Frieden

Uns geht es gut – und doch: Wir leben in Bedrängnis. In der Schule ist es manchmal deutlich zu spüren, dass manche Menschen auf der Arbeit oder in der Nachbarschaft, in der Freundschaft oder im Verein auch deutlich erfahren: Unsere Gesellschaft ist zwar christliche und will Symbole anderer Religionen nicht gerne sehen und wird stinkig, wenn Kreuze abgehängt werden müssen. Aber wenn sich einer dazu bekennt, dass ihm sein christlicher Glaube etwas bedeutet, dann spürt er Ablehnung, manchmal sogar Feindschaft. Dann bekommt er Druck. Und wenn wir dann noch rechtfertigen sollen, woran wir glauben, warum wir glauben, dann geraten wir oft in Schwierigkeiten. Es ist doch so schwierig anderen vom Glauben zu erzählen und dabei glaubwürdig zu bleiben. So vieles scheint dem zu widersprechen. Mit diesen Erfahrungen ist oft nur schwer umzugehen. Der Glaube ist zur Außenseitersache geworden in dieser Welt, hat Privatsache zu sein. Es ist wie zu Zeiten des Apostels Paulus. Darum lese ich seine Texte auch wenn sie schwierig sind, manchmal recht gerne:

[TEXT]Wir sind gerecht sagt Paulus – nur durch den Glauben. Diese Gerechtigkeit müssen wir uns nicht neu verdienen, auch nicht (wie das Vertrauen von Menschen) täglich neu beweisen. Erste Frucht dieser Gerechtigkeit ist der Friede mit Gott Wir kennen das von Martin Luther, der um den gnädigen Gott kämpfen muss, bis er lernt, er hat ihn längst. Rechtfertigung ist geschehen, sie kann neue Lebensgeister wecken, neue Impulse geben. Sie kann befreien zu einem Leben, das Mut macht, mir und anderen. Mein Leben gewinnt eine neue Qualität.

Jesus Christus schenkt uns den Zugang zu dieser Gnade und zur Hoffnung, in der wir schon leben, die wir aber auch noch viel größer erwarten.
Weil dieser Friede mir Ruhe und Gewissheit schenkt, kann ich sogar gelassen darauf schauen, dass ich bedrängt werde, weil ich weiß, dass ich dadurch Geduld erlernen kann.
Durch Geduld erfahre ich Bewährung und Hoffnung.

Die Hoffnung aber kann einen am Leben erhalten, weil sie auch in den schlimmsten Erfahrungen, auch im finstersten Tal noch etwas spüren lässt von dem Geist der mit uns durchs Leben geht.

Ich muss ja gar nicht in das Gegenbild verfallen zu sagen: christliches Leben ist nur dort wirklich christlich, wo Menschen leiden – ChristInnen sind keine Masochisten. Aber sie leben in einer unerlösten Welt, in der sie nun einmal Drangsal erfahren und erleben. Sie sind Teil einer Welt zu der Ungerechtigkeit und Feindschaft gehören. Sie erleben das, was Christus erlebt hat: Feindschaft, weil Leben in Frieden, Freundschaft und Versöhnung nun einmal Feindschaft weckt. Es gibt zu viele Menschen, die wollen keine Versöhnung. Aber wir leben in einer Welt, in der der Geist Christi schon regiert und in der wir dann auch herausfinden können, dass wir auch dann nicht allein gelassen sind. Frieden kann nur dort sein, wo Menschen darum wissen, dass Christus bei ihnen ist und so miteinander leben.

Gott hat uns nicht geliebt, weil wir schön oder gut sind, sondern weil wir seine Kinder sind. Darum hat er sich in Jesus Christus auf unsere Ebene begeben, ist unser Bruder geworden, damit wir seine Liebe ergreifen können. Versöhnung kostet Opfer – für jeden: Wer bereit ist zur Versöhnung muss auf Narzissmus, Selbstverliebtheit und auf Macht verzichten. Er muss bereit sein zur Gemeinschaft, in die jeder etwas einbringen muss. Sonst ist nichts zu machen – auch nichts falsch zu machen: Gott liebt uns, das bringt Hoffnung, Geduld und Bewährung.

Es ist seltsam: dieses doppelte Rühmen der Hoffnung und der Bedrängnis. Aber es rührt wohl aus der menschlichen Erfahrung, dass gerade aus bedrängenden Erfahrungen letztendlich Menschen gestärkt hervorgehen können. Vielleicht sind solche Erfahrungen auch ein besonderer Grund sich der Hoffnung zu rühmen, die uns geschenkt ist. Es ist allerdings nicht zwangsläufig, dass man im Leiden wächst. Es kann auch bitter machen.

Das durchgehende Motiv unseres Textes ist der Frieden. Frieden kann nur dort sein, wo Menschen sich gegenseitig Frieden gewähren. Frieden mit Gott haben wir. Er kann uns beflügeln, Frieden werden zu lassen mit unseren Mitmenschen.

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