Gottes Versöhnung mit dieser Welt

Liebe Gemeinde!

Zwei Menschen trennen sich. Viele Jahre haben sie miteinander gelebt. Jetzt ist Schluss. Beide gehen Ihre eigenen Wege. Wer von uns kann solche Geschichten nicht erzählen. Geschichten, wo Menschen sich einander entzweit haben. Geschichten der Trennung – oft sind sie so schmerzhaft.

Schmerzhaft vor allem, wenn es im Unfrieden auseinandergeht, wenn der Ehekrieg auch nach der Scheidung noch weitergeht, meist sind die Kinder der Spielball, die Leidtragenden.

Wenn keine Versöhnung stattgefunden hat, sind Entzweiungen belastendes Schicksal, das wir miteinander herumschleppen und nur schwer ablegen können.

Trennung, Entzweiung passiert nicht nur zwischen zwei Menschen. Auch zwischen Völkern gibt es das. Und ohne Versöhnung ist auch das furchtbar. Wir müssen gerade Mitansehen, wie viel Not, wie viel Leid dadurch entsteht, im Irak, auf dem Balkan in Israel und an vielen anderen Orten der Welt.

Zu Ostern und vor allem Gründonnerstag und Karfreitag ist von Versöhnung die Rede. Versöhnung freilich zwischen Gott und den Menschen. Und nur Menschen, die mit Gott versöhnt sind, können sich mit der Welt, mit sich und mit anderen Menschen versöhnen. Lasst euch versöhnen mit Gott! Dazu lädt uns das Kreuz zu Golgatha ein.

Mein Verhältnis zu Gott ist aber ganz o.k. werden wir vielleicht sagen oder denken. Viele unserer Mitmenschen meinen, Gott überhaupt nicht zu brauchen in ihrem Leben. Wozu brauche ich überhaupt Versöhnung mit Gott?

Oder anders gefragt: Was ist eigentlich Versöhnung? Ich habe einmal im Synonymwörterbuch nachgeschlagen und dabei folgendes gefunden. Versöhnung – Frieden schließen – sich die Hand geben – Verständigung – Einigung – Einung. Versöhnung schafft also wieder verlorengegangene Gemeinschaft, verlorengegangenen Frieden.

Auch wenn es vielen nicht bewusst ist, sind wir Menschen doch immer wieder uneins mit Gott. Da steht etwas zwischen Gott und uns, etwas das uns trennt. Und das sind nicht die kleinen Dinge im Alltag, unsere kleinen Gemeinheiten untereinander.

Nein, was uns von Gott trennt, das ist unser ganzes Leben, unsere ganze Lebenseinstellung. Das ist die Vorstellung, wir könnten im Leben alles selbst in die Hand nehmen und zum Guten wenden und brauchen Gott dazu nicht mehr. Höchstens manchmal, dann bitten wir Gott um Hilfe. So benutzen wir ihn aber und lassen ihn nicht den eigentlichen Herrn über unser Leben sein. Das ist es, was die Bibel als Sünde bezeichnet, dass wir uns so oft selbst zu Gott machen. Weil das so ist, brauchen wir die Versöhnung mit Gott. Und nicht nur wir, die ganze Welt braucht sie.

Wer unversöhnt mit Menschen zusammenlebt weiß, dass das kein Leben ist, immer mit dem Leben zu müssen, was da zwischen einem steht, immer die Belastung, die Schmerzen zu spüren, die mir der andere und ich ihm zufüge. Und da ist immer die Überzeugung im Hinterkopf, man hat selbst recht, der andere muss den ersten Schritt tun um zum Frieden zu kommen. Da scheint es manchmal keinen Ausweg zu geben. Hoffnungslosigkeit macht sich breit.

Und es gäbe inmitten aller Hoffnungslosigkeit keine Hoffnung, wenn nicht Gott selbst uns die versöhnende Hand reichen würde. Das ist die Botschaft von Gründonnerstag und Karfreitag. Durch das Kreuz Christi versöhnte Gott die Welt mit sich selbst. In unserer Entzweiung mit Gott tritt seine Versöhnung durch Christus. Gott geht anders mit uns um. Er geht auf uns zu. Paulus sagt es so: „Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu.“

Gott bleibt nicht in kritischer Entfernung, er zieht sich nicht zurück, nein, er verlässt seine Sicherheit und begibt sich in Gefahr. Er liefert sich den Menschen aus, wird geschlagen, verhöhnt und stirbt schließlich den Tod am Kreuz.

Mancher hat seine Schwierigkeiten, an einen Gott zu glauben, der seinen Sohn ans Kreuz schlägt. Gerade die Darstellung der Gewalt im Passionsfilm macht ja die ganze Dimension des Leids deutlich. Das macht betroffen, das schafft Schuldgefühle. Aber Karfreitag hat noch eine andere Seite: Gott, stellt sich hier an die Seite derer, die Leiden. Und er zeigt ihnen und uns: Meine Liebe ist stärker als euer Hass! Diese Liebe ist es, die Versöhnung zwischen uns möglich macht.

Gottes Versöhnung mit dieser Welt bindet uns an Christus. „Lasst euch doch versöhnen mit Gott“, so bittet Christus uns. Diese Bitte weiterzugeben und mit Leben zu erfüllen hat Paulus sich zur Aufgabe gemacht. „So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott.“

Das Kreuz steht zwischen all denen, die in der Gefahr stehn, sich mit Gott zu entzweien und die sich untereinander entzweien. Das Sterben Christi hat uns aus der Entzweiung mit Gott und mit Menschen befreit.

Das wird symbolisch deutlich in Brot und Wein beim Abendmahl. In der Gemeinschaft mit Gott und in der Tischgemeinschaft untereinander. Deshalb sind wir nachher an seinen Tisch eingeladen, um uns untereinander und mit Gott zu versöhnen. Und Gott will uns damit einladen, seine versöhnende Liebe weiterzuschenken, ihr Raum zugeben im Umgang miteinander. Das uns das gelingt wünsche ich uns.

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