Ein großes Fest

Heute, liebe Gemeinde, feiert die Kirche nochmals ein großes Fest. Es ist ein vergessenes Fest, der letzte Sonntag nach Epiphanias. Wir feiern heute das Ende und den Abschluss der Weihnachtszeit.

Noch einmal ist die Rede im Evangelium von viel Licht und Verklärung und im Wochenspruch wird Gott als Sonne dargestellt. Noch einmal durchschreiten wir die Heilsgeschichte Gottes und preisen die weihnachtliche Neuschöpfung des Menschen. Denn wir sind von Gott geachtet, indem er Mensch wurde. ? Hoffentlich ist dieser weihnachtliche Glanz noch in unseren Herzen.

Aber es gibt auch Menschen, die verachtet werden, geschlagen und bedrängt werden, so wie auch Gott als Mensch verachtet, geschlagen und bedrängt wurde. Mit nur wenigen Worten fasst der Apostel Paulus all das zusammen, was von dem Bild eines Menschen im Angesicht Gottes zu sagen ist.

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Von Gott hoch geachtet und von den Menschen bisweilen tief verachtet, so erleben wir uns und auch andere in dieser schlimmen Anspannung. Aber wir zerbrechen nicht, das lässt Gott nicht zu.

Und darum, liebe Gemeinde, feiern wir an diesem Sonntag und auch an den kommenden Sonntagen Gott. Ja, wir feiern, dass wir die schlimmen Anspannungen ertragen können und dass wir beim Hören seiner Worte und beim Singen der Lieder und beim Gebet Erlösung erfahren können.
Wir feiern aus der Tiefe unserer Herzen Gott, der uns sein Licht, Jesus, gegeben hat. Aus der Tiefe unserer Herzen feiern wir Gott, der uns trägt, damit wir uns ertragen.

Die Undurchschaubarkeit unserer Welt und die Unsichtbarkeit Gottes bereiten unserem Glauben Schwierigkeiten. Jesus hat zwar gesagt: Selig sind, die nicht sehen und doch glauben, aber damit hat er, so denke ich, die unmittelbare und natürliche Wahrnehmung gemeint, die sich unseren Augen erschließt.

?Licht strahle auf, aus der Dunkelheit?! So hat er auch sein Licht in meinem Herzen aufleuchten lassen und mich zur Erkenntnis seiner Herrlichkeit geführt, der Herrlichkeit Gottes, wie sie aufgestrahlt ist in Jesus Christus.

Liebe Gemeinde, ich erinnere mich noch genau an eine Adventsfeier vor 20 Jahren bei den Obdachlosen auf der Eremitage. In den dunkeln Speiseraum auf die Treppe zum kleinen Chorraum hatten wir eine überdimensionale Kerze aufgestellt und nach und nach wurden dann die Kerzen auf den Tischen angezündet. Es wurde strahlend hell.

So wollten wir, dass durch uns ein Licht, das Licht der Güte Gottes entfacht würde und in die Herzen unserer Nächsten hineingetragen würde. Holt auch ihr euch dieses Licht. Denn Gott sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten und in meinem Herzen aufleuchten und mich zur Erkenntnis seiner Herrlichkeit führen.

Unser Unvermögen, unser Verstand, unser Denken und auch unser Unglaube hindern uns oft genug daran in den Schein dieses Lichtes zu kommen. Aber, liebe Gemeinde, wenn uns Gottes Wort ergreift, dann erfahren wir den hellen Schein. Stückweise erfahren wir dann die Güte Gottes und wachsen in seiner Erkenntnis.

Sein Licht, der helle Schein macht uns lebendig und unser Leben wird zu einem ständig neuen Suchen, zu einem Wachsen im Glauben. Sein Licht, der helle Schein macht uns lebendig zu einer Dienstbereitschaft an meiner Nächsten und an meinem Nächsten. Sein Licht, der helle Schein erwärmt uns und ermutigt uns auch andere in diesen Lichtkreis hineinzurufen.

