Gottes Wort – Führung und Fügung im Leben

Liebe Gemeinde,

in diesem Predigttext sind augenscheinlich objektive Fakten eines Reiseberichtes festgehalten. Es wird der Weg des Evangeliums nach Europa beschrieben. Das ist aber noch nicht Evangelium an sich und hätte deshalb auch nicht ausgereicht um als unbedingter Teil der Bibel aufgenommen zu werden. Die Bibel als das Wort Gottes beschreibt den Weg, den Gott mit seinem Volk gegangen ist und gehen wird. Dieser Reisebericht wird deshalb und dann zum Evangelium, zur guten Nachricht, weil und wenn er deutlich macht: Gottes Wort ist Führung und Fügung auf dem Lebensweg. Der heutige Sonntag betont mit seinen Lesungen, Gebeten und Liedern diesen Gedanken: Gottes Wort – Führung und Fügung für unser Leben. Der Wochenspruch fordert auf: "Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht."

Für diese Haltung ist der Abschnitt aus der Apostelgeschichte ein Beispiel. Und als gültiges Wort Gottes und gültige Zusage auch an uns heute heißt gute Botschaft dann:

1. Der Weg zu Gott geht nur mit Gott.
2. Der Weg mit Gott führt an und über Grenzen hinweg.
3. Der Weg mit Gott ist unter den Menschen.

Diese drei Gedanken werde ich mit Beispielen des Predigttextes belegen.

Der Weg zu Gott geht nur mit Gott.
Das war für Paulus eindeutig. Sein Bekehrungserlebnis von Damaskus ist das eindrücklichste Beispiel dafür. Aber auch hier hören wir wieder: auf seiner 2. Missionsreise, die eigentlich eine Besuchsreise zu den bestehenden Gemeinden Kleinasiens werden sollte, richtet sich Paulus nach dem Willen Gottes. Er sollte nicht die Gemeinden besuchen, die er gegründet hatte und die ihm bestimmt sehr am Herzen lagen. Auch in anderen Gegenden wurde "ihnen vom heiligen Geist verwehrt…, das Wort zu predigen." oder "ließ es der Geist Jesu … nicht zu". Eine Orientierung an dem, was Gottes und Jesu Wille sein soll, ist also Maßstab für das Handeln. Der Weg Gottes bietet sich also nicht mit Sprüchen an wie: "Wir machen den Weg frei." oder "Geht nicht, gibt’s nicht" oder "Leben Sie! Wir kümmern uns um die Details" oder "Mit uns ist alles möglich". Nein, der Weg zu Gott geht nur mit Gott.

Welches der Weg ist, das erkennen wir nur im Hören auf das Wort Gottes. Wie dieser Weg erkannt wird, das beschreibt die Geschichte auch sehr eindrücklich und einfach: "eine gottesfürchtige Frau mit Namen Lydia, hörte zu; der tat der Herr das Herz auf." Der Mensch muss und kann zuhören. Gott allein aber wird ihm das Herz auftun, das heißt, wird bewirken, dass sein Wort haften bleibt und für den Lebensweg ausschlaggebend wird. Es ist gar nicht so schwierig, dies auch zu erkennen, wenn die Frage aufkommen sollte: "Wer hat aber nun das Wort Gottes im und mit dem Herzen empfangen?" Es ist nämlich keine einmalige, endgültige und nicht beweisbare Vision, die allein als Argument für die Glaubensgewissheit gelten darf. Dafür würde ja dieser Abschnitt der Bibel ausreichend sein. Diejenigen werden sich als Christen mit Gottes Wort im Herzen zeigen, die immer wieder auf der Suche danach sind, das heißt zuhören. Zuhören und hinhören, was das Wort Gottes in seiner Gesamtheit für den Menschen bedeutet, nämlich: es ist Führung und Fügung für unser Leben.

