Der Morgenstern

Liebe Gemeinde,

was spricht dagegen, das der christliche Glauben ein "Märchen" oder ein Fabel ist? Es gibt ja bis heute Zeitgenossen, die genau das behaupten und es in vielen Büchern, Zeitschriften und Zeitungen veröffentlichen: Die biblische Botschaft ist ja auch so ungeheuerlich, dass sie immer wieder auf Unglauben und Skepsis stößt. Selbst bei Menschen, die eigentlich für den Glauben offen sind. Das war so am Ostermorgen: Den Aposteln erschienen die Worte der Frauen vom leeren Grab als leeres Geschwätz. Das erfuhr Petrus auch immer wieder bei seinen Missionsreisen: Das Evangelium von Jesus kommt vielen Hörern wie ein schönes Märchen vor. Petrus nennt hier zwei Gründe für die Glaubwürdigkeit der Botschaft vom Kommen Jesu:

1) Der christliche Glaube ist nicht irgendeine erfundene Sache, sondern er beruht auf Berichten von Augenzeugen. Viele der Menschen, die das Neue Testament aufgeschrieben haben, waren entweder direkt dabei oder haben die Berichte von solchen Menschen, die direkt dabei waren. In der Bibel werden nicht schöne Märchen berichtet, sondern Erfahrungen, die Menschen mit Gott und seinem Sohn Jesus Christus gemacht haben. Wir finden hier also Tatsachen, die von Augenzeugen stammen. Hier wird uns von der Verklärungsgeschichte berichtet: Jesus ging mit seinen Jüngern Petrus, Jakobus und Johannes auf den Gipfel eines hohen Berges. Auf einmal wurde Jesus vor ihren Augen verwandelt: Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider strahlten hell. Es erschienen Mose und der Prophet Elia. Sie redeten mit Jesus. Jesus wurde in eine leuchtende Wolke gehüllt, und aus der Wolke hörten sie eine Stimme: "Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich meine Freude habe." Petrus hat es direkt erlebt, dass Gott Jesus als seinen Sohn bestätigt hat. Er ist drei Jahre mit ihm durch das Land gezogen. Er hat nach seinen Tod um ihn getrauert, er konnte seine Auferstehung zuerst nicht Glauben und hat nach Pfingsten als unermüdlicher Botschafter von Jesus berichtet. Weil er nicht nur Augenzeuge war, sondern die seine Kraft in seinem eigenen Leben erfahren und damit kommen wir zu dem Zweiten:

2) Wir können die Kraft des christlichen Glaubens, von der Petrus hier als Zeuge redet, in unserem Leben erfahren. Es ist ein Unterschied, ob wir die Botschaft hören und ihr glauben oder ob diese Kraft wirklich in unserem leben Gestallt gewinnt, wie folgende Geschichte zeigt: Ein Pfarrer berichtet aus der Seelsorge an einem 65-jährigen alkoholkranken Mann, der nicht vom Alkohol frei kam, obwohl er sich zum Glauben an Jesus bekannte. "Es war, als ob etwas da wäre, was die Botschaft nicht zu ihm hindurchließ " Schließlich fragte der Pfarrer ihn unvermittelt: "Stan, als du Jesus Christus als deinen Herrn angenommen hast, an welchen Jesus hast du da geglaubt?" Er sah den Pfarrer verwirrt an. "Was meinen Sie damit?" – "Dachtest du etwa an einen vorbildlichen Mann namens Jesus von Nazareth, der vor 2000 Jahren in einer Gegend namens Palästina lebte? Dieser historische Mann, der Wunder vollbrachte, Blinde wieder sehend machte und die Tauben wieder hörend? Der Mann, der die Menschen lehrte, einander zu lieben und dann an einem Kreuz starb? Oder nahmst du Jesus Christus als Herrn auf, den Gott, der Mensch wurde, und der von den Toten auferstand? Der, der Herr ist und heute lebt? Der Herr Jesus Christus, der dir anbietet, zu dir zu kommen und in dir zu leben und dir sein eigenes Leben schenken will?" Er sagte: "Ich nahm den Jesus, der vor 2000 Jahren lebte." Obwohl Stan gut gelernt hatte, die christliche Sprache zu sprechen, hatte er das Evangelium nicht wirklich gehört. Die Botschaft, die er hörte, war: "Christ sein bedeutet, dass man die moralischen Lehren eines großen Mannes annimmt, der vor 2000 Jahren gelebt hat, und verspricht, ihm nachzueifern." Das Gespräch mit dem Pfarrer half ihm, seinen Glauben neu zu ordnen. Fünf Jahre später traf der Pfarrer Stan wieder – er war ein fröhlicher Christ, frei vom Alkohol. So ist das bis heute. Die verändernde Nacht des Glaubens erfahren wir nur dann, wenn wir Jesus Christus in unserem Leben wirken lassen. Dann sind wir bereit, das der Morgenstern in unseren Herzen aufgehen kann:

"Um so fester verlassen wir uns jetzt auf das, was Gott durch seine Propheten zugesagt hat. Auch ihr tut gut daran, wenn ihr darauf hört. Denn Gottes Zusagen sind wie ein Licht, das in der Dunkelheit leuchtet und Klarheit schenkt, bis es endgültig Tag wird und der aufgehende Morgenstern Licht in unsere Herzen bringt". Mit dem Morgenstern in astronomischen Sinn ist zumeist der Planet Venus gemeint. Bei ihrem schnellen Lauf um die Sonne geht die Venus zeitweise vor oder mit der Sonne auf oder unter. Steht die Venus in westlicher Richtung, bezeichnet der Volksmund sie als Morgenstern. Sie ist am Morgenhimmel – kurz vor Sonnenaufgang zu sehen. Umgekehrt bedeutet östliche Richtung, dass uns der Planet als Abendstern erscheint. Das Buch der Offenbarung zeigt, dass der "Morgenstern" ein Symbol für Jesus Christus ist. Wie der Morgenstern als der letzte sichtbare Stern morgens ankündigt, dass jetzt der Tag ganz nahe ist und ganz sicher bald die Sonne aufgeht, so kündigt das Erscheinen Jesu auf dieser Erde an, dass jetzt Gottes Tag nicht mehr fern ist. Das besingen wir auch in den Liedern vor und nach der Predigt: Vor der Predigt haben wir "EG 67, 1-3 Herr Christ, der einig Gotts Sohn" gesungen:

"1: Herr Christ, der einig Gotts Sohn, Vaters in Ewigkeit, aus seim Herzen entsprossen, gleichwie geschrieben steht, er ist der Morgensterne, sein Glänzen streckt er ferne vor andern Sternen klar." Hier wird deutlich, das Jesus alle anderen Sterne und Stars an Leuchtkraft übertrifft. Nicht die helden von Fußball und Film, oder die Größen von Fernsehen und Musik werden in Zukunft leuchten, sondern der Morgenstern Jesus Christus. In dem Lied wird gezeigt, wie er den Weg zu Gott freigemacht hat und wir durch den Glauben das Leben hier in Liebe und Kenntnis meistern und am Ende einmal im Himmel ankommen werden. Nach der Predigt werden wir "EG 70, 1-3 70 Wie schön leuchtet der Morgenstern" singen.

1: Wie schön leuchtet der Morgenstern voll Gnad und Wahrheit von dem Herrn, die süße Wurzel Jesse. Du Sohn Davids aus Jakobs Stamm, mein König und mein Bräutigam, hast mir mein Herz besessen; lieblich, freundlich, schön und herrlich, groß und ehrlich, reich an Gaben, hoch und sehr prächtig erhaben. Nachdem es im es im ersten Lied um die göttliche Herkunft von Jesus geht, wird hier zuerst einmal seine menschliche Herkunft unter die Lupe genommen und mit Stellen aus dem Alten Testamen gezeigt, dass der Morgenstern Jesus der Messias Davids Geschlecht und der Stern Jakobs ist. In der zweiten Strophe wird das mit seiner göttlichen Herkunft verbunden. Weil er wahrer Mensch und wahrer Gott ist, ist Jesus für uns die Tür zum göttlichen Bereich:

2: Ei meine Perl, du werte Kron, wahr‘ Gottes und Marien Sohn, ein hochgeborner König! Mein Herz heißt dich ein Himmelsblum; dein süßes Evangelium ist lauter Milch und Honig. Ei mein Blümlein, Hosianna! Himmlisch Manna, das wir essen, deiner kann ich nicht vergessen. Das himmlisch Manna werden nachher ganz praktisch sehen und schmecken können, wenn wir miteinander Abendmahl feiern. Jedes Abendmahl ist ein Vorgeschmack auf das himmlische Mahl, das wir einmal in der Ewigkeit mit Jesus feiern werden. Wir können den christlichen Glauben und das biblische Wort als das Licht erleben, das in der Dunkelheit aufleuchtet. Es macht uns den Kopf hell, ernüchtert und stärkt uns und lässt uns einen klaren Standpunkt haben in allen Fragen des Lebens. Vor allem aber macht es uns Jesus Christus groß, der als Morgenstern in unseren herzen aufgehen kann und uns auf das nahe Kommen unseres Herrn Jesus Christus hinweist. Auf ihn warten wir. Komm, Jesus komm bald.

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