Und dabei geht es, liebe Gemeinde, um die Erkenntnis der Klarheit Gottes im Angesicht Jesus Christi. Mit anderen Worten, wer von uns über Gott Klarheit gewinnen will, der braucht und soll nicht länger aus der Ferne nach ihm Ausschau halten. Wir sollen in das Angesicht Jesu Christi schauen, in dem sich Gottes Klarheit widerspiegelt.

Gott hat sein Geheimnis gelüftet und sich bei uns vorgestellt. Christus Jesus ist das Ebenbild des lebendigen Gottes. Und dieser Gott hat uns von der Dunkelheit befreit. Gott hat uns hell gemacht. Ja, Gott hat uns zu neuen Menschen gemacht. Unser Glaube hat uns neuen Mut gegeben, Mut zum Leben.

Unser Leben als Christen soll ein Transparent sein, es soll aufleuchten lassen, was uns in der Begegnung mit Christus aufgegangen ist: dass durch uns entstünde die Erleuch-tung. Und deshalb können wir Christen allein das Licht der Welt sein, weil Jesus Christus von sich behaupten darf: Ich bin das Licht der Welt.

Und diesen Schatz trage ich in einem ganz gewöhnlichen, zerbrechlichen Gefäß. Denn es soll deutlich sichtbar sein, dass das Übermaß an Kraft, mit dem ich wirke, von Gott kommt und nicht aus mir selbst.

Die Schätze unseres Lebens, das, was unser Leben reich macht, stecken in zerbrechlichen Gefäßen. Wir selbst sind wie Tonkrüge. Wir sind von Erde genommen und kehren wieder zu ihr zurück. Und ein jeder Krug geht irgendwann einmal zu Bruch ? ein jedes Leben geht irgendwann einmal zu Ende. Unser Leben ist genauso zerbrechlich wie ein Krug.

Die alte Sage von Ikarus berichtet uns, wie Vater und Sohn sich Flügel aus Wachs bauten um aus ihrer Gefangenschaft zu entfliehen. Je näher sie der Sonne kamen, desto wärmer wurde es. Das Wachs schmolz und Ikarus stürzte in die Tiefe.

Mit unseren Versuchen uns Gott zu nähern ist es ganz ähnlich. Je höher wir zu steigen versuchen, umso komplizierter werden unsere Begrifflichkeiten von Gott und umso verwirrter werden wir.

Und kommen wir gar an die Grenze, an der wir anfangen Gott zu schauen, da werden unsere Gedanken und unsere Begrifflichkeiten in einen finsteren Abgrund geworfen, weil sie vor dem Lichte Gottes nichts mehr taugen und nicht mehr bestehen können und sie schmelzen dahin wie der Wachs in der Sonne.

Sollte allerdings der Begriff: Schatz bedeuten, dass etwas von anderem abgegrenzt wird, also gewissermaßen umzäumt wird, dann, liebe Gemeinde, kann es für Gott keinen Begriff geben. Denn er ist größer, als jede Grenze.

Die Gute Nachricht versteht unter dem genannten Schatz: die von Gott selbst gegebene Gewissheit der Vergebung der Sünden zu haben und durch die Gnade Gottes auf das Ziel des ewigen Lebens zuzugehen. Diese unsere Orientierung ist ein reines Geschenk an uns, die wir dadurch zu Christen werden.

Der Grund und das Ziel dieser neuen Existenz liegen allein in der Liebe Gottes, die in Jesus Christus Wirklichkeit geworden ist.

Heute, liebe Gemeinde, feiert die Kirche nochmals ein großes Fest. Es ist ein vergessenes Fest, der letzte Sonntag nach Epiphanias. Wir feiern heute das Ende und den Abschluss der Weihnachtszeit.

Noch einmal ist die Rede im Evangelium von viel Licht und Verklärung und im Wochenspruch wird Gott als Sonne dargestellt.

Noch einmal durchschreiten wir die Heilsgeschichte Gottes und preisen die weihnachtliche Neuschöpfung des Menschen. Denn wir sind von Gott geachtet, indem er Mensch wurde. ? Hoffentlich ist dieser weihnachtliche Glanz noch in unseren Herzen.

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