Die Feuerleiter Jesu

Liebe Gemeinde,

ich möchte mit einer Geschichte beginnen:

"Da müsste man selbst zulangen dürfen!" seufzte Johann, der Kammerdiener seiner Exzellenz des Botschafters. Mit diesen Gedanken reichte er den herausgeputzten Gästen die Kaviarhäppchen auf dem silbernen Tablett. Das Fest war in vollem Gange. Das Klirren der Sektgläser vermischte sich mit den Klängen des Walzer, die das Orchester draußen auf dem Dachgarten spielte. "Für uns wird doch auch noch was übrigbleiben", atmete Johann mit dem Blick auf das schon arg geplünderte kalte Büfett auf. "Wenn alles nur schon vorbei wäre." Aber die Gäste dachten noch nicht ans Gehen. Wann konnte man schon einmal den Blick über die Hauptstadt von hier aus genießen? Die roten Schärpen der Botschafter und die funkelnden Orden der Militärs zeigten, welch erlesene Gesellschaft hier zusammen war. Ja, diesen Empfang ließ keiner aus! Doch während das Orchester nach einer Pause wieder erklang und Johann gerade dabei war, die nächste Flasche Champagner zu öffnen, änderte sich plötzlich das Bild: die Gespräche verstummten, es wurde stiller. Dunkle Rauchschwaden zogen vom Eingang her durch den Saal. In diesem Moment erschien ein Sicherheitsbeamter und meldete dem Protokollchef, im unteren Stockwerk sei Feuer ausgebrochen, das sich über das Treppenhaus ausbreite. Die Teilnehmer müssten sich schleunigst über die Feuerleiter in Sicherheit bringen. Es wäre vielleicht alles noch gut ausgegangen, wenn nicht der persönliche Adjutant eines Staatsbesuchers das Gespräch mitbekommen hätte. Sofort erhob er die Forderung, für seinen Chef müsse zuerst gesorgt werden, er sei schließlich als Gast da. Das passte dem Protokollchef überhaupt nicht. Es müsse auch in einem solchen Notfall die protokollarische Reihenfolge eingehalten werden, und da stünde der Präsident als Staatsoberhaupt nun einmal ganz oben. Es entspann sich sofort ein Streit über die protokollarisch richtige Reihenfolge der Rettungsaktion. Damit sich nicht jemand unvorschriftsmäßig und gegen alle Etikette in Sicherheit bringen konnte, ließ der leitende Sicherheitsoffizier den Zugang zur Feuerleiter erst einmal mit seinen Leuten abschirmen. Während sich das Feuer durch das Prasseln und seinen unverkennbaren Geruch bemerkbar machte, hatten sich die Gäste um die beiden streitenden Beamten geschart. Argumente flogen hin und her, und man kam keinen Schritt weiter. Auch ein Kompromiss war nicht in Sicht. Da machte der Staatspräsident den Vorschlag, man möge einen Ausschuss einsetzen, der die Fragen in aller Ruhe besprechen und klären sollte. Nachdem die Vorfragen (die Zusammensetzung der Kommission und die Form des Verhandlungstisches) gelöst waren und man eben mit der (natürlich geheimen) Wahl des Ausschussvorsitzenden beginnen wollte, brach das Feuer mit macht herein. Johann, der die Verwirrung nutzte und sich über das kalte Büfett hergemacht hatte, verstand das ganze nicht. Kopfschüttelnd fand er den Tod. am nächsten Morgen berichtete die Zeitungen von den vergeblichen Bemühungen der Rettungsmannschaften, zu den Eingeschlossenen Vorzudringen. Eine Regierungskommission wurde eingesetzt, um den eigenartigen Sachverhalt zu prüfen, warum sich niemand über die völlig intakte Feuerleiter hätte retten können.

