Der Teebeuteltest

Liebe Gemeinde,

die Werbung reklamiert die Versuchung für sich: x-i, die zarteste Versuchung seit y-i gibt. Und dann isst der Mann die Schokolade und schiebt die Schuld der Ziege in die Schuhe. Mal abgesehen davon, das ich die Schokolade nicht besonders mag, bei den Firmen, die Versuchung positiv darstellen, fällt es mir schwer, etwas zu kaufen. Denn ich will nicht in Versuchung geführt werden. Denn nicht die Firmen führen in Versuchung, nicht die Waren führen in Versuchung, nicht Gott führt in Versuchung, sondern der Teufel, der Gegenspieler Gottes: In jedem Vaterunser beten wir: und führe uns nicht in die Versuchung. Gott führt uns nicht in Versuchung. Hier bitten wir darum, dass Gott es nicht zulässt, dass der Teufel uns in Versuchung führt. Auch in unserem Alltag erleben wir Versuchungen. Das fängt damit an, dass ich versucht bin, am Sonntagmorgen liegen zu bleiben und auszuschlafen, bis dahin, dass ich versucht werde eines der zehn Gebote zu übertreten. Keiner soll sich überheben, dass ihm das nicht passieren kann. Aber genau das wollte Simon Petrus hier. Wenn alle dich verlassen, Jesus, ich nicht. Jesus weiß, dass dies zwar ernst gemeinte Lippenbekenntnis nicht zu halten war und so ermahnt er den Simon Petrus mit ernsten Worten: 22:31 "Simon, Simon! Der Satan ist hinter euch her, die Spreu vom Weizen zu trennen."

Bei der Versuchung ist die Hölle aktiv. Die Versuchung spielt sich nicht nur hier auf der Erde und in uns ab. Sondern die Versuchung spiegelt den Machtkampf wieder, der sich zwischen Gott und seinen Engeln und zwischen Satan und seinen Dämonen ereignet. Hier sagt uns Jesus, wie die Hölle selbst, in die Zeit hineinragt. Die Hölle ist die stetig sprudelnde Quelle der Versuchung. Darauf will Jesus Petrus und uns Menschen hinweisen, die gedankenlos auf ihrem Lebensweg dahinwandern, neben dem sich doch unmittelbar der Abgrund der schrecklichen Hölle hinzieht. Wir haben alle schon einmal gespürt, oder zumindest eine Ahnung davon bekommen, wie diese unsichtbaren Mächte aus der Hölle sich in unser Leben einmischen. Die Versuchung ist ein tosender Strom, die alles und alle mitreißt, die keinen Halt in Gott haben. Wenn wir uns wie ein Stück Holz inmitten eines tosenden Wasserfalles fühlen, dann wissen wir, was Versuchung ist. Es ist, als befänden wir uns plötzlich in einem riesigen Strom, aus dem wir nicht entrinnen können. Wir werden einfach von Ereignissen mitgerissen, die wir nicht bestellt und auf die wir uns nicht vorbereitet haben. Ereignisse, über die wir keine Herrschaft haben. Ereignisse sind, wie wir wissen, mächtiger als Gedanken und Ideen. Petrus hatte tolle Ideen und Gedanken und hat sie auch ernst gemeint. Doch die Ereignisse waren mächtiger. Petrus wurde mit dem Strom mitgerissen und verleugnete Jesus.

Petrus konnte den Hof des Hohepriester betreten. Es war seine freie Entscheidung. Er fühlte sich stark. Und dann fragte ihn die Magd, ob er nicht auch zum Nazarener gehöre. In Gedanken konnte er bestehen, in der Tat aber nicht. Wir erleben ähnliches. Da übt plötzlich eine Reihe von Ereignissen eine ungeheure versuchende Macht auf uns aus. Die freiesten und empfindlichsten Organe unserer Seele spüren instinktiv den Griff der Hand, die sich unsichtbar aus der Hölle nach uns ausstreckt. Das ist mit uns genauso. Wenn wir meinen, wir könnten sexuell so aufreizende Zeitschriften wir BRAVO lesen und in unseren Gedanken rein vor Gott bleiben, irren wir uns. Und wenn wir meinen, dass wir dann wirklich in den Versuchungen bestehen können, irren wir uns. Wenn wir meinen, wir könnten auf unseren Arbeitskollegen, Nachbarn oder jemand anders Ärger schieben und in unserem Herzen rein bleiben, irren wir uns. Und wenn wir meinen, dass unsere Gedanken nicht unser Reden und Handeln beeinflussen, irren wir uns. Fernsehen steht zwischen Gedanken und Ereignissen. Denn das sind gespielte Gedanken und der Schritt zum wirklichen Leben liegt nahe. Warum soll der Seitensprung, der im Film geklappt hat, bei mir nicht klappen? Warum soll ich nicht … Die Dinge, mit denen ich meinen Kopf vollbunkere, die bestimmen mein Leben.

