Gehören zu Gottes Haushalt

Liebe Mitchristen,

als Kinder haben wir manchmal gegeneinander gekämpft. Nichts Ernstes normalerweise, sondern einfach um unsere Kräfte zu messen. Wie Jungen das eben so machen – heute wahrscheinlich noch genauso wie in meiner Jugend.

Diese kleinen Kämpfe gehören dazu: Man lernt, sich mit dem anderen zu vergleichen. Man lernt, Sieg und Niederlage zu verarbeiten. Man lernt, wieder Frieden zu machen. Wenn man dann genug hatte vom Kampf, hat man sich hingestellt und dem anderen die Hand hingereicht mit dem fragen-den „Frieden?“ Und der andere hat geantwortet: „Frieden!“ Man ging als beste Freunde auseinander – oder hat den nächsten Plan ausgeheckt.

Den Frieden, den wir Christen zu bringen haben, hat Jesus verkündigt: „euch, die ihr fern wart, und denen, die nahe waren“ wie es im Predigttext aus dem Epheserbrief heißt. Wie es sich anfühlt, wenn man Frieden machen kann – wie gut es sich anfühlt -, das weiß man seit diesen Kämpfen als Kind. Und dennoch ist dieser Friede, den Jesus anbietet, noch einmal etwas ganz anderes: Er überbrückt Grenzen. Die Grenze zwischen Gott und den Gottfernen genauso wie die Grenze zwischen den gottnahen Menschen und den gottfernen Menschen. Anders gesagt: Wenn schon Gott den ihm ferne stehenden Menschen Frieden anbietet, welchen Grund hätten Menschen dann, hinter ihren selbst angehäuften Schützengräben zu bleiben und künstlich Feindbilder zu pflegen? Welchen Grund hätten dann wir Menschen, die wir uns Gott nahe fühlen, uns von anderen abzugrenzen. Vielleicht auf sie zu zeigen und zu sagen: „Herr, ich danke dir, dass ich nicht so bin wie jener Fernstehende!“ So wie der Pharisäer sich an die Brust geklopft hat und gesagt: „Herr, ich danke dir, dass ich nicht so bin wie jener Zöllner!“

In der Politik werden gerne Feindbilder gezeichnet. Man will sich vom Gegner abheben, und man meint das zu brauchen. Gerade vor Wahlen häuft sich das. Jeder Christ sollte – ganz unabhängig von Feindbildern – zur Wahl gehen, weil Mitwirken in der Öffentlichkeit Christenpflicht ist. Aber Feindbilder wie „Achse des Bösen“ müssen von Christen auch gebrandmarkt werden. Und wer – auch als Christ – solche Feindbilder aufbaut, der muss sich nicht wundern, dass die böse Saat aufkeimt und sich gegen ihn selbst richtet.

Damals, zur Zeit des Epheserbriefs, waren die vorher Fernstehenden die Heiden, die dann Christen wurden, und die vorher schon Nahestehenden die Judenchristen. Wir dürfen uns heute – dank Jesus Christus – zu den Nahestehenden zählen. Aber es gibt auch heute Fernstehende, die Gott einlädt. Vielleicht bisher Uninteressierte. Vielleicht aus anderen Religionen. Wenn Gott aber sie einlädt, dann haben wir nicht das Recht, uns von ihnen abzugrenzen. Wenn Gott mit ihnen Frieden verkündigt, dann sollten wir gefälligst unsere geistigen Schützengräben verlassen und auf diese Fernstehenden zugehen. Der Fernstehende, gegen den wir uns abgeschottet haben, kann schon im nächsten Haus sein.

Uns, die wir fern waren, ist in Jesus Christus Frieden verkündigt. Was sich so einfach und lapidar daher sagt, hat immense Bedeutung: Wir sind, ohne dass wir etwas dafür können, von Gott empor gehoben worden. Emporkömmlinge sozusagen. Gäbe es einen größeren und wichtigeren Grund, Gott dankbar zu sein? Er hat uns emporgehoben, zu Gottesnahen gemacht!

Kennen Sie das „Märchen von einem der aufgestiegen ist und nicht mehr wissen will, wo er herkommt“? Nein, ein Märchen ist es nicht, sondern überall Wirklichkeit: Da ist der Kleinbauer, der es geschafft hat, zum Großgrundbesitzer zu werden. Wie leicht ist er in der Gefahr, seine kleine Herkunft zu vergessen. Da ist der Schreiner mit Ein-Mann-Betrieb, der es ge-schafft hat, ein großes Möbelunternehmen aufzubauen. An seinem Verhalten spürt man, dass er seine Wurzeln nicht mehr weiß. Da ist der Lehrer, der als Politiker Macht errungen hat. Seinen Äußerungen merkt man an, dass er nicht mehr weiß, wo den kleinen Mann der Schuh drückt. Da ist der Einzelhandelskaufmann, der als Profifußballer jetzt andere Beträge verdient und vergessen hat, wo er selbst herkommt. Und jetzt mit Fragezeichen: Da ist der Christ, der von Gott emporgehoben worden ist und nicht mehr weiß, dass er selbst nicht mehr als Dreck war? Ja, liebe Mitchristen, wie verhalten wir uns: als großspurige Angeber oder als Menschen, die sich bewusst sind, dass sie ihren Christenstand allein ihrem Gott zu verdanken haben?

