Ein Gott in drei Gestalten

Trinitatis, dieser Sonntag nachdem sich über 20 Sonntage des Kirchenjahres benennen ‚*nach Trinitatis’. Dieser Sonntag Trinitatis will uns erinnern an dieses seltsame Gebilde der Heiligen Dreifaltigkeit. Ein Gott in drei Gestalten. Was damit genau gemeint ist, darüber streiten TheologInnen seit fast zwei Jahrtausenden. Aber Einiges ist doch deutlich: Es ist ein Herr, den wir verehren als Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Ein Herr, der uns in drei verschiedenen Erscheinungsweisen entgegentritt. Im Glaubensbekenntnis wird das vielleicht auch deutlich. Gott, der Vater, der Schöpfer, dem wir uns verdanken. Gott, der Sohn, der für uns Mensch geworden ist, unter den Menschen gelitten hat, gefoltert worden ist, wie die Gefangenen von Guantanamo oder im Irak. Gott, der Heiliger Geist, der Gemeinde baut, der als Gottes Geist mitten unter uns präsent ist. So verschieden uns doch eins erscheint uns Gott. Konkreter ist es wohl nicht darstellbar, weil Gott sich allen konkreten Bildern entzieht. Er ist nicht darstellbar, aber wir können mit ihm heute Gottesdienst feiern und ihn mit Paulus loben:

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Paulus schreibt in diesen Kapiteln des Römerbriefes über die Gemeinschaft von Christen und Juden. Leider sind diese Kapitel (9-11) in der Geschichte des christlichen Glauben selten richtig gelesen und verstanden wurden. Für ihn ist ganz wichtig, dass Jesus Christus nicht das Ende des Bundes zwischen Gott und Israel bedeutet. Es ist eher ein Angebot eines neuen Bundes, der neben dem alten Bund gleichrangig steht.

Seine Gedanken über Juden und Christen enden mit einem großen Jubelruf. Wir haben ihn vorhin gehört: ‚O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!’

Staunen und den Jubel darüber, dass Gott allen Menschen in Jesus Christus eine neue Chance einräumt, sie befreit und beruft. Der Reichtum einer Kirche besteht zuallererst weder in Geld und Gut noch in Menschen, sondern zuallererst in der Zuwendung Gottes in seiner Schöpfung in Jesus Christus und in seinem Heiliger Geist. Gleichzeitig geht es um das Geheimnis, das dahintersteht: Offenbarung: Wer hätte Gott jemals gesehen?

Unser Abschnitt will drei Kapitel Römerbrief über das Verhältnis Christen und Juden beenden: Das Evangelium ist für jeden Menschen eine Kraft Gottes zur Rettung egal ob Jude oder nicht. Alle Menschen sind ungehorsam und alle sind Berufene. Kein Mensch wird in seinem Leben Gottes Willen wirklich erfüllen können, kein Mensch wird es jemals schaffen, Gott 100%ig zu gefallen. Aber darum geht es nicht. So wie Gott Paulus trotz seiner Rage gegen die Christen berufen hat, so wie er Petrus berufen hat, trotz Verleugnung und Nichtverstehen, so beruft er auch mich, trotz meiner ganzern Unzulänglichkeiten, trotz meiner Mängel und Fehler. Gäbe es einen unbestechlichen TÜV, würde ich durchfallen, aber Gott ist nicht unbestechlich. Er lässt sich bestechen, durch seine Liebe. Sie bringt ihn dazu sich dem Menschen immer wieder neu zuzuwenden.

Das Geschehen in Jesus Christus. Gottes Zuwendung zu den Menschen in seinem Sohn, darf für Paulus nicht darauf hinauslaufen, auf die Juden hinabzuschauen, sondern kann Anlass geben, ihnen dankbar zu sein, dass sie die Botschaft von Gott überliefert haben und dass Jesus Christus einer von ihnen war. Die Erwählung Israels wird nicht abgelöst. Eine neue, zusätzliche Erwählung wird ausgesprochen. Christen und Juden sind Brüder und Schwestern. Alle Menschen waren und sind ungehorsam – und Gott beruft sie doch. Das ist das Wunder, dass Paulus jubeln lässt.

‚Gott mit uns’, das ist ein wesentlicher Motor seines Tuns, seiner Mission in der damals bekannten Welt. Er will, dass alle Menschen diese frohmachende Botschaft erfahren: ‚Gott mit uns’.
Sein Text endet trotzig: ‚Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.’ Egal was ist und gegen alle Widerstände! Er erlebt Widerwärtiges, Verfolgungen, Beleidigungen von Fremden, aber auch von Schwestern und Brüdern. Alls ist er bereit zu ertragen für die eine wesentliche Botschaft, die alle Menschen aller Religionen und aller Nationen erfahren sollen: Gott ist mit uns, Ihm sei Ehre in Ewigkeit. Amen! Die Summe seiner Verkündigung ist entscheidend: Gott lebt und hat sich offenbart – als Vater, Sohn und Heiliger Geist – Gott zeigt sich uns mannigfach in unserem Leben und Erleben. Er begegnet uns in seiner Schöpfung und in dem Frieden, den er bereitet, in seinem Geist, der unter uns ist und in seiner Gemeinde.

Die Kirche des Vaters und die Kirche des Sohnes gehören zusammen in dem einen Geist: das will uns Paulus sagen und das ist die Aussage des Sonntags Trinitatis.

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