22:32 "Aber ich habe für dich gebetet, damit du den Glauben nicht verlierst. Wenn du dann zu mir zurückkehrst, so stärke den Glauben deiner Brüder!" Bei der Versuchung ist auch der Himmel aktiv. Auch der Himmel spielt eine Rolle in der Stunde der Versuchung. Der Himmel stellt der menschlichen Seele alle Macht zu Verfügung, die sie nötig hat, um den Angriff der Hölle heil zu überstehen. Jesus erwähnt hier seine besondere Fürbitte für uns. Das wirft neues Licht auf die Stunde der Versuchung. Da vollzieht sich ein ungeheurer Kampf, und zwar nicht nur in der Seele des Menschen, sondern auch um sie. Der Himmel und die Hölle, Gott und der Satan kämpfen um die Seele. Jesus sagt uns das auch, um uns aufzuwecken. Wir sind oft sehr gleichgültig der Versuchung gegenüber. Wir leben gedankenlos, als sei die Versuchung ein Witz oder Spaß. Die Bewohner der ewigen himmlischen Welt dagegen nehmen sie sehr ernst. Sie kämpfen um dich einen Kampf um Leben und Tod um die leichtfertigen gedankenlosen Seelen der Menschen. Möge Gott dir helfen, aufzuwachen und den Ernst deines Lebens zu erkennen. Dann werden wir etwas von der heiligen Ehrfurcht vor Gott erleben, von der die Heilige Schrift spricht. Solche Furcht widerspricht keineswegs dem Geist der Kindschaft. Sie durchkreuzt allerdings die Pläne der Hölle, die dich betäuben will, damit du die zum Leben gehörende ewige Gefahr weder sehen noch spüren kannst. Wie gut, dass Jesus da für uns bittet: 22:32a "Aber ich habe für dich gebetet, damit du den Glauben nicht verlierst."

Wir haben einen aufmerksamen, treuen Retter. Er verfolgt die Ereignisse in unserem kleinen Leben. Er weiß, wann der Versucher seine Fallen auslegt. Er sieht, wie wenig wir darauf vorbereitet sind. Dann greift er ein. Er hindert Satan nicht daran, uns zu versuchen. Aber durch seine Fürbitte weckt er uns auf, damit wir nicht nur die Versuchung spüren, sondern auch unseren Erlöser sehen. Aber es bleibt: Leben ist lebensgefährlich. Die Versuchung ist das Gefahrenmoment des Lebens. Sie ist das zeitliche und ewige Risiko, das der menschlichen Existenz anhaftet. Die Versuchung ist die Last auch deines Lebens. Es gibt kein Leben ohne Versuchung. Der erste, wie der zweite Adam waren sündlos, aber beide mussten sich der Versuchung stellen. Kein Charakter kann ohne die Prüfung im Feuer der Versuchung geformt werden. Teebeuteltest mit Konfirmanden: vier nicht stark riechende Teebeutel mit unterschiedlichen Teesorten von den Konfirmanden erriechen lassen. Menschen sind wie Teebeutel: erst im heißen Wasser der Versuchung (Anfechtung) zeigt sich der Inhalt (Teesorte, geistliche Haltung). Die Stunde der Versuchung ist entscheidend für dein ganze Leben. In einer solchen Stunde wird der Kurs für dein Leben eingestellt. Zwischen solchen Stunden fließt das Leben verhältnismäßig ruhig und sicher dahin. Aber in der Stunde der Prüfung geschieht etwas in uns. Und zwar etwas Entscheidendes. Entscheidend im Blick auf unser Leben.

Die Zeiten der Versuchung sind kurz, aber sie beinhalten ewige Entscheidungen und deren Folgen. Die Richtung unseres Lebens, und zwar nicht nur unseres zeitlichen Lebens, sondern auch des ewigen, wird in diesen kurzen Augenblicken bestimmt. Gerade deshalb sind die Bewohner der unsichtbaren Welt in diesen Augenblicken äußerst aktiv. Sie wissen, wie entscheidend diese Augenblicke sind. Deshalb verfolgen sie uns während unserer Versuchung mit großen Anstrengungen. Das sagt uns Jesus in unserem heutigen Text. Wir wollen auf die Betonung achten, die er auf gewisse Worte legt: "Der Satan ist hinter euch her, die Spreu vom Weizen zu trennen." Hier möchte Jesus den teuflisch aktiven und planvollen Charakter der Versuchung betonen; den unsichtbaren, ewigen Aspekt der Versuchung. Das gibt ihr einen Ernst, der über den Augenblick hinausgeht, ja sogar die Begrenzung der Zeit selbst sprengt. Es geht darum, wo du deine Ewigkeit verbringst. Und selbst wenn du in der aktuellen Versuchung versagst. Kehre wie Petrus wieder um zu Jesus: 22:32b "Wenn du dann zu mir zurückkehrst, so stärke den Glauben deiner Brüder!" Es ist wichtig, dass wir als Christen auch davon reden, wo wir gescheitert sind, wo Dinge nicht so geklappt haben, wie wir sie vorher groß angekündigt haben. Nur wenn wir selber Versuchung erfahren haben, können wir anderen in der Versuchung beistehen und ihnen helfen, damit zurechtzukommen. Versuchungen sind dazu da, unseren Glauben zu bewähren. Wenn du an einer Versuchung scheiterst, immer wieder scheiterst, geh zu einem Christen, dem du vertraust, er kann dir helfen, wieder den Weg zu Jesus zu finden. Und vergiss nie: Egal wie groß die Versuchung ist, Jesus bittet für dich, dass du Kraft bekommst, durchzuhalten.

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