Diejenigen werden sich als Christen mit Gottes Wort im Herzen zeigen, die um die Herzen anderer Menschen für das Wort Gottes werben, damit es für deren Leben auch Führung und Fügung sein kann. Aber diese Christen werden gleichzeitig wissen: nicht mein Wort, oder das Wort, das ich meine, es wäre Gottes Wort, öffnet deren Herzen, sondern Gott selber tut dies. Damit bin ich beim zweiten Gedanken. Der Weg mit Gott führt an und über Grenzen hinweg. Denn mit unseren menschlichen Mitteln kommen wir an Grenzen der Verkündigung. Aber diese Grenzen sind für Gott nicht unüberwindbar. Das zeigt das Beispiel der Lydia. Eine andere Grenze möchte ich auch noch benennen, an welcher der Geist Gottes, bzw. Jesus der Christus als Helfer, Retter oder Begleiter nötig ist. Es ist die Grenzerfahrung des Unbekannten. In der Apostelgeschichte ruft ein Fremder: "Komm herüber … und hilf uns!" Er sagt gar nicht, welche Hilfe er braucht. Aber für die Gerufenen ist es keine Frage: "da suchten wir sogleich (hin) zu reisen, gewiss, dass uns Gott dahin berufen hatte, ihnen das Evangelium zu predigen."

Menschen, die um Hilfe rufen, sind an ihre Grenzen gestoßen. Hilfe kann und soll ihnen durch das Evangelium gebracht werden. Und nun wissen wir alle, was der erste konkrete Schritt sein kann: ohne Hemmungen und Vorbedingungen hingehen, zuhören, trösten, anpacken – so wie es Jesus vorgelebt hat. Das ist Evangelium. Das ist für die Rufenden hilfreich. Wenn es dann noch gelingt, ihnen aus dem Wort Gottes zu vermitteln, dass ihre jetzige Situation auch von Gott getragen wird, so ist damit gut verstanden was es bedeutet: Gottes Wort ist Führung und Fügung im Leben. Beispiel: im hohen Alter, bei Gebrechen oder in Leidenszeiten heißt Fügung ja oft Resignation. "Jedem ist sein Schicksal bestimmt." "Wir müssen es nehmen wie es kommt." "Man kann ja nichts machen" "Man muss zufrieden sein" – dies höre ich bei meinen Besuchen sehr oft. Es sind keine Unwahrheiten. Aber wenn sie zur Fügung im Sinne von Resignation und Selbstaufgabe dienen, dann taugen sie nicht mehr zur Führung durchs Leben.

Zu vermitteln, dass Worte wie z.B.: "Ich bin bei euch, alle Tage, bis an der Welt Ende" oder "Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken" oder "Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln" Führung in und durch Grenzsituationen des Lebens ermöglichen, das hilft. Es führt zu der Gewissheit und fügt das Leben in den Kontext ein, der zuversichtlich und in Frieden leben lässt, weil es heißt: "Denn ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar." Darauf hat ja auch Paulus gesetzt, als er eine Grenze überschritten hatte und in ein völlig fremdes Gebiet, in eine neue Welt, gekommen war. Er hat es getan und damit uns gezeigt und dazu ermutigt, gewiss zu sein: Der Weg mit Gott führt an und über Grenzen hinweg. Er ist Heimat und gibt uns ein Zuhause.

Der dritte Gedanke knüpft daran an. Der Weg mit Gott ist unter den Menschen. Das bedeutet am Beispiel von Paulus‘ Reise: da wo Paulus hingeht, findet er eine Heimstätte für Gottes Wort. Es bedeutet aber auch: Gottes Wort kommt dorthin, wo Menschen eine Heimstätte haben. Es ist nicht nur irgendwo in Gegenden oder Kreisen, die nur Eingeweihte oder Selbsterwählte zu ihrer abgeschiedenen Heimstatt gemacht haben. Das ganze Haus dieser Lydia aus Philippi lässt sich taufen und gibt Gottes Wort Raum. Ich erinnere aber an den Vorgang und die Reihenfolge: Gott öffnete das Herz und dann ließ sich Lydia taufen. Also: Gottes Wort schaffte sich eine Stätte und dann wurde ihm eine Heimstätte geschaffen. Aber immer bleibt Gott und sein Wort unter den Menschen und für die Menschen. Deshalb haben Christen Stätten errichtet, mit denen sie zeigen wollen: so wichtig für unser Leben und hoch zu halten ist uns unser Gott und sein Wort, dass wir dieses Gebäude errichtet haben, damit er und wir eine gemeinsame Heimstätte haben.

Hier im Wort begegnet uns Gott und will unsere Herzen öffnen. Hier wollen wir ihn suchen und finden, damit er uns durch sein Wort führe und einfüge in unseren Lebensweg, auf dem er uns nicht verlässt.

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