Die Krone des Lebens

Mit dem heutigen Sonntag, liebe Gemeinde, beginnt die Passion Jesu. Ein Weg voller Schmerz und Leid, an dessen Ende der Tod steht. "Invokavit" – "Er ruft mich an", so die Bezeichnung des heutigen Sonntags. Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Not, ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen. (Ps 91, 15) Worte aus Ps 91, die nicht nur dem heutigen Sonntag seinen Namen gegeben haben, sondern auch seinen Charakter. Als es für Jesus unangenehm wurde, ist er nicht einfach davon gelaufen und er ist von Gott auch nicht verlassen worden. Er stirbt zwar am Kreuz doch Gott hält ihm die Treue. Jesus, der vom Tode auferstanden ist, erhält als Lohn die Krone des Lebens. Ein Resümee hierüber ist auch unserer heutige Predigttext. Wir hören aus Jak 1,12-18:

[TEXT]

Liebe Gemeinde, bei diesem Brief des Jakobus handelt es sich um ein Schreiben an Gemeinden, die in der Diaspora leben. Möglicherweise wurde dieses Schriftstück etwa 100 Jahre nach Christi Geburt geschrieben. Der eigentliche Verfasser dieses Briefes ist uns nicht bekannt. Er schreibt unter dem Pseudonamen: "Jakobus" und schlüpft so in die Rolle Jesu Bruder Jakobus. Der Autor des Jakobusbriefes setzt sich mit der Frage auseinander, wie die ständig wachsenden christlichen Gemeinden ihren Glauben in der Welt leben können, wobei das Reden und auch Handeln einander entsprechen soll. Ja, unser Reden und Handeln soll einander entsprechen.

Es sind schon einige Jahre her, als unsere Kinder klein waren und wir gemeinsam am Mittagstisch saßen. Meine Frau war gerade damit beschäftigt die letzte Schüssel auf den Tisch zu stellen, als eines unserer Kinder bereits anfing zu essen. "Halt, wir haben doch noch nicht gebetet," sagte meine Frau. "Och, das macht doch nichts, ich habe schon öfter gegessen, auch ohne zu beten und geschmeckt hat es auch," kam es aus dem Kindermund zurück. Wie oft haben wir schon gegessen und getrunken ohne zu beten? Wir nehmen alles so selbstverständlich hin ohne daran zu denken und dafür zu danken, dass alles, was wir sind und haben ein Geschenk ist; Gaben, die wir empfangen haben und nicht uns selbst verdanken. Wie viele unserer Absichten setzen wir nicht in die Tat um?

In unserem Predigttext heißt es: Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei dem keine Veränderung ist noch Wechsel des Lichts und der Finsternis. Wir, liebe Gemeinde, wir sind unvollkommen und bei uns ist nicht alles Licht. Gott ist anders und das ist ein Trost für uns. Denn sein Ziel ist unsere Erleuchtung und Vollendung. Und alles, was zu diesem seinem Ziel führt, gibt er aus seiner Herrlichkeit. Auf dieses Licht, liebe Gemeinde, ist Verlass. Dafür lebt Jesus Christus und deshalb brennen auch unsere Kerzen am Altar. Tatsächlich leben wir alle von nichts anderem, als von den täglich neuen Gaben Gottes.

Eine ruhige Nacht, ein neuer Tag, unsere Gesundheit und Schaffenskraft, unsere Freude und Frohsinn, das alles kommt nicht irgend woher, es kommt von oben, von Gott. Aber, so wird vielleicht der eine oder die andere von uns jetzt fragen, warum hat er dann meine Frau oder meinen Mann, meinen Vater oder meine Mutter genommen? Warum gehen unsere Kinder Wege, die nicht gut sind? Warum streiten wir uns zuhause? Warum bringe ich es nicht fertig, so zu sein, wie ich es gerne möchte? Warum bin ich nicht gesund, ich habe doch niemandem etwas zuleide getan? Wer ist eigentlich verantwortlich für das ganze Unheil auf dieser Welt?

Liebe Gemeinde, viele unserer guten Absichten setzen wir einfach nicht in die Tat um. Wir sind unvollkommen. Bei uns glänzt zwar vieles, aber es ist bei weitem nicht alles Licht. Wie gut, dass Gott anders ist. Sein Ziel ist es, dass wir zur Erleuchtung und Vollendung kommen. Und alles, was zu diesem Ziel führt, gibt er aus seiner Herrlichkeit. Wir und die ganze Menschheit leben tatsächlich von nichts anderem als von den täglich neuen Gaben Gottes. Diese können wir uns nicht selbst geben und ebenso wenig schaffen. Wir können und dürfen sie aber verwenden. Und Gott allein kann sie schaffen. Wenn wir das einmal erkannt haben, liebe Gemeinde, dann können wir nur noch ehrfürchtig vor Gottes guten Gaben stehen, die wir benutzen dürfen.

Wir werden nie an Gott heranreichen. Wir sind nur ein schwaches Abbild von dem, was gute Gabe Gottes ist. Gottes Werk ist vollkommen und unsere Werke bleiben stets hinter dem Können Gottes zurück. Ja, wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen, so der Apostel Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Ephesus. (Eph 2,10) Alle seine guten Gaben hat Gott uns Menschen gegeben, um uns zu vollenden, bis wir in seine Herrlichkeit passen. Dazu, liebe Gemeinde, gibt Gott seine guten Gaben, jeden Tag, reichlich und unaufhörlich. Und wenn wir dafür danken, dann haben wir auch diese und leben im Licht. Gott ist für uns kein Fremder. Er ist uns in Jesus Christus nahe gekommen. Da leuchtet das Licht seiner Liebe über uns und bleibt uns unverändert zugewandt.

Der heutige Sonntag will uns daran erinnern, dass unser Reden und Handeln einander entsprechen soll, damit alle gute Gabe von oben herab in uns Frucht trage. Heute, liebe Gemeinde, beginnt die Passion Jesu. Ein Weg voller Schmerz und Leid, an dessen Ende der Tod steht. Am Kreuz schrie der sterbende Jesus: "Es ist vollbracht!" – Alles ist wieder in Ordnung zwischen Gott und den Menschen. Jesus, der vom Tode auferstanden ist, erhält als Lohn die Krone des Lebens. Denn: Selig ist der Mensch, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, die Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben.

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