Der Weg zurück ins Leben

Liebe Gemeinde,

„Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass meine Tochter Kirstin wieder ganz gesund wird“ sagt
die Mutter zum Arzt der feststellte, dass Kirstin 15 Jahre, an Magersucht erkrankt war und dass Magersucht in hohem Maße für Jugendliche Lebensgefährlich ist. Die Mutter, selbst Psychologin, hat sich nicht entmutigen lassen und auch nicht aufgegeben als sie erleben musste, dass nachdem die erste Tochter auf dem Weg der Besserung war auch ihre zweite Tochter Nicole an Magersucht erkrankte und in einer noch schwierigeren Situation war. Nie hat sie die Hoffnung aufgegeben.

Hoffnung lässt Flügel wachsen, schenkt Kraft wo Energien schon aufgezehrt sind, gibt Mut
wo Aussichtslosigkeit sich breit macht.

Auch der Bibeltext des heutigen sonntags aus dem 1. Petrusbrief spricht von Hoffnung, doch
in einer für mich fremden Art und Weise.

Es gibt Bibeltexte da fällt es mir leicht mich in die Situation der Mensch hineinzuversetzen an die das Wort geschrieben ist und sicher hängt es auch von den persönlichen Lebensumständen ab, in denen wir ein Bibelwort hören.

Der Schreiber des 1. Petrusbriefes, der nur den Namen des Jünger Jesu trägt, aber sonst mit ihm nichts zu tun hat, spricht zu Menschen, die nichts mehr großes in ihrem Leben
erwarten, die ganz darauf ausgerichtet sind, das hier und jetzt noch einigermaßen gut über die Bühne die bringen, da nur noch eine kleine Zeit bevorsteht, bis das diese Welt zu Ende
geht.

Deshalb rät er den Menschen sie sollen sich in Ihr Schicksal fügen und das erfahrene Leid in vorbildlicher Demütigung ertragen sollen.
„Ihr Sklaven“ schreibt er „ordnet euch … den Herren unter“; und „ihr Frauen“ ordnet „ euch eueren Männern unter“. Und der ganze Gemeinde schreibt er „seit untertan aller menschlichen Ordnungen“.

In so eine Situation wurde auch der heutige Predigttext als Hoffnungstext hineingesprochen: Er steht in Kapitel 1, 3 – 9:

[TEXT]Liebe Gemeinde, ich kann verstehen, dass Christen zur damaligen Zeit, in einer ganz bestimmten Situation, so gedacht haben und daher die Hoffnungsbotschaft auf das Jenseits gerichtet war, auf „das unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel“.

Unser Problem ist aber heute nicht das Jenseits sondern die Frage: welche Hoffnung haben und geben wir den Menschen hier auf Erden.

In der Woche nach Ostern geht es doch darum zu fragen, wie die Botschaft der Auferstehung, Menschen im Alltag hier und jetzt zur Hoffnungsbotschaft werden kann. In diesem Sinn spricht mir der Schreiber des Briefes zumindest in Vers 1 aus dem Herzen wenn er schreibt:

„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu
Christi von den Toten.“

Als die Psychologin Peggy Claude-Pierre die Heilung ihrer magersüchtigen Töchter erleben durfte, da war diese Heilung wie eine Auferstehung ihrer Töchter von den Toten. Sie hat diese Erfahrung in einem Buch beschrieben mit dem Titel: „Der Weg zurück in Leben“.

Ich möchte diesen Gedanken gerne auf unseren Hoffnungstext übertragen:

Wenn wir davon sprechen, was die Auferstehung für uns heute bedeutet, dann genau das: „Der Weg zurück ins Leben“

„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung“

Lebendige Hoffnung ist genau das was wir brauchen. Hoffnungslosigkeit dagegen, ist für mich eines der größten Plagen unserer Tage. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Hoffnungslosigkeit ein willkommenes Instrument ist, die Menschen in der heutigen Zeit zu lähmen und zu entmündigen. Hoffnungslosigkeit ist fast wie ein Virus, wie eine psychologische Waffe, die uns außer Gefecht setzt.

Im Fernsehen in politischen Gesprächen, selbst in der Kirche, heißt es zur Zeit immer wieder: „Es gibt keinen anderen Weg“ „wir müssen uns dem Druck beugen“.

Ich sage dagegen, beugen muss sich nur der, der nichts hat, wohin er aufschauen kann. Beugen wird sich der, der nichts hat, wofür der aufstehen sollte. Beugen wird sich immer der, der keine Hoffnung hat.

Liebe Gemeinde, über die Bedeutung von Ostern zu reden, heißt für mich über die lebendige Hoffnung für unser Leben zu reden.

Es waren vielleicht nur 1000 Menschen, die am letzten Montag durch Nürnberg, am Ostermarsch teilgenommen haben, aber in ihrem Prostest gegen den Irakkrieg und den Sozialabbau bei uns, waren es für mich Zeugen der Auferstehung.

Menschen, die immer noch eine lebendige Hoffnung in sich tragen, die Hoffnung, dass unsere Welt so wie sie ist nicht verloren ist und der oder die Einzelne etwas bewirken kann.

Nicht jeder hat vielleicht Lust oder die Zeit oder einen anderen guten Grund, nicht mit auf einen Ostermarsch zu gehen und zu protestieren, und dennoch gibt es in jedem Leben genügend Momente um die „lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten“ im Leben zu zeigen.

Ein Gedicht der Schriftstellerin Marie Luise Kaschnitz beginnt mit den Worten: „Manchmal stehen wir auf – stehen wir zur Auferstehung auf – Mitten am Tage – mit unserem lebendigen Haar – Mit unserer atmenden Haut – Nur das Gewohnte ist um uns – Keine Fata Morgana von Palmen mit weidenden Löwen und saften Wölfen.

„Mitten am Tag“, Mitten in unserer Welt, erleben Menschen tagtäglich Auferstehung.

Manchmal anders als wir vermuten aber unheimlich direkt und konkret.

Da erkrankt eine junge Frau mit 35 Jahren unheilbar an Leberkrebs und stirbt nach drei Monaten. Der Ehemann mit zwei kleinen Kindern trifft eine gleichaltrige Frau die ihren Ehemann ebenfalls durch Krebs verloren hat und mit ihrem drei Kindern ums überleben kämpft. Beide heiraten und ihre 5 Kinder haben ein neues zu Hause. Der Tod hat die Hoffnung und das Leben nicht besiegen können.

Auferstehung „Mitten im Leben“ und ein Prostest gegen den Tod ist auch „Abrahams-Herberge“. Nach über sieben Jahren hat die evangelisch-lutherische Gemeinde in Beit Jala bei
Bethlehem die „Abrahams-Herberge“ fertigestellen. Es handelt sich um eine Begegnungsstätte, in der junge Christen, Moslems und Juden das Zusammenleben der drei Religionen einüben können. Die Einweihung der Begegnungsstätte die mehrfach durch Panzerbeschuß beschädigt worden konnte im vergangenen Herbst stattfinden.

Wie oft hört man heute immer wieder auch in diesem Konfliktgebiet: Da kann man eben nichts
machen. Doch auch hier war es möglich die „lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten“ Mitten im Leben zu zeigen.

Viele Beispiele könnte ich hier noch anfügen, die deutlich machen, dass Hoffnung Flügel wachsen lässt, dass Hoffnung Kraft schenkt wo Energien schon aufgezehrt sind, dass Hoffnung Mut gibt wo Aussichtslosigkeit sich breit macht.

Den Auferstanden predigen heißt für mich Hoffnung weitergeben.

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