Die Geschichte und die Personen sind natürlich frei erfunden. Oder doch nicht? Blickt einmal in die Krisengebiete unserer Welt, sei es Iran, oder Afghanistan oder Tschetschenien. Ich glaube, das wir dort allzu weit von dieser Geschichte entfernt sind. Aber wir brauchen gar nicht so weit gehen. Tagtäglich kommt bei uns diese Geschichte in unserer Gesellschaft, in unserer Kirche, an unserem Ort und in unserer Gemeinde vor.

Da gibt es Menschen, die sind wie der Kammerdiener Johann. Ständig schielen sie auf die anderen, die es scheinbar besser haben und hoffen darauf, auch etwas abzukriegen. Darüber vergessen sie, das wir inmitten einer brennenden Welt leben, in der nur die Feuerleiter Jesus rettet. Da gibt es Menschen wie die Sicherheitsbeamten, die andere davon abhalten, den rettenden Weg zu Gott zu finden.: "Schau dir doch die Kirchgänger einmal an. die sind auch nicht besser als ich. was soll ich also in die Kirche rennen." Dabei rennen sie in die Kirche, weil sie wissen, dass sie nicht besser sind als die anderen und die Vergebung und die Rettung durch die Feuerleiter Jesus brauchen. Da gibt es Menschen wie den Protokollchef und den persönlichen Adjutanten, die mehr Wert auf das äußerliche legen, als es ihnen gut tut. Und dabei vergessen sie, dass Gott sie nicht nach ihrem äußeren Werten, sondern nach ihrer Beziehung zu Jesus fragen wird und ob sie den Weg gegangen sind. So wie eine Feuerleiter auch nur hilft, wenn man sie benutzt.

Alle drei Gruppen haben eines gemeinsam: sie sind verbrannt. Und sie werden sich in der Ewigkeit die Finger verbrennen und in der Hölle landen, wenn sie sich nicht auf die rettende Feuerleiter Jesus begeben und so den Weg zu Gott finden. Nicht der Genuss, nicht die falsche Sicherheit des Anständig-Seins, nicht die richtige Etikette bringen dich zu Gott. allein Jesus rettet dich. "Mach dir keine Illusionen" sagen wir zu jemanden, der sich falsche Hoffnungen macht. Auch die Juden die hier zu Jesus kommen, machen sich falsche Hoffnungen: (Johannes 12,34) Die Menge entgegnete ihm: «Aus dem Gesetz wissen wir doch, dass Christus für immer bei uns bleiben wird. Wie kannst du dann sagen: ‚Der Menschensohn muss erhöht werden‘? Wer ist eigentlich dieser Menschensohn?» Die Juden hatten falsche Vorstellungen über den Messias, den sie erwarteten. Sie erwarteten nicht viel zu viel von ihm, sondern viel zu wenig. Sie dachten an einen Menschen, der für immer bei ihnen bleibt und sich an ihrer Spitze die politische Erlösung von den verhassten römischen Heiden vollbringen werde. Aber Hand aufs Herz: Denkst du nicht auch so menschlich von Gott. Gott soll das Leid beseitigen, die Krankheit , den Hunger, Gott soll meine Wünsche erfüllen, die ich im Gebet zu ihm bringe. So sind doch deine Gedanken. aber lass dir gesagt sein: Hier erwartest du nicht zuviel von Jesus, sondern zuwenig. Warum, das wird deutlich wenn wir auf Jesu aussage schauen. Denn gegen solche falschen Erwartungen wendet sich Jesus, wenn er sagt: (Johannes 12,34b?) ‚Der Menschensohn muss erhöht werden‘?

