Dreimal ist Gott Einer – Trinitatis mit Jonglierbällen

Liebe Gemeinde!

„Wieso ist Gott denn eigentlich nur einer?“, fragten meine Konfirmandinnen in der letzten Stunde. „Es könnten doch auch mehrere Götter sein. Woher wollen die Menschen das wissen?“

Mir blieb zur Beantwortung dieser Frage nicht viel Zeit, denn die Stunde war gerade zu Ende gegangen.

Zwei Dinge fielen mir spontan ein: Erstens: Gott hat sich Menschen als der Eine Gott gezeigt. Diese Gotteserfahrung findet sich in der Bibel aufgeschrieben, z.B. im ersten Schöpfungsbericht. Dort heißt es: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Gott allein hat die Welt geschaffen und nicht mehrere Götter. Zweitens sprechen wir ja von Gott-Vater, Gott-Sohn und Gott-Heiliger Geist. Das ist zugegebenermaßen eine komplizierte Weise, den einen Gott zu beschreiben.
Es fällt schwer, Gottes Wesen in Worte zu fassen. Gott übersteigt menschliches Fassungsvermögen. Auch der Apostel Paulus bekennt dies in unserem Predigttext. Hören wir noch einmal seine Worte:

[TEXT]Paulus weiß um das Geheimnisvolle in Gottes Wesen. Gottes Gedanken kann keiner erkennen. Seine Wege sind unerforschlich, so sagt es Paulus.

Aber gerade diesen unbegreiflichen Gott, der unser geistiges Vorstellungsvermögen übersteigt, den lobt und preist der Apostel Paulus. Und er beschreibt Gott, indem er einen weiten Bogen schlägt: „Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge.“

Gott ist der Anfang, „von ihm ist alles“. Er hat die Welt geschaffen. Er ist der Schöpfer des Himmels und der Erde. Gott ist aber auch mitten im Leben, er nimmt Anteil, „durch ihn sind alle Dinge“, sagt Paulus. Schließlich ist Gott das Ziel des Lebens und der Geschichte. „zu ihm sind alle Dinge.“

Wie lassen sich diese drei Aspekte Gottes zusammendenken: Gott am Anfang der Welt, Gott mittendrin in dieser Welt und Gott am Ende der Welt?
Dieses Rätsel beschreiben wir Christen mit der Rede von der Dreieinigkeit oder auf Latein: Trinität. Dreieinigkeit bezeichnet die Zusammengehörigkeit von Gott-Vater, Gott-Sohn und Gott-Heiliger Geist.

Gott in dreierlei Weise zusammenzudenken, das findet sich wortwörtlich so nicht in der Bibel. Aber die unterschiedlichen biblischen Aussagen über Gott, z.B. als den Schöpfer, Jesus als den Sohn und schließlich auch von Gottes Geist haben in der Kirchengeschichte zur Entwicklung des Bekenntnisses zum einen Gott in dreierlei Erscheinung geführt. Zu allen drei Aspekten Gottes, Vater, Sohn und Heiliger Geist haben wir uns vorhin in unserem Glaubensbekenntnis bekannt.

Diesen Dreischritt finde ich bei Paulus wieder: „Von ihm“, beschreibt den Schöpfer-Gott. „Durch ihn“, das ist Gott, der in Jesus Christus mitten unter uns lebt. „Zu ihm“, das beschreibt eine Bewegung auf Gott hin. Leben wir „zu ihm“, sind wir also auf Gott ausgerichtet, dann leben wir in Beziehung zu Gott. „Bewegung“ und „Beziehung“ sind Stichworte, die den Heiligen Geist beschreiben können.

Um auf meine Konfirmandin zurückzukommen: Mit der Trinität oder der Dreieinigkeit sind natürlich nicht drei unterschiedliche Götter gemeint. Vater, Sohn und Heiliger Geist gehören zusammen. Sie sind eins und bezeichnen dennoch ganz eigene Erfahrungen mit Gott.

Wie können wir uns das vorstellen? Drei in einem oder einer in drei? Es ist nicht ganz einfach, aber ich möchte es Ihnen und Euch mit einem kleinen Spiel verdeutlichen:
Ich habe drei Bälle mitgebracht. Einen grünen, einen weißen und einen roten. Liebe Gemeinde, ich frage Sie und Euch: Wie können die drei einzelnen Bälle nun etwas gemeinsames Ganzes ergeben?

(Evtl. Einfälle sammeln)

<i>[Jonglieren!!!]</i>

Drei Bälle sind für sich genommen unverbunden. Wirft man sie aber zusammen in die Luft, so ergeben die Flugbahnen ein Ganzes. Sie werden zu einem System, das zusammen spielt. Kein Ball ist daraus wegzudenken, sonst stimmt es nicht mehr – wie man ja gesehen hat, wenn mir die Bälle herunterfallen. Zudem ist das Thema Dreieinigkeit eben auch kompliziert, da darf also mal ein Ball herunterfallen …

(drei Bälle hochhalten)

Drei Bälle symbolisieren Gott. Gott in dreierlei Gestalt, aber trotzdem Einer.

(grünen Ball hochhalten)

Diesen grünen Ball nehme ich als Symbol für Gott-Vater. Er ist der Schöpfer allen Lebens – deshalb die grüne Farbe.: Gott-Vater, man könnte auch sagen: Gott als Gott.
Im Gottesdienst sagen wir oft „der Herr“. Das ist ist die Übersetzung des hebräischen Gottesnamens Adonai. Der Herr ist der eine Gott (Dtn 6,4) von ihm heißt es in der Bibel in einem der wichtigsten jüdischen Bekenntnisse: „Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein.“
Er hat sich am Berg Sinai seinem Volk als Retter und Gesetzgeber (Ex 20) offenbart. Er ist der Schöpfer des Himmels und der Erde (V11).

