Der Geist macht alles neu …

<b>Petrus:</b> Wie kommen Sie hier her? Was führt sie herein? Ich dachte, uns findet hier niemand. Hier in dieser dunklen Kammer sind wir sicher. Sie werden mich und meine Freunde doch nicht verraten, oder? Nein? Das ist gut. Oh, Entschuldigung. Sie wissen nicht, wer ich bin? Ich heiße Petrus. Mein toter Freund hat mir diesen Namen gegeben.

Bestimmt wollen sie wissen, warum wir uns in diesem dunklen Loch verstecken. Wir sind keine Terroristen. Nein. Aber trotzdem haben wir Angst. Wir haben Angst, dass sie uns verhaften.

Die Juden sind nicht gut auf uns zu sprechen: „Euer Jesus ist tot.“ „Euer Jesus – das kann der Messias nicht sein. Oder habt ihr gesehen, dass nun der Himmel auf Erden angefangen hat? Und Gottes Sohn – das ist er schon gar nicht. Bleibt uns mit eurer Ketzerei vom Leibe.“ „Mose hat uns geboten, Gotteslästerer zu steinigen“, sagen sie.

Und die Römer? Die können uns auch nicht leiden. „Warum kommen die hierher“, fragen sie sich. „Ihr stiftet doch nur Unruhe.“ „Musste das im Tempel unbedingt sein? Wie kann man nur die Händler aus dem Tempel jagen? Wie konnte es euer Freund wagen, die öffentliche Ordnung zu stören?“ „Unruhestifter werden verhaftet. Revolutionäre werden hingerichtet. Euch droht der Tod am Kreuz.“ So sagen sie es immer wieder -die Römer.

<b>Mann:</b> Guten Morgen. Gestatten, dass ich mich vorstelle? Herbert Müller mein Name, verheiratet, vier Kinder. Sachbearbeiter bin ich. Wenn irgendwo ein Fehler bei den Buchungen in unserer Firma auftritt, muss ich schauen, woran das liegt. Ich muss die Fehlbuchungen überprüfen und beseitigen. Ich muss schauen, ob das mit unserer Software zusammenhängt. Und ich muss den Programmieren gegebenfalls Bescheid sagen, dass sie das Programm überarbeiten.

Meist sitze ich allein in diesem Zimmer. Dann kann man sich besser konzentrieren. Aber eigentlich mag ich das gar nicht. Ich kann dieses muffige Zimmer überhaupt nicht mehr ab. Überhaupt ödet mich die Arbeit an. Jahre mache ich das jetzt schon.

Selten kommt einer von den Kollegen rein. „Haha“, sagte einer, „unser Christ. Wie du heute wieder aussiehst? Macht das dein Glaube, das du so griesgrämig in die Welt starrst?“ Ich weiß nicht, was ich darauf sagen soll. Ich könnte ihm eine reinschlagen. Aber eigentlich hat er ja recht. Mein Job ist anstrengend. In der Familie läuft es so lala. Und mit Glauben ist es nicht mehr so weit her. Sicherlich: Manchmal gehe ich in die Kirche. Manchmal treffe ich mich mit den alten Freunden vom Jugendtreff. Wir waren früher ja oft zusammen. Heute trinken wir Bier und reden über die alten Zeiten. Manchmal lese ich in der Bibel. Aber das bringt mir nichts. Seit längerem liegt sie neben meinem Bett, ohne dass ich darin lese.

<b>Petrus:</b> Früher war alles anders. Als mein Freund noch lebte, bin ich mit ihm mitgewandert. Das waren Zeiten. Wissen Sie? Ich habe einiges erlebt. Ich habe gesehen, dass Gott durch ihn Menschen geheilt hat. Blinde konnten wieder sehen. Lahme konnten gehen. Und Aussätzige – die hat er gesund gemacht. Ich konnte Gott selber sehen. Für mich stand der Himmel offen.

<b>Mann:</b> Früher war alles anders. Wir haben uns einmal die Woche getroffen. Wir haben zusammen gesungen. Wir haben uns über unseren Glauben ausgetauscht. Wir haben zusammen gebetet. Wir haben zusammen Feste gefeiert. Wir waren zusammen weg. Das war eine Gemeinschaft. Gott und Glaube – das waren nicht nur Themen für den Sonntag. Gott war da. Mein Glaube war lebendig.

<b>Petrus:</b> Und dann das. Als wir in Jerususalem waren, hat man ihn verhaftet. Er wurde angeklagt, zum Tod verurteilt und gekreuzigt. Jesus ist tot. Das war das Ende. Ich konnte nicht mehr. Ich bin einfach abgehauen. Ich habe ihn allein gelassen. Und ich habe mich alleine gefühlt. Einfach furchtbar.

<b>Mann:</b> Und dann das. Irgendwie ist mein Glaube eingeschlafen. Ich weiß nicht mehr, wie das geschehen ist. Vielleicht allmählich. Wir haben geheiratet und Kinder gekriegt. Wir haben gebaut. Wir packten ordentlich mit an. Schließlich hat man ja nicht so viel Geld. Es war anstrengend. Und der Alltag kann einen ganz schön mürbe machen. Irgendwann war nur noch ein Lippenbekenntnis da. Vom Glauben fehlte jede Spur. Einmal sagte der Pfarrer in der Kirche: „Jesus Christus ist für mich gestorben.“ Das ging mir nicht mehr aus dem Kopf. „Ja, es stimmt. Jesus Christus ist für mich gestorben. Jesus ist tot. Er interessiert mich einfach nicht mehr so sehr wie früher.“

<b>Petrus:</b> Jesus war tot. Wir sahen ihn zwar noch einmal. Aber dann war er weg. Seither sitzen wir in diesem Loch.

Was ist denn hier los? Hört ihr das auch? Es hört sich an, als ob viele Menschen nach Jerusalem kommen. Ach, ja, das haben wir ja ganz vergessen. Heute beginnt Schwawuot, das Wochenfest. 50 Tagen nach dem Passa, nach Ostern ist das. Und die Frommen kommen jetzt hierher. Wir feiern die Gebote, die Gott Mose gegeben hat.

<b>Mann:</b> Was ist denn hier los? Das frage ich mich auch. In der letzten Zeit ändert sich einiges. Wir sprechen mit unseren Freunden darüber, was sich in der Kirche alles verändert hat. Menschen kommen hier her, die ich noch nie gesehen habe. Menschen möchten Kassetten mit der Predigt haben. Es gibt neue Musik im Gottesdienst. Und Theater. Nach dem Gottesdienst unterhalten wir uns noch bei einer Tasse Tee oder Kaffee. Ich weiß nicht, was da noch kommt.

<b>Petrus:</b> Wir saßen in dem Zimmer. Wir hörten die Festpilger, die nach Jerusalem kamen. Und plötzlich geschah es. Lukas hat das, was wir erlebt haben, aufgeschrieben. Es steht in ihrer Bibel, im 2. Kapitel der Apostelgeschichte:

[TEXT]

<b>Mann</b> (zu Petrus): Wer sind Sie denn? Sie habe ich ja noch nicht gesehen.

<b>Petrus</b> (zu dem Mann): Das wundert