Er ist der Gott aller!

Liebe Gemeinde,

schon der Gedanke, Gott wäre nur exklusiv für bestimmte Gruppen von Menschen da, ist abwegig. Warum sollte er die einen bevorzugen und die anderen ablehnen? Seine Barmherzigkeit gilt entweder allen oder keinem Menschen.

Gott ist nicht der Gott nur für die Juden. Er ist nicht der Gott nur für die Heiden. Er ist auch nicht der Gott nur für die Moslems. Er ist der Gott aller. Wenn das nicht so ist, dann ist er keines Gottes. Dann streiten wir über etwas, das es gar nicht gibt.

Alles, was wir von Gott wissen und sagen, beruht auf menschliche Erfahrung und menschliches Nachdenken. In der Bibel bezeugen Menschen ihre hautnahen Erfahrungen mit Gott. Manchmal sehr erfreulich. Manchmal bedrückend und beängstigend. Sie erzählen davon, wie sie Not und Gefahr überwanden und dabei Gottes Nähe und Hilfe spürten. Sie erzählen von dem fernen, abwesenden, strafenden Gott, den sie nicht verstehen.
Ein Grundton bricht immer wieder durch. Gott ist barmherzig. Er wendet sich ausnahmslos jedem Menschen zu. Das ist so groß und wunderbar, dass wir es schon wieder nicht mehr glauben wollen. Wie kommt ausgerechnet der Gott, der Himmel und Erde und alles was darinnen ist geschaffen hat, dazu, sich um mich als einzelnen Menschen zu kümmern? Die Erde und das Weltall und alles was ist, verändern sich unentwegt. Leben entsteht. Leben vergeht.

Gottes Größe, sein unendlicher Reichtum, seine Weisheit und seine tiefen Gedanken sammeln sich in seiner Barmherzigkeit. Er lässt sie allen Menschen zukommen. Der ferne, unendliche, weite und ungreifbare Gott wendet sich mir, einem unscheinbaren Augenblick des Lebens in Mitten allen Lebens zu.

Wenn wir von Gott reden, dann muss sich unser Reden an diesem Gott, der allen Menschen seine Barmherzigkeit zuwendet, messen lassen. Das wird sicher denen schwer fallen, die Gott ständig als Rächer, Beleidigten, Mörder darstellen. Auch davon finden wir einige Zeugnisse in der Bibel. Wer Dreck sucht, wird ihn auch finden. Das ist klar. Wie lange haben wir gebraucht, uns vor Gott nicht als letzten Dreck zu verstehen, die nur Strafe verdient haben? Wie kann ich Gott lieben, wenn ich davon ausgehen muss, dass er mir nach meinem Leben trachtet? Wie kann ich fröhlich sein, wenn mir das Wort verdunkelt wird, das mich ermutigt, mich nicht zu fürchten, von Gott erlöst und bei meinem Namen gerufen zu sein.

Ein 17jähriger Jugendlicher sagt zu mir, dass er nicht an Gott glauben kann. Er hatte vor wenigen Tagen seinen gleichaltrigen Freund zu Grabe getragen. Der kam bei einem Autounfall ums Leben. Ist das der Gott, dessen Entscheidungen und Pläne unbegreiflich sind, wie der Apostel seiner Gemeinde schreibt. Der dunkle und bedrohliche Gott, der es versteht, unseren Glauben an ihn auf Eis zu setzen? Wie verträgt sich das Elend, der Hunger, die Not, die Katastrophen und Kriege, das persönliche Schicksal mit dem Gott, der Gedanken des Friedens und Lebens für uns hat? Wie verträgt sich das unendliche sinnlose Leiden und Sterben in der Welt mit dem Gott, der uns mahnt, uns nicht zu fürchten, weil er bei uns ist? Wo ist er geblieben? Jeder mag hier seine Anklagen und Fragen einbringen.

Geht es den meisten Menschen doch eher mit dem Beter des Psalmes 22: Mein Gott, mein Gott, warum hat du mich verlassen? Vielleicht machen wir uns von Gott falsche Gedanken. Vielleicht sind unsere Vorstellungen zu eng. Ist Gott doch so ganz anders, dass er gar nicht in unsere Bemühungen passt, Sündenbock für unser Leben zu sein.

Er hat sich für uns zum Sündenbock gemacht. Aber anders, als wir es wünschen. Er hat unsere Schuld auf sich genommen. Er ist den Weg des Leidens und Sterbens gegangen. Dafür steht Jesus Christus, von dem in unserem Text mal nicht direkt die Rede ist. Gott als Sündebock ist nur aus dem Blickwinkel seiner Barmherzigkeit, die er jedem Menschen zuwendet zu sehen und zu verstehen. Er nimmt das Leiden im Leiden Jesu auf und verwandelt es zu neuem Leben. Hoffnung und Zukunft für uns und über uns hinaus ist angesagt.

Gott weitet unseren Blick über unser Leben hinaus. Weder Hohes noch Tiefes, weder Engel noch Fürstentümer, noch Gewalten, weder Tod noch Leben können uns von Gottes Liebe trennen, die er uns Jesus Christus schenkt. Das bezeugt uns Paulus in diesem Brief an die Römer. Nicht die Zusage, dass es uns gut geht bis an unsere Lebensende im hohen Alter, sagt uns Gott zu. Er ist da in unserem Alltag und Sonntag, in unseren Höhen und Tiefen, in Freude und Leid. Er bleibt an unserer Seite und wird niemals weichen.

Vielleicht erfahren wir seine Nähe als Rettung in ganz bestimmten Nöten. Aber sie weisen nur auf die eine und letzte Rettung hin, die er uns durch die Auferstehung Jesu verheißen hat. Vielleicht werden wir im Leiden getröstet und erkennen es als Gottes Trost und Ermutigung. Gott hat so unendlich viele Weisen, sich als nah und Helfer in unserem Leben zu erweisen. Es ist so menschlich, dass wir es nicht wagen, den Höchsten, den Schöpfer ausgerechnet hier in unserem Alltag zu sehen. Es ist so. Darum loben und preisen wir Gott mit unserem Leben, mit unserem Alltag, mit unserem Vertrauen, mit unserem Gesang, mit unserem Gebet, mit diesem Gottesdienst.

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