Gottes Wirken und Erscheinen wird in der Bibel mit verschiedenen Bildern wiedergegeben. Die Erscheinung Gottes, des Herrn, wird als Ereignis mit Blitz, Donner, dichter Wolke und Posaunenton beschrieben (Ex 19,16). Diese Bilder sind aber nicht Gott, sie beschreiben allenfalls sein Erscheinen. Und obwohl Gott zu Mose wie zu einem Freund spricht (Ex 33,11), bleibt Gott, der Herr, immer der „Andere“. Gottes Angesicht, der Spiegel seines Selbst, lässt sich nicht ansehen (Ex 33,23). Gott-Vater, der Herr, bleibt die transzendente, also die unserem menschlichen Verstehen entzogene Seite im dreifachen Gottesbild.

(weißen Ball hochhalten)

Gott-Sohn, Jesus Christus oder Gott als Mensch. Es ist Gott, der Herr, über den Jesus Christus sagt: „Niemand kommt zum Vater, denn durch mich.“ (Joh 14,6). In Jesus Christus wird Gott Mensch und wendet sich uns Menschen liebevoll zu. Das beschreiben die Erzählungen des Neuen Testaments, in denen Jesus den Sündern Gemeinschaft anbietet (vgl. Mt 9,9ff). Er lädt im Abendmahl die Seinen zur Gemeinschaft an seinen Tisch. Jesus leidet, stirbt und wird schließlich auferweckt. Im Sohn, in Jesus Christus, zeigt sich Gottes menschliche Seite. Durch Jesus Christus verkündet Gott das Heil für die Menschen. Durch den Menschen Jesus von Nazareth wird Gott begreifbarer und anschaulicher für unser Vorstellungsvermögen. Denn Jesus war ein Mensch wie wir.

In diesem Menschen kommt Gott in unsere Welt und ist uns nahe. Er hat unser Leben geteilt, auch und gerade die tiefen und schweren Erfahrungen. Gott als Mensch zeigt uns: Es soll keinen Bereich unseres Lebens geben, den Gott nicht kennt und in dem er uns nicht auch Beistand sein will.

(roten Ball hochhalten)

Gott-Heiliger Geist oder Gott als Kraft. „Bewegung“ ist eine Eigenschaft, die zum Geist Gottes gehört. Die Bibel beschreibt den Heiligen Geist als „Brausen wie von einem gewaltigen Sturm“ (Apg 2). Jesus vergleicht den Heiligen Geist mit dem Wind und sagt, dass „der Wind weht, wo er will“ (Joh 3,8). Die Stichworte „Bewegung“ und „Nicht-fassbar-sein“ entsprechen der Bedeutung des Geistes Gottes im Alten Testament. Auf Hebräisch: Ruah.

Die ruah-Gottes bezeichnet auch den Wind, einen Hauch oder eben den Geist. Die biblischen Aussagen über den Heiligen Geist sind vielfältig. Er ist bei der Schöpfung anwesend (Gen 1,2), bei seiner Taufe sieht Jesus ihn herabkommen wie eine Taube (Mt 3,16), er macht lebendig (Joh 6,63), er ist Lehrer ((Joh 14,26), Tröster (Joh 14,17), er hilft unserer Schwachheit auf (Röm 8,26); als prophetischer Geist (Joel 3) wird er in der Pfingstgeschichte ausgegossen und stiftet so die Gemeinschaft der Glaubenden, mit der die Kirche ihren Anfang nahm.
Der Heilige Geist ist die Seite Gottes, die für uns im Leben erfahrbar werden kann. Im wahrsten Sinne des Wortes ist sie Begeisterung und Kraft, die wir nicht allein aus uns selbst schöpfen können, sondern die Gott uns schenkt.

(drei Bälle hochhalten)

Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist – sind drei Seiten Gottes. Ich empfinde es als eine Hilfe, dass wir uns Gott auf drei unterschiedliche Weisen vorstellen können. So wird Gott, der unsere Vorstellung übersteigt etwas fassbarer.
Gott – Vater, der Schöpfer: Er schafft das Leben und hält es in der Hand. Er hält auch mich.

Gott – Sohn: In ihm kommt Gott uns nahe und wird als Mensch anschaulich. Durch Jesus Christus verspricht Gott auch mir, bei mir zu sein zu allen Zeiten meines Lebens.

Gott – der Heilige Geist: Das ist die Kraft, die Gott uns allen gibt, damit wir leben können. Auf diese Kraft will ich mich in meinem Leben verlassen.
Gott-Vater, Gott-Sohn und Gott-Heiliger Geist – Gott ist in dreifacher Weise mit uns in unserem Leben. Deshalb können wir Gott wie Paulus loben. Das tun wir mit den Worten des Liedes, das wir gleich singen werden:

„…Gelobet sei der Herr, des Name heilig heißt,
Gott Vater, Gott der Sohn und Gott der werte Geist,
dem wir das Heilig jetzt mit Freuden lassen klingen
und mit der Engelschar das Heilig, Heilig singen,
den herzlich lobt und preist die ganze Christenheit:
Gelobet sei mein Gott in alle Ewigkeit!“ (EG 139)

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