Gott hat andere Pläne

Liebe Gemeinde,

das hört sich für uns vielleicht sehr vollmundig an. Gott hat Gedanken des Friedens über uns. Wo Frieden ist, ist Leben. Das wissen wir sehr gut. Wo Menschen im Frieden miteinander leben, kann Leben gelingen. Dort teilen sie ihr Leben, damit jeder leben kann. Im Frieden teile ich mein Brot und was zum Leben notwendig ist. Mit den anderen teile ich meine Freude, mein Wissen, meine Gedanken, meine Gefühle. Wieder mit anderen teile ich Not, Leiden und Trauer, meine Fragen, meinen Zweifel. Das Leben miteinander zu teilen, schließt alle Lebensbereiche ein. Wir teilen hier im Gottesdienst miteinander unseren Glauben. Er ist uns gemeinsam. Wir gehen zusammen ein Stück unseres Weges im Glauben. Mit Jesus Christus hat Gott unser Leben auf der Erde und in der Welt geteilt. Das war ein ganzes, volles, von Herzen kommendes Teilen. Christus hat jede Hintertür ausgeschlossen, um sich vielleicht doch noch unbeschadet und unauffällig aus der Welt zurückzuziehen. So niedrig wie seine Geburt, war auch sein Leiden und Sterben am Kreuz. Gott teilt so mit Jesus Christus seine Liebe bis ganz ins Letzte. Was Gott für uns im Sinn hat ist, dass wir Frieden mit uns selbst, mit den Menschen und mit ihm machen können. Damit uns das gelingen kann, nimmt er uns von unseren Schultern, was uns auf dem Weg des Friedens, und damit auch immer auf dem Weg der Liebe und des Lebens hindert. Zuerst nimmt er uns unsere Schuld und unsere Schuldgefühle ab. "Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und mit ihn weggetan und an das Kreuz geheftet", heißt es im Kolosserbrief. ( Kol 2.14)

Gott ist reich an Vergebung, sagt unser Predigttext. Gnade haben wir von ihm zu erwarten. Darum kann es nur darum gehen, uns dessen zu vergewissern, uns zum Leben hin befreien zu lassen. Das ist vielen Menschen viel zu wenig. Müssen wir nicht doch noch etwas tun, das sich auch vor Gott sehen lassen kann? Irgend etwas muss ich doch auch noch zu meiner eigenen Seligkeit beitragen können! Vielleicht ist die Umkehr, von der hier die Rede ist etwas, was ich dann doch noch vorweisen kann. Nein! Dort, wo wir Gottes befreiendes Wort hören, können wir gar nicht anders, als von unseren alten, gottfernen Wegen ablassen und uns ganz Gott zuwenden. Gottes Wort verurteilt uns nicht. Es schließt ein und nicht aus. Es befreit zu einem neuen und vertrauensvollen Leben in Gottes gute Gegenwart. Dafür stehen viel atl. und ntl. Aussagen. So z.B. Jes 43,1: "Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, …: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!" Das gilt auch uns. Durch Christus hat er uns erlöst und befreit aus der Macht des Todes. In der Auferstehung Christi hat er unser Leben besiegelt. Nichts kann uns mehr von seiner Liebe trennen. Ganz gleich, was da alles noch in unserem Leben kommen mag. Was wir als Christen vielleicht noch mehr fürchten als den Tod ist, dass wir durch unseren Zweifel, unsere Fragen, unseren Unglauben und Vorwürfe gegen Gott aus seiner Gnade fallen könnten und von seinem Reich ausgeschlossen werden könnten. Dann müßten wir ihn ja doch noch mit unseren guten Taten, unserer Nächstenliebe und Bibelfestigkeit beeindrucken können. Im Zusammenhang von Krankheit, Leiden und Sterben sagen mir Menschen, die betonen, An Gott zu glauben und Christen zu sein, wie sie immer guten Tun, niemandem schaden und Gott ihnen dennoch so schwere Not auflade. Gott sei ungerecht. Wie kann er zulassen, wo sie doch glauben und immer anständig leben. In so schweren Zeiten müssen wir besonders auf Gottes gutes Wort hören. Er hat Gedanken des Friedens und nicht des Leides für uns. (Jer 29.11)

Seine Gedanken sind nicht unsere Gedanken, und unsere Wege sind nicht seine Wege, sagt uns unsere Predigttext. Gott hat andere Pläne für uns und diese Welt, als wir. Sie sind himmelweit von uns entfernt. Aber sie leuchten auch auf uns herab, wie Sonne, Mond und Sterne, um unseren Alltag, unser Herz und unsere Finsternis zu erhellen. Gottes Wort ist Christus, sein Licht in unserer Dunkelheit, damit wir uns nicht fürchten. Wenn uns das Leben schwer aufliegt, wenn Angst und Verzweiflung nach uns greifen, dann nehmen wir sein Wort für bare Münze. So ist es, wie es geschrieben steht. Gott ist mir jetzt nahe in meiner Not und Einsamkeit. Wenn mich nichts mehr hält, wird er mich halten. Darauf will ich mich verlassen. Er hat es gesagt und damit ist es dann auch so. Geschehen wird es ganz sicher auf sehr menschliche Weise. Vielleicht habe ich jemand, mit dem ich darüber sprechen kann, der mit mir meine Not teilt. Vielleicht werde ich besucht oder angerufen. Vielleicht leuchtet mir ein Bibelwort so hell, dass meine Furcht verschwindet. Vielleicht reicht mir einfach die Erinnerung daran, dass Christus bei mir ist, mein ganzes Leben lang und ich fürchte mich nicht mehr. Gott hat viele Weisen, uns zu trösten und zu ermutigen. In unseren Psalmen und Liedern besingen wir das ausgiebig. Das ist wohl damit gemeint, wenn sein Wort nicht leer zurückkommt, sondern wirkt, was er beschlossen hat und durchführt, wozu er es gesendet hat: Wir werden getröstet, ermutigt, gehalten und getröstet sein. Wir vertrauen ihm unsere Wege an. Unsere Fragen verstummen und wir wagen es auszuhalten, was uns unausstehlich erschien. Wir stimmen bewusst in unseren Weg und auch Lebensweg ein, weil wir wissen, dass Gott in Jesus Christus mit uns geht und wir immer in seiner Liebe bleiben.

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