Gottes Liebe macht lebendig

Liebe Gemeinde,

es ist schon erstaunlich, wie viele Predigttexte die Kommission dereinst herausgesucht hat, die von Gottes großer Barmherzigkeit und Liebe, die er uns schenkt, erzählen. Offensichtlich können wir es uns nicht oft genug sagen lassen, dass Gott auf unserer Seite steht. Es ist unbegreiflich. Gott lässt sich mit uns ein, obwohl wir es beileibe nicht verdient haben. Er geht uns nach, obwohl wir ihn zum Teufel wünschen. Er setzt auf uns, obwohl wir seiner Schöpfung durch unseren Missbrauch und Raubbau spotten. Gott hat allen Grund, mit uns keine Geduld mehr zu haben. Er müsste es eigentlich mit uns bis über den Hals stehen. Anstatt uns zum Teufel zu jagen, verjagt er den Teufel in und um uns herum. Er wendet sich uns in seiner großen Liebe zu.

Immer wo geliebt wird, erleidet die Liebe auch Schmerzen. Das gehört zu ihrem Wesen. Sie muss aushalten, nicht angenommen zu sein. Sie muss ertragen, dass wir ihr aus dem Weg gehen. Sie wird verdrängt von unseren Ängsten und Zweifeln. Ach, da wäre so viel aufzuzählen. Zuletzt erleidet sie auch den Tod in J.Chr. Genau an dem Punkt überwindet sie durch ihren Tod in Christus unseren Tod. Jesu Tod ist der zum Schlüssel zum Leben. Seine Auferstehung ist uns als Zusage zum Leben geworden.

Gottes Liebe macht lebendig. Sie misst uns an seiner Gnade. Sie kommt uns entgegen, fängt uns auf, hält uns fest, schützt uns. Gottes Liebe ist nicht Maßstab für unser Versagen, für unsere Schuld und unser Unrecht. Sie ist nicht Meßlatte für unseren Glauben. Sie ist die treibende Kraft, die alles, was Leben bedroht und zerstört, aufhalten soll.

Unserer Predigttextkommission ist sehr zu danken. Sie erinnert uns mit diesem Text für heute Morgen an das, was wir schon lange sind. Wir sind auch dann mit J.Chr. auferweckt, wenn wir durch die alltäglichen Niederschläge, Entmutigungen, Enttäuschungen an J.Chr. zweifeln und nicht glauben können. Wir sind auch dann selig und gerettet durch Gottes Gnade, wenn wir Gott für unser Unglück und unsere Angst verantwortlich machen.

Gott wäre doch kleinlich und machte sich lächerlich, wenn er seine Liebe von unserem Unglauben und unseren Zweifel abhängig machen würde. Gott ist unbegreiflich in seiner Liebe und Gnade, dass er nur aus seiner Liebe und Gnade uns erträgt, aushält und zum Leben beruft. Es ist für uns unbegreiflich, dass wir schon selig geworden sind durch den Glauben. Dabei wir nicht gemäß eines Maßes festgestellt, ob der Glaube reicht oder nicht. Wenn wir Glauben hätten, so unscheinbar groß wie ein Senfkorn, können wir Welten verändern. Das sagt Jesus.

Wir sind in diesem Leben, mit allem was wir sind, ob wir glauben oder nicht glauben, ob wir lieben oder nicht lieben, schon mit J.Chr. auferstanden. Wir sind schon das, was wir zukünftig sein werden. Verstehen können wir das nicht. Uns vorzustellen ist wohl auch unmöglich. Es fehlen uns da die Bilder aus Gottes Welt, die uns unzugänglich sind. Wir haben Jesu Wort. Er erzählt uns in vielen Bildern Gottes Welt, die uns erwartet. Eine gute Welt. Ein Welt des Lebens. Weg von Leid und Not.

Durch unseren Glauben sind wir mit Christus auferstanden. Wenn wir sterben, sterben wir in das Leben hinein. Das ist so unglaublich. Wir möchten es glauben. Wir glauben es. Aber wir zweifeln auch. Aber ob wir glauben oder zweifeln, Gottes Gnade bleibt unerschütterlich auf unserer Seite. Seine Liebe bleibt uns zugewandt, völlig von uns und unseren Glauben oder Unglauben unabhängig. Das tut so gut zu wissen und gegen die eigenen furchtbaren Erfahrungen festzuhalten.

Noch einen wichtigen Schritt weiter. Einen Schritt, den wir oft einfach auch nicht schaffen. Gerettet, selig, mit Christus auferstanden zu sein, schenkt uns allein Gott. Das ist nicht unser Verdienst. Hat einen einfachen Grund. Niemand sollte sich etwas darauf einbilden, dass er von sich aus glauben könnten. Niemand sollte vor anderen sich in ein besseres Licht stellen, ein besser Christ oder Glaubender zu sein. Es ist alles unverdientes Geschenk Gottes. Er gibt, ohne unseren ständigen "Bestechungsversuche" durch Gebete, Kirchenbesuche, wohlanständiges Verhalten usw.

Im Gebet halten wir uns offen für Gottes Nähe. Im Gottesdienst tanken wir innerlich auf. Im Gottesdienst bekommen wir im Wort, im Gebet, im Lied, im Abendmahl neue Kraft und neuen Mut, das Unglaubliche des Glaubens zu vertrauen und bei Christus zu bleiben. Der Gottesdienst ist eine Quelle unseren Glaubens, wie das Wasser für unseren Körper. Unser Verhalten kommt aus der Liebe, die andere Menschen so zu sehen versucht und anzunehmen, wie Gott es tut. Jesus ist uns darin Vorbild.

Wir wissen, dass wir zu wenig geglaubt und gehofft haben. Wir haben geschwiegen, wo wir reden sollten. Wir stellten uns auf die Seiten der Stärkeren und Mächtigeren, die ihre Macht missbrauchen, wie Jesus sagt. Unser Ort ist bei den Menschen, die andere und auch wir aufgegeben haben. Nicht, weil wir so großartig sind. Sondern, weil Gott sie durch J.Chr. ebenso zum ewigen Leben berufen hat, wie uns auch.

Es tut einfach gut zu wissen, von Gott geliebt und beschenkt zu sein. Es macht Mut, jetzt schon zu sein, was wir zukünftig sein werden. Wir brauchen und dürfen nur unsere Hände aufhalten und anzunehmen. Das ist schwer. Aber versuchen tun wir es jeden Tag. Wir wissen, unser auferstandener Herr J.Chr. ist bei uns. Er ist an unserer Seite. Er hält bei und mit uns aus. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.

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