Sicher wird jetzt keiner von sich sagen, dass er ein großspuriger Angeber ist. Aber: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“, so weiß Jesus. Wer seine kleine Herkunft nicht vergisst – wer nicht vergisst, dass er von Gott hochgehoben worden ist aus lauter Gnade, der vergisst den Dank nicht. Und so muss für jeden Christen, der sein Christentum ernst meint, Konsequenz sein, dass er seinem Gott die Ehre gibt; dass er sich zu Gott bekennt; dass er sich nicht zu schade ist, täglich Gott zu loben; dass er sein Bekenntnis öffentlich macht; dass er sich für das Lob Gottes ein bisschen Zeit nimmt; dass er selber wieder Menschen zu Gott einlädt, die gerade fern sind.

Unser Kirchenbezirk bereitet eine Internetpräsentation vor. Die technischen Grundlagen sind vom beauftragten Unternehmen gelegt, und jetzt ist es an „Administratoren“ wie zum Beispiel ich das bin, die Inhalte zu gestalten. Bloß: Ich schaffe es gerade nicht, auf diese Seite zu kommen. Irgendetwas beim Zugangscode muss falsch sein.Durch Jesus Christus haben die Gottfernen und die Gottnahen „alle beide den Zugang zum Vater“. Jesus ist mit einem Code vergleichbar. Wer diesen Code nicht hat, der hat keine Chance, der muss draußen bleiben. Nur wer diesen Code hat und benützt, der hat Zugang zur Gottesnähe. Bei meinem Internetzugang scheitert es bisher an einer Kleinigkeit, davon bin ich überzeugt. Bei Jesus geht es nicht um Kleinigkeiten. Gott ist nicht pingelig, wenn es um unseren Zutritt geht. Davon bin ich zutiefst überzeugt. Gott hat vielmehr ein viel größeres Herz als wir oft denken.

Gott ist nicht pingelig – aber er erwartet nichts anderes, als dass wir uns in unserem Leben ganz grundsätzlich für ihn entscheiden und unser Leben entsprechend ausrichten. Aus dem Wissen heraus, woher wir kommen und durch wen wir empor gehoben worden sind. Beim Internetzugang habe ich schon ganz energisch versucht, den richtigen Code heraus zu bekommen. Vergeblich. Auch wenn sie es oft nicht zugeben werden: Viele Menschen versuchen verzweifelt, den Zugangscode zu Gott heraus zu bekommen. Aber nicht sich in Arbeit Stürzen ist der richtige Code und nicht im politischen Amt Brillieren, nicht Spaß in der Spaßgesellschaft ist der richtige Code und nicht das Häusle Bauen. Menschen die so suchen und merken, dass sie auf dem Holzweg sind, sind irgendwann enttäuscht und resigniert.

Dabei ist die Lösung so einfach: Auf Jesus Christus vertrauen, ihn den Herrn des Lebens sein lassen, das ist der Code, der uns den Zugang eröffnet. Der uns Menschen nicht mehr fern von Gott sein lässt, sondern nahe bringt. Nicht so auf Jesus vertrauen, dass man eben sagt: „Ich glaube auch.“ Sondern so auf ihn vertrauen, dass man konsequent zu ihm gehört.

„Gottes Hausgenossen“ sind wir. Ist das nichts? Wir können zum Haushalt Gottes gehören. Noch drei Anmerkungen dazu:
– Es ist toll, zu einem Haushalt, zu einer Familie zu gehören. Das können wohl nur solche Menschen richtig ermessen, denen dieses Glück nicht beschieden ist. Es ist toll und wir können uns etwas darauf einbilden, zur großen Familie Gottes zu gehören. – Ein Haushalt kann aber nur dann richtig funktionieren, wenn auch die Pflichten aufgeteilt sind und jeder seinen Teil an Aufgaben übernimmt. Im Haushalt der Familie Gottes sind wir genauso gefordert. Jeder hat eine Aufgabe zu übernehmen. Neulich hat mir wieder jemand erzählt, mit welchen Tricks das Kind der Familie sich um seine Pflichten zu drücken versucht. Ich denke, das ist nichts Besonderes, sondern normal. – Viele Menschen, die zum Haushalt der Familie Gottes gehören wollen, scheinen sich mit Tricks vor ihren Aufgaben drücken zu wollen. Lasst uns uns vornehmen, nicht zu diesen Menschen zu gehören. – Bei jedem Haushalt braucht es gewisse Vorgaben, sonst gibt es ein Chaos im Zusammenleben. Die Vorgaben für die christliche Familie gibt der Eckstein Christus, den Grund haben die Apostel und Propheten gelegt.

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