Er spricht nicht von sich als dem Messias, sondern von Menschensohn. Und er spricht von seiner im doppelten Sinn gemeinten Erhöhung: er wird am Kreuz erhöht und trägt stellvertretend die Schuld der Welt. Er wird von Gott auferweckt und zur Rechten des Thrones Gottes erhöht. Gottes Wege führen anders, als wir denken. Gottes Weg führt durch Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit. Erwarte nicht, dass Gott alle deine Schwierigkeiten löst. Erwarte, dass er dich Gott durch die Schwierigkeiten hindurchträgt. alles Leid, alle Krankheit, alle Schwierigkeiten, alle Not sollen dazu führen, dass Gottes Ehre größer wird. Es kommt nicht auf mich an, sonder es kommt auf Gott und sein Ehre an. Dort wo Gott diese Einsicht und diese Haltung schenkt, geschieht das größere, was Gott schenken will.

Mancher Kranke, den ich besuche, flüchtet sich in die theoretische Frage, warum Gott Leid zulassen kann. Er möchte, dass Gott das Leid und die Krankheit wegnimmt. Aber hier wird zuwenig von Gott erwartet. Gott kann Leid und Krankheit wegnehmen. Aber er kann noch viel größeres: er kann Menschen Kraft geben, Leid und Krankheit zu tragen. Manchem Geburtstagskind bei dem ich gratuliere, weist auf die Unstimmigkeiten im Leben der "Kirchenspringer" hin. Gott kann auch hier Veränderung schenken. Er kann geben, dass die Kirchgänger, das leben, was sie sonntags hören. Er kann machen, dass Menschen, die bisher nicht den Gottesdienst besuchten, in die Kirche kommen. Aber er kann noch größeres: er kann schenken, dass die Menschen zu Gottes Ehre leben.

Warum erwarten wir von Jesus nicht, dass er in unserem Leben so großes tun kann, dass wir zur Gottes Ehre leben. Doch dazu muss mein eigensüchtiger, dunkler Wille sterben, damit Gottes Licht leuchten kann. Ich muss aus dem Dunkel in den Lichtkegel Gottes treten. 12:35 Hierzu sagte Jesus: «Das Licht ist nur noch kurze Zeit bei euch. Nutzt diese Zeit, damit ihr das Ziel erreicht, bevor euch die Dunkelheit überfällt. Wer im Dunkeln geht, kann weder seinen Weg noch das Ziel erkennen. 12:36a Vertraut euch dem Licht an, solange ihr es habt, dann werdet ihr im Licht leben.» Nach diesen Worten verließ Jesus die Menge. Niemand konnte ihn finden. Im Licht: hier haben wir das Christsein mit zwei Worten zusammengefasst. Es geht darum, dass du im Licht Gottes bist und darin bleiben willst. Es geht darum, dass du in der Gegenwart Gottes lebst, der alles sieht. Das ist die große Umwandlung, die der Glaube in einem Menschen bewirkt. Denn wir haben keine Wahl. Da wo wir Jesus nicht suchen, verbirgt er sich: Johannes 12,36b Nach diesen Worten verließ Jesus die Menge. Niemand konnte ihn finden. Dort wo Jesu kein Glauben geschenkt wird, geht er weg und verbirgt sich. Dort wo du Gott aus dem Spiel lässt, verbirgt er sich vor dir. Die Frage ist nicht: "Wieso kann Gott Leid zulassen." Sondern die Frage ist: "Wo ist Dunkel in meinem Leben? Wo habe ich Jesus nicht geglaubt, das er sich verborgen hat und jetzt nicht da ist, um mich durch das Leid zu tragen." Die Frage ist, ob wir Kirchgänger noch Fehler haben, sondern die Frage ist, ob ich Kirchgänger oder Nicht-Kirchgänger Jesu Licht in mein Leben lasse. Und Licht muss ich anschalten, das sieht jeder ein: Also schalte Jesu Licht in deinem Leben ein, indem du täglich in der Bibel liest. Das Bibelstudium ist ein Lichtschalter für Gottes Licht in deinem Leben. Also schalte Jesu Licht ein, indem du täglich betest. Das Gebet ist ein Lichtschalter für Gottes Licht in deinem Leben. Herr, gib uns die Freude, Kinder des Lichts zu sein in der Welt, die im Dunkel liegt.

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