Gottes Treue schenkt Frieden und Freude

Liebe Schwestern und Brüder,

sie kennen das vielleicht. Zu einer kleinen Feier am Abend haben sie Freunde eingeladen. Nette Menschen, die ihnen wirklich wichtig sind und nahe stehen. Aber sie haben einen Fehler: sie rauchen! Als gute Gastgeber erlauben sie ihren Gästen, in ihrem Nichtraucherhaus ihrer Sucht nachzugehen. Und wie jedes Mal rauchen die beiden eine Zigarette nach der anderen, die Luft ist schon fast zum schneiden und mit Schrecken denken sie an die kommenden Tage und Wochen, an denen sie noch an den Folgen dieses Abends zu leiden haben werden. Sie sind zumindest enttäuscht, vielleicht sogar verärgert, dass die beiden so ohne jede Rücksicht auf sie nur an sich selbst gedacht haben.

Ein ähnliches Problem hat es in der Anfangszeit des Christentums gegeben. Die neue Lehre hatte sich schnell verbreitet und viele neue Anhänger gefunden. Allerdings: waren am Anfang nur Juden von diesem Jesus und seiner Botschaft angesprochen worden hatte sich die Gute Nachricht doch sehr rasch auch an die „Ungläubigen“, an die Heiden gewandt. In den neuen christlichen Gemeinden lebten also Menschen mit den unterschiedlichsten religiösen Vergangenheiten zusammen. Und so war es fast logisch, dass bei manchen Fragen des täglichen Lebens zu Konflikten kommen musste. Und gerade beim Thema „Essen“ gingen die Emotionen in die Höhe. Die Judenchristen wollten, dass alle sich an die Vorschriften in der Tora, der Heiligen Schrift der Juden, halten sollten – immerhin war ja Jesus auch Jude gewesen und hatte die Vorschriften befolgt. Die Heidenchristen aber sahen gar nicht ein, warum sie sich plötzlich an alte Regeln anpassen sollten, die ja mit ihrem neuen Glauben in keinem Zusammenhang mehr standen.

Paulus hatte einige Konflikte zu diesem Thema durchgestanden. Im Gegensatz zu seiner sonstigen Härte schlägt er in unserem heutigen Predigtwort aber ganz neue Töne. „Es geht doch nicht darum, ob und was ich essen und trinken darf!“, schreibt er nach Rom. „Es geht darum, aufeinander Rücksicht zu nehmen. Es geht darum, darauf zu achten, dass wir einander nicht verletzten durch unser Verhalten. Es geht darum, einander mit Liebe zu begegnen, mein Gegenüber, meinen Mitmenschen zu lieben wie mich selbst! Die Treue Gottes zu uns Menschen muss im Mittelpunkt stehen! Dann werden wir ein Leben in Frieden und Freude leben können. Miteinander!“

Ein Leben in Frieden und Freude! Wie deutlich zeigen uns doch die Vorkommnisse de letzte Zeit, wie wertvoll der Friede in unserem Land ist. Und wie zerbrechlich unsere geliebte Sicherheit. Aber – freuen wir uns wirklich darüber? Wenn sie in letzter Zeit einmal jemanden gefragt haben: „Und, wie geht es dir?“, dann haben sie sicher oft gehört: „Du, ich bin so unglaublich im Stress. Die Anforderungen in der Schule/ im Beruf steigt mit jedem Jahr weiter. Ich trau mich schon gar nicht mehr krank zu sein. Und trotzdem ist am Ende des Geldes noch immer so viel vom Monat über. Wenn mein Partner nicht auch arbeiten würde könnten wir nicht leben.“ Angst und Unsicherheit sind die Triebfedern unserer Gesellschaft geworden. Egoismus und Ellbogentechnik sind gefragt, wenn ich nicht auf der Strecke bleiben will. Jeder muss sich selbst der Nächste sein, um im täglichen Überlebenskampf obenauf zu bleiben.

Und die Freude? Wo bleibt die Freude? Wo bleibt der Friede im Miteinander? Auf diesen Luxus müssen wir verzichten. Bei all unseren Bemühungen, genügend Geld zum Überleben zu verdienen, haben wir oft keine Zeit mehr, uns zu freuen. Gerade noch zu Weihnachten und im Urlaub ist genügend Freiraum vorhanden. Und wenn es da dann auch nicht klappt, ist die Enttäuschung riesengroß.

Soll das wirklich unser Leben sein? Das kann doch unmöglich alle sein! Müssen wir uns wirklich dem Diktat der Wirtschaft von Gewinnmaximierung und Steigerung der Dividende unterwerfen lassen? Heißt die Alternative entweder reich und unglücklich oder arm und glücklich?

Die Liebe zu Gott und die Liebe zu euren Mitmenschen soll euer Leben prägen!“, sagt Jesus. Und tatsächlich war es der liebevolle Umgang miteinander, der die ersten christlichen Gemeinden für ihre Umgebung interessant gemacht hat. Diese Menschen kümmerten sich um die Armen und Kranken, um die Witwen und Waisen, um all jene, denen das Leben übel mitgespielt hatte. Das war auch damals kein gewinnbringender Lebensentwurf. Aber durch die gegenseitige Zuneigung war es auch möglich, die schweren Zeiten gemeinsam gestärkt zu durchstehen.

Vielleicht gelingt es uns – als christliche Gemeinde im Bezirk Mödling, auch ein wenig von diesem Glanz der Liebe in unsere Welt zu tragen. Auch auf die Gefahr hin von machen als Spinner oder hoffnungslose Idealisten abgestempelt zu werden. Auch auf die Gefahr hin manchmal hemmungslos ausgenutzt oder verhöhnt zu werden. Auch auf die Gefahr hin …

Aber dafür mit der Gewissheit, dass wir alles dafür getan haben, unsere Welt wieder ein wenig lebenswerter zu machen. Dafür mit der Gewissheit, in eine funktionierende Gemeinschaft eingebettet zu sein, die mich in den Krisenzeiten meines Lebens trägt und stützt, die mit mir Freud und Leid teilt. Dafür mit der Gewissheit, dass mit der Liebe auch die Freude nicht zu kurz kommt in meinem Leben. Und vor allem in der Gewissheit, so dem Beispiel Jesu zu folgen und so mitzuarbeiten am Reich Gottes in dieser Welt.

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