Monate, bis die Kühe bereit sind, dort wieder zu fressen. Rudolf Kring, ein gläubiger Ökobauer, hat auf diese Zusammenhänge hingewiesen. Und was macht der Mensch? Um die Milchmenge und das Gewicht zu steigern, kam man in -England auf die Idee, die Leistungen der Rinder durch Fütterung mit tierischen Eiweißen zu steigern. Verendete Tiere und Schlachthausabfälle wurden zu Tiermehl verarbeitet und dem Futter beigesetzt. So wurden Entsorgungskosten gespart und Tierkörpermehle gewinnbringend umgesetzt. Weil das eine normales Rind nicht anrühren würde, wurden Geruchs- und Geschmacksstoffe beigemischt. Ursache für die Krise der Landwirtschaft ist also schuldhafte Missachtung von Gottes Gebot. In früheren Zeiten hat man, wenn landesweit in den Ställen und auf den Weiden das Vieh erkrankte, Bußtage ausgerufen. Das hätte unser Land auch nötig. Wir müssen dankbar sein, dass wir noch verschont sind von der Maul und Klauenseuche und wir sollten inständig bitten, dass diese Pest nicht auch noch hinzu kommt zu dem schon vorhandenen Elend.

Aber zu sehen ist wenig davon, dass die Betroffenen in die Kirchen strömen, um Gott ihre Not zu klagen, ich bekomme nur mit, dass sie auf die Straße gehen, um vor den Behörden und Ministern ihre Ansprüche geltend zu machen. Was wäre das für eine Chance, wenn die offenbare Not die Menschen zusammen drängt zum Gebet. So wie in dem kleinen Ort Geroldsgrün, wo der Jugendkeller rappelvoll war gestern mittag, während die Friedhofsglocke läutete. Sie beteten für ihren Pfarrer, der die Grabrede für einen erschossenen 17jährigen halten musste vor einer 700köpfigen Gemeinde. Die Not hat die Leute zum Gebet getrieben. Das wäre die angemessene Reaktion und nicht, um wieder auf uns zu kommen, dass wir zu Vegetariern mutieren angesichts der unappetlichen Bilder von Keulungen, gesperrten Höfen und dichtgedrängtem Geflügel. Ich schätze Vegetarier und alle, die auf gesunde Ernährung achten. Aber das darf nicht zum Gesetz werden. Wie Paulus einmal sagt in einer Vorausschau auf künftige Zeiten, unsere Zeiten offenbar: Es werden Leute in die Gemeinden kommen, die gebieten, nicht zu heiraten und Speisen zu meiden, die Gott geschaffen hat, dass sie mit Danksagung empfangen werden. Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird, denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und das Gebet.

Also auf diesem Gebiet könnten gläubige Christen sehr gut Flagge zeigen. Wenn sie nicht in die Extreme verfallen, die jetzt gängig sind. Die einen lehnen Fleischverzehr total ab, zum Teil mit religiös gefärbten Gründen, die überhaupt nicht biblisch sind. Denn natürlich haben Abraham und Mose und David und Jesus und die Jünger Rind- und Lammfleisch gegessen. Oder Fleisch wird abgelehnt aus übertriebener Angst, die ja auch von den Medien hochgekocht wird. Bis dahin, dass ab nächste Woche Tiere zu Tausenden getötet und vernichtet werden, die keineswegs krank sind. Es wird suggeriert, hiesiges Rindfleisch sei generell ungesund und verdächtig und die Leute werden gewarnt davor und ihnen ein Gewissen gemacht. Aber andere Verhaltensweisen, die erwiesenermaßen unge-sund sind, da wird gesagt, das muss jeder selbst entscheiden, wie er leben möchte. Und die Stars treten auf auf den Bühnen, gepierct, tätowiert und braungebrannt, alle paar Monate mit einem neuen Lover im Arm, und das Volk klatscht ihnen zu. Wo doch zweifelsfrei erwiesen ist, welche irreparablen Gesundheitsschäden durch die Stecherei und die Sonnenbankbräunung entstehen. Und welches Risiko häufiger Partnerwechsel bedeutet für Aids und andere Krankheiten.

Also: Christen könnten hier Flagge zeigen, wenn sie sich von den Extremen absetzen: Der übertriebenen Panikmache einerseits. Aber auch vor dem trotzigen "Hauptsache es schmeckt, an irgendwas müssen wir doch sterben!" andererseits. Wir könnten die Gewissheit ausstrahlen: Gottes Schutz ist bei mir, ich will alles, was mir widerfährt, aus Gottes Hand nehmen. Und für die Gaben danke ich. Ich lasse mir von ihm aber auch das Maß setzen. Und wir könnten die Überzeugung vermitteln: Die Nachrichten vom Fleischmarkt sind für uns deshalb nicht Top-thema, weil es wichtigeres gibt als gut Essen und Trinken, aufregende Reisen, Fernsehunterhaltung.

Zugleich haben wir für die Welt eine positive Botschaft: Die Bibel zeigt dir, wie du gesünder leben kannst! Gesund leben heißt nach der Bibel: dem Fleisch entsagen. Dabei geht es nicht um vegetarische Ernährung. Aufs Fleisch vertrauen bedeutet im Neuen Testament, auf Vergängliches Vertrauen. Vorgestern im Bibeltreff haben wir diese beiden Lebensweisen verglichen: Der fleischliche Mensch, der sich um sich selbst dreht, im Gegenüber zum Menschen des Glau-bens, der nach Gottes Willen fragt. Geist bedeutet: Alles, was aus Gottes Kraft getan wird. Fleisch bedeutet: Alles, was ein Mensch aus eigenen Kräften tut oder sich vornimmt. Aus dem, was der Mensch sich selbst vornimmt, kommt selten gutes heraus. Paulus zählt die Folgen an einer Stelle nüchtern auf: "Offenbar sind die Werke des Fleisches: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feinschaft, Hader, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltungen, Neid, Saufen Fressen und dergleichen." Der fleischliche Mensch muss kein Atheist sein. Es gibt eine Menge religiöse oder zumindest religiös interessierte Leute, die sich viel Mühe geben, gut zu leben. Aber sie schaffen es nicht und sind am Ende frustriert. Wer aus eigener Kraft Gutes tun will, kommt irgendwann an seine Grenzen. Was Jesus uns dagegen anbietet, ist ein Leben aus der Kraft Gottes. Das ist in der Tat gesund, weil ich nicht mehr rackern und kämpfen muss. Ich schaue auf den, der für mich den schwersten Kampf gekämpft hat. Und gesiegt hat. Jesus. Er hat das Böse auf sich genommen durch seinen Kreuzestod. Wenn ich mich mit ihm verbinde, ihn zum Herrn meines Lebens mache, zieht ein anderer Geist in mein Leben ein. Eine andere Kraft ergreift von mir Besitz. Ich werde aufmerksam auf die Dinge, die wirklich zählen.. Mir wird das groß, was Gott wichtig ist.

Es ist schon bemerkenswert, und irgendwie sehr freundlich von Jesus, dass er in der Rede vom Lebensbrot auf das allseits beliebte Thema Essen und Trinken eingeht. Dabei lernen wir etwas wichtiges über den Glauben. Den Glauben hat man nicht von Geburt an. Der wird nicht übertragen mit den Genen. Der wird einem auch nicht zu eigen durch ein christliches Umfeld, wenn man das Glück hat, mit Leuten zusammen zu sein, die Jesus kennen und in die Kirche gehen. Es ist so wie mit dem Brot, dass man anfassen muss, in den Mund stecken, kauen und essen. Du musst Jesus aufnehmen, wenn du richtig mit ihm verbunden sein willst. Das ist ein Geheimnis. Nicht alles haben es damals verstanden: "Da stritten sie untereinander und sagten: Wie kann der uns sein Fleisch zu essen geben?" Jesus aufnehmen heißt den Glauben in das eigene Leben hineinlassen. Ihn, Jesus, Herr sein lassen über alle Bereiche des Alltags, in den Gedanken, in den Zukunftsplänen. Und dann entdeckst du, das Leben wird schöner. Das macht mehr Freude. Da kommt Kraft hinein. Wie das nach einer guten Mahlzeit ja auch ist. "Und als Boas gegessen und getrunken hatte, ward sein Herz guter Dinge." heißt es von einem Bauern im Alten Testament. Vom Propheten Elia heißt es, dass ihn die Raben versorgt haben mit Fleisch und Brot morgens und abends. Gott sorgt für Leib und Seele, und das Beste, was er dir auftischt, ist Jesus. Speise zum ewigen Leben. Wer ihn in sich aufgenommen hat, der kriegt eine Lebenskraft, die auf geheimnis-volle Weise nicht weniger wird. Nicht durch Not. Nicht durch Mangel. Nicht durch Leiden. Nicht einmal durch den Tod. Und da gilt nun wirklich die Einladung, die auf der Titelseite des heutigen Gottesdienstblattes steht: "Greifen Sie bedenkenlos zu!" Da gibt es keinen Grund, bescheiden zu sein. Da dürfen wir nach Herzenslust schlemmen. Wir sollen alles nehmen, was wir von Jesus kriegen können durch die Nähe zu ihm im Gebet, durch das Bibellesen, durch die Gemeinschaft, durch das was in der Kirche geboten wird, durch die Freuden des Lebens, die wir dankbar entgegen nehmen.

Und wenn wir so gestärkt sind, sehen wir die Welt mit anderen Augen. Ihre Nöte. Und die Nöte der Kreatur. "Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden!" zitiert Paulus einmal ein altes Sprichwort und fügt die rhetorische Frage an: "Sorgt sich Gott etwa um die Ochsen?" Er sorgt sich sehr, und das Wohlergehen der Kreatur und die Existenznöte vieler Bauern sollten in der Fürbitte der Kirche Platz haben. Und er sorgt sich um dich, um deinen Leib und deine Seele. Sieh zu, dass du Jesus, das Lebensbrot probierst. Und denk an die vielen anderen, die hungrig sind, die sich mit anderem abspeisen lassen, was oft krank und nicht satt macht. Und wissen nicht, was ihnen Gutes entgeht. Wie gut, dass für uns gesorgt ist. Wie gut, dass sich Jesus für uns sorgt an Leib und Seele. Wie gut, dass ich hier bedenkenlos zugreifen kann, weil das Leben in Fülle aus ihm kommt.

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