Der Mensch denkt …

Liebe Gemeinde.

Wenn ich diese Missionsgeschichte des Paulus mit einer Überschrift versehen sollte, dann sicherlich mit dieser: "Der Mensch denkt und Gott lenkt." Das ist eine Erfahrung die viele Menschen in ihrem Leben machen dürfen und manchmal auch machen müssen, aber vielleicht können wir bei Paulus schauen, wie das geht, dass wir nicht beim denken stehen bleiben, sondern dann auch Gott lenken lassen.

Also Paulus hatte sich folgendes gedacht: Meine erste Missionsreise war ziemlich erfolgreich. Meine Mitarbeiter und ich haben in Kleinasien, ziemlich viel bewirkt, haben Christus in die Herzen der Menschen bringen können, haben viele Gemeinden gegründet, die auch Jahre nach der Gründung noch wachsen und nicht etwa wie Luftblasen geplatzt sind. Das haben wir gut gemacht, das machen wir jetzt noch einmal. Was einmal gut ging, das geht auch ein zweites Mal gut. Und bei dieser neuerlichen Missionsreise, da wird es sogar besser gehen, denn immerhin habe ich sogar den Segen der Jerusalemer Urgemeinde mit im Gepäck, die hohes Ansehen genießt, weil sie vom leiblichen Bruder des Herrn Jesus, von Jakobus geleitet wurde.

Also auf geht’s. Aus ein Neues, dachte sich wohl Paulus und da hat er zum ersten Mal die Erfahrung machen müssen. "Der Mensch denkt und Gott lenkt." Denn zunächst einmal gab es aus ziemlich heiterem Himmel und unerwartet Krach. Der langjährige Mitarbeiter des Paulus, ein gewisser Barnabas, weigert sich mit auf die Reise zu gehen, weil Paulus wiederum dessen Freund nicht mitnehmen wollte. Und da sage einer menschliche Spannungen im Gemeindeteam seien etwas Neues. Das gab es schon bei Paulus. Der Kirchengeschichte ist von ihren ersten Anfängen her nichts Menschliches fremd.

Von wegen, wie schön und harmonisch das alles bei den ersten Christen war. Typischer Fall von "Denkste"! Paulus muss also erstmals seine Pläne ändern und zieht mit einem neuen Team, mit einem gewissen Silas und einem Timotheus los. Sie fangen in Troas an, klappern die Dörfer Kleinasiens ab und? Und nichts tut sich. 10 Stationen, 10 mehr oder weniger kleine Städte werden in der Apostelgeschichte aufgezählt, in denen der große, missionserprobte Paulus und sein Team sagen wir einmal so, höchste bescheidenen Erfolg hatte. Irgendwie dreht er sich im Kreis, kommt nicht weiter. Durch Phrygien geht’s nach Mysien, dann nach Bithynien und wieder nach Mysien, bis sie schließlich wieder in Troas landen. Also nach erfolgreichem Umsetzen eines Strategiekonzeptes sieht mir das nicht auch und irgendwie erinnert mich das sogar an unsere Landeskirche.

Die Apostelgeschichte schreibt dazu in frommer Sprache: "Es wurde ihnen vom heiligen Geist verwehrt zu missionieren", aber unter uns gesagt: Das heißt auch nichts anderes, als dass es Paulus samt Team nicht gelungen ist, auch nur einen Menschen hinter dem Ofen der Selbstherrlichkeit hervorzulocken und ihn für Jesus Christus zu begeistern. Das hatte sich Paulus ganz anders vorgestellt. Aber so ist das nun mal, das kennen wir alle: Der Mensch denkt und Gott lenkt. Wir können in etwa erahnen, liebe Gemeinde, dass es dem durchaus selbstbewussten Paulus mächtig ins Gemüt gefahren sein muss in jenen Tagen, aber jede Krise hat auch seine Chance. Wenn´s nicht hier geht, dann geht es eben woanders. Und so wird ihm klar: ich muss nach Europa gehen. Und das kam so:

Im Traum sieht Paulus einen Menschen aus Mazedonien, der stand im Traum vor ihm und bat: Komm herüber und hilf uns. Und so macht sich Paulus auf nach Europa. Das war für den körperbehinderten Paulus eine außerordentlich beschwerliche Reise gewesen, aber Paulus geht, lässt sich nicht von seinem Ziel abbringen Menschen für Jesus zu begeistern und das können wir, liebe Gemeinde, wenn in Ranstadt alles etwas anders kommt, als wir und gedacht haben, von ihm lernen. Resignieren, die Flinte ins Korn werfen gilt nicht, das gilt im übrigen auch dann nicht, wenn die Eltern und ich uns das so schön ausgedacht habe im Kindergarten den Kindern von Jesus zu erzählen und es dann der Bürgermeister mit allerlei Tricks untersagt. Auch hier, das gilt für mich und den Bürgermeister wird es heißen: Der Mensch denkt und Gott lenkt und darum bleibe ich hoffnungsvoll und lasse mich da gar nicht resignieren. Aber zurück zu Paulus: Nach einer beschwerlichen reise kommen sie in Philippi an und wollen nach bewährtem Missionskonzept in die Synagoge, aber sie müssen feststellen: Eine Synagoge gibt es hier gar nicht. Hier ist alles anders. Tja ja, den Mensch denkt …

So gehen die Missionare dann zum Fluss um dort die Männer zu treffen, die sie suchten, wir kennen ja Paulus, der meinte Religion sei Männersache und das Weib solle in der Gemeinde schweigen. Doch der Mensch denkt und Gott lenkt, man kann es gar nicht oft genug sagen. Paulus findet am Fluss nicht einen einzigen Mann, von denen er annahm sie wären am Fluss, um ihre rituellen Reinigungen vorzunehmen, sondern er findet da Frauen, und die waschen nicht sich rituell, sondern die waschen ganz profan ihre Wäsche dort. Ich lese das mal in der Sprache der Apostelgeschichte: "Am Sabbattag gingen wir hinaus vor die Stadt an den Fluss, wo wir dachten, dass man zu beten pflegte (…) da setzen wir uns und redeten mit den Frauen, die dort waren." Schön, nicht?

Aber nun, liebe Gemeinde, sind wir an dem Punkt angelangt, an dem der nicht mehr Paulus nur denkt, sondern Gott auch lenkt. Hatte er gehofft dort den Mann zu finden, de rihm im Traum erschien und ihn bat herrüberzukommen und zu helfen, so lernt Paulus nun eine wirklich bemerkenswerte Frau kennen. Sie hieß Lydia und die war nicht nur wohlhabend, weil sie mir Purpur handelte, sondern sie ließ sich von Jesus begeistern und ließ ihr ganzen Haus taufen. Und so war der erste Mensch, der in Europa Christ wurde, eine Frau und ohne diese Frau gäbe es vielleicht bis auf den heutigen Tag kein Christentum in Europa.

Hätten sie das gedacht? Lydia, eine Frau, machte den Anfang des sogenannten christlichen Abendlandes. Und wenn wirs recht besehen, liebe Gemeinde, und an die drei Frauen denken, die das leere Grab finden und als erste Zeugen der Auferstehung wurden, dann können wir eigentlich nur sagen: Gut, dass es die Frauen gab und gibt. Das ist das erste was ich aus dieser Geschichte lerne und das zweite ist: Wenn es bei mir mal Wieder nicht weitergehen will, auch wenn ich noch so wünsche und will, wenn ich mal wieder denke, ich drehe mich ja nur im Kreis und nichts geht vorwärts, dann will ich an Paulus denken und an Lydia und an den Satz: Der Mensch denkt und Gott lenkt.

Und das dritte was ich lerne ist: Wenn es mal nicht weitergeht, wie ich es mir wünsche, dann kann es auch daran liegen, dass ich vielleicht mal die üblichen und erprobten Wege verlassen muss, so wie Paulus es getan hat. Vielleicht geht es ja auf anderen Wegen weiter und die will ich mir gerne von Gott zeigen und ihn lenken lassen. Ich hab meinen eigenen Kopf, aber manchmal komm ich eben damit nicht weiter.

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