Ein altes Glaubensbekenntnis

Ich glaube: So bekennen wir in jedem Gottesdienst. Meistens ganz bewusst mit den Worten unserer Vorfahren im Glauben. Das nunmehr runde 1650 alte Glaubensbekenntnis, das seit seiner Entstehung nur behutsam sprachlich angepasst wurde, und von ChristInnen aller Konfessionen gemeinsam gesprochen wird.
Ich glaube: Was bedeutet dieses Bekenntnis für mich, für meine Alltag, für mein persönliches Verhältnis zu Gott und zu meinen Nächsten? Hat es überhaupt Auswirkungen auf mein Leben. oder ist es nur ein Teil jener alten Traditionen, mit denen sich Kirche oft schmückt, ohne dass klar wird, warum eigentlich?
Ich persönlich glaube, dass im Glaubensbekenntnis mehr steht als nur Worte. Da sind alte Glaubensinhalte festgewoben in ein Geflecht, dass immer wieder neu interpretiert werden kann in meine Gegenwart und die alten Texte der Bibel wollen mir dabei helfen. Und sie können mir dabei helfen:

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Das ist ein altes Glaubensbekenntnis: Jesus ist der Christus. Daraus folgen weitere Aussagen. Das zu glauben, heißt von Gott geboren zu sein und die Brüder und Schwestern zu lieben, weil sie auch von Gott geboren sind.

Die Liebe zur Gemeinde und die Liebe zu Gott und das Halten der Gebote gehören untrennbar zusammen. Zur Liebe gehört auch das Halten der Gebote. Das ist auch nicht schwer. Das allerdings ist ein Spitzensatz, der für viele Menschen heute nur schwer nachzuvollziehen ist. Das liegt aber weniger an den Geboten oder daran, dass der Mensch von Natur aus schlecht sei. Das liegt daran, dass wir die Gebote oft auf den Kopf stellen. Als ginge es Gott darum, uns ein hartes Gesetz hinzustellen. Vielmehr sind Gebote Ausdruck von Freiheit, von Befreiung. Für die Gebote ist wichtig, dass sie beginnen mit dem Satz: 2.Mose 20,2: Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Mit der Gabe der Gebote will Gott Freiheit unter den Menschen bewirken. Diese Freiheit, die auch dem anderen Menschen seine Freiheit belässt.

Jeder Christ / jede Christin ist angesprochen. Der Glaube, dass Jesus der Christus ist, reicht als gemeinsame Grundlage. Nicht an der Bruderliebe lässt sich die Gottesliebe ablesen, eher umgekehrt: Die Liebe zu Gott und das Halten der Gebote sind Erkenntnisgrund der Bruderliebe. Sie ist die Erfüllung der Liebe zu Gott im konkreten Alltag. Die Liebe zu Gott verwirklicht sich in dem Halten der konkreten Gebote.

Überraschend ist es, dass dem Glauben der Gemeinde die Kraft zugesprochen wird, die Welt zu besiegen.

Die Leichtigkeit der Gebote entsteht nicht aus einem laxen: Alles kein Problem – ich bin o.k. du bis o.k., sondern aus der Tragkraft des Glaubens. Der Glauben ermöglicht mir immer wieder neu anzufangen auch mit dem Halten der Gebote und auch mein Versagen in konkreten Einzelsituationen zu ertragen und vor Gott zu bringen.
Jubilate: Wir dürfen heute jubeln, über den Glauben, der die Welt bereits überwunden hat. Wir dürfen jubeln über diesen Gott, der unserem Glauben soviel zutraut.

Ein Bewohner des Warschauer Ghettos hat das so gesehen: Ich glaube an die Sonne, auch wenn sie nicht scheint. Ich glaube an die Liebe, auch wenn ich sie nicht spüre. Ich glaube an Gott auch wenn ich ihn nicht sehe.’ Um diese Gelassenheit des Glaubens geht es, aus der Liebe erwachsen kann, die nicht die ganze Welt heilen will, aber das tut, was sie tun kann – und sich sicher ist geliebt zu sein.

Der Sieg über die Welt ereignet sich immer dort, wo Menschen in ihrer christlichen Verantwortung leben. Glaube wird dort gelebt, wo Menschen begreifen, dass es nicht als Erstes um irgendwelche Lehrsätze gilt. Die können hilfreich sein, aber nur dann sind sie gut.
Es geht nicht um Andere, die sich doch gefälligst an die Gebote halten sollen. Es geht um mich und meine Beziehung zu Gott und den Nächsten. Es ist wie im Straßenverkehr. Ich kann mich stundenlang aufregen über die Fehler, die die anderen machen, wenn sie falsch parken oder mir die Vorfahrt nehmen. Über meine sehe ich dabei gerne glänzend hinweg. Ich vergesse dabei die Dankbarkeit, dass andere meine Fehler ausbügeln und so Unfälle vermeiden helfen. Diese Dankbarkeit will ich lernen und ich will lernen an mir zu arbeiten, dass ich mit daran beteiligt bin, dass menschliches Miteinander gelingt.
Wenn es für den 1. Johannesbrief ein Feindbild gibt, dann ist es jener geisterfüllte Enthusiasmus, für den Glaube nur etwas Innerliches ist, etwas wirkungsloses. Er will deutlich machen, dass Glaube auch etwas Innerliches ist, aber auch etwas, das Wirkung zeigt, dass sich auswirkt im Miteinander der Menschen. Auf Wicherns Grabstein steht der Wahlspruch seines Lebens: unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat, weil ihm das wichtig war und er darum seine Liebestätigkeit begründete: die Diakonie, um den Benachteiligten zu helfen.

Für mich heute ist es genauso wichtig. Gott traut meinem Glauben zu, dass er die Welt verändert, in dem ich das Meine tue und darauf vertraue, dass Andere vom Geist getrieben das Ihre tun.

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