Ewigkeitsspartag

Liebe Mitchristen,

wer von Ihnen legt Wert aufs Sparen? Dass man etwas auf der hohen Kante hat für Notfälle – dass man sich später einmal etwas Besonderes leisten kann – dass man sich keine übertriebenen finanziellen Sorgen machen muss – dass man ganz einfach ein bisschen Polster hat. Sozusagen ein gefülltes Sparkonto als ein gutes Ruhekissen für die nächste Zeit, die nächsten Jahre.
Also ich mache einmal den Anfang: Ich lege Wert aufs Sparen (sich melden!). Wer von Ihnen legt noch Wert aufs Sparen? Trauen Sie sich, sich zu melden! (warten!)

Nein, heute ist nicht Weltspartag, sondern Erntedankfest. Sie sind nicht auf der Hauptversammlung der Volksbank, sondern bei der „Hauptversammlung“ der Kirchengemeinde. Aber trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – möchte ich Ihnen Tipps fürs Sparen geben.

Wussten Sie, dass Sparen mit Spenden gleichzusetzen ist? Dass derjenige der beste Sparer ist, der freigebig und ohne immer zu groß nachzudenken spendet. Wenn ich das jetzt im Gespräch sagen würde, und nicht in der Predigt, wo man sich nicht traut, etwas dagegen zu sagen, dann würden Sie sicher gegen diese Aussage protestieren: „Das stimmt doch überhaupt nicht. Wer Geld ausgibt, spart nicht. Wer großzügig Geld ausgibt, spart nicht!“

Falsch: Schon die Praxis des Alltags kann uns lehren, dass besonnene Ausgaben zur rechten Zeit beim Sparen helfen können. Und Erfahrung mit Großzügigkeit kann uns lehren, dass diese nicht unbedingt ausgenützt wird, sondern sich in der Mehrheit der Fälle eher auszahlt: Wo ich mich nicht kleinlich zeige und ohne Berechnung großzügig bin, kommt es in der Regel irgendwie zurück.

„Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen“ sagt Paulus dazu mit Hilfe eines Bildvergleichs aus der bäuerlichen Welt. Reichliches Geben, so kann man das übersetzen, bedeutet auch reichliches zurück Erhalten. Und damit Sparen. Ob das jetzt in der gleichen Münze ist, dass man für Geld wieder Geld zurück bekommt oder etwas ganz anderes, das steht auf einem anderen Blatt.

Spenden ist sozusagen Sparen für das Seelenheil. „Sammelt euch aber Schätze im Himmel“ heißt es in der Bergpredigt des Matthäusevangeliums. Wer hier gibt, sei es Geld oder irgend etwas ganz anderes, dem wird das hernach belohnt – dort im Himmel mit Zins und Zinseszins ausbezahlt. Womit wir wieder beim Weltspartag wären – nein beim Ewigkeitsspartag.

Im Religionsunterricht in der vierten Klasse wurde ich kürzlich gefragt, wie der Teufel aussieht und wer ihn eigentlich erschaffen hat. Es ist gar nicht so einfach, das den Kindern zu erklären. Aber viel einfacher ist zu sagen, dass man dem Teufel und der Hölle am Besten ausweicht, einen weiten Bogen um sie macht. Die Hölle kann ich mir ersparen – und damit ist fröhliches Geben von Geld, von Liebe, von Zeit das beste Sparen, was es gibt. Denn „einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“

Das Bild des Apostels Paulus ist aus dem bäuerlichen Bereich genommen. Jeder Landwirt weiß heute noch genauso wie damals, dass man beim Säen nicht unvernünftig sparen darf. Nur wenn etwas gesät wird, kann auch daraus wieder Frucht wachsen. Das heißt natürlich nicht, dass man im Unverstand sät. Aber den Acker gut zu bestellen bedeutet, mit Saatgut nicht zu knausern.

Unser Saatgut als Christen sind nicht die Körner, die wir auf den Acker werfen, sondern ganz andere Güter und Werte. Aber die Schlussfolgerung gilt auch dafür: Wenn wir damit knausern, können wir nicht erwarten, dass reichlich Frucht entsteht. Wenn wir reichlich geben, bekommen wir überreichlich zurück.

Das Bild vom Säen vermittelt auch, dass die Ernte bei vernünftigem Säen normalerweise unverhältnismäßig viel größer ist als das, was ausgestreut wird. So ist es auch bei der christlichen Ernte: Es ist uns versprochen, dass wir dort bei Gott unverhältnismäßig viel mehr ernten dürfen, wenn wir hier reichlich säen.

Dass Sie es nicht verkehrt verstehen: Es geht in diesem Zweiten Korintherbrief zunächst und in erster Linie um das Materielle. Der Predigttext ist aus einem richtigen Bettelbrief genommen. Nicht erst die Kirchengemeinde Roßfeld bettelt, um die Schulden fürs Martinshaus abzahlen zu können, sondern schon Paulus bettelte, um Schulden abzahlen zu können. Worum ging es konkret?

Die Gemeinde in Jerusalem, also dort wo das Christentum seinen Ausgang genommen hatte, war sehr arm. Und es mussten dort vor allem auch Bedürftige versorgt werden. So machte es sich Paulus zur Aufgabe, unter den Gemeinden, die er gegründet hatte, zum Spenden aufzurufen: Spende für die Heiligen in Jerusalem. Das war man diesen Heiligen schließlich schuldig, von denen das Evangelium ausgegangen war.
Es klingt nach Mahnung und nach eindrücklichem Appell, und das wiederum riecht nach Moral und erhobenem Zeigefinger. Aber so soll es nicht sein – wie Paulus auch sagt: „Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“

Im Kirchengemeinderat haben wir immer wieder über Opfer für fremde Zwecke zu beschließen: Brot für die Welt, Weltmission, Diakonie, Osteuropa, Aktion Sühnezeichen, Israelopfer und was es sonst noch gibt. Gilt nicht auch hier genauso: Ein großzügiges Opfer zahlt sich letztendlich aus. Und einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.

Es war jetzt viel davon die Rede, dass es auf unser Geben ankommt. Man kann viel geben – außer Geld auch Zeit, Liebe, Kraft, Hoffnung, Zuneigung. Dass dieses Geben Früchte bringt.

Aber das Bild vom Säen zeigt noch etwas anderes: dass das Wachsen des Samens nicht in unserer Verantwortung steht. Gottes Gnade ist es, die dazu kommt. Ohne die all unser Mühen überhaupt keinen Wert hätte. Wenn wir uns einsetzen für irgend etwas, dann ist Gott es, der unseren Einsatz wachsen lassen kann. Wenn wir hier in der Gemeinde uns engagieren, dass das Evangelium gesät wird, dann sorgt Gott dafür, dass die Saat Frucht trägt. Wenn wir unseren Kindern und Enkeln von der Liebe Gottes erzählen, dann ist Gott dafür zuständig, dass dieses Erzählen nicht nutz- und sinnlos ist, sondern einmal Frucht tragen wird.

Mit diesem Wissen können wir genauso zufrieden sein wie mit dem Wissen, dass Gott uns dieses Jahr wieder manches zur Verfügung gestellt hat. Lasst uns dafür aus ganzem Herzen Gott danken. Der beste Dank aber, so sagt Paulus, ist das fröhliche Geben.

Und auch wenn heute nicht Weltspartag ist, sondern Erntedankfest: Lasst uns etwas ansparen dort im Himmel durch fröhliches und reichliches Säen hier auf der Erde. Denn wer gibt, der spart auf sein persönliches Konto für den Ewigkeits-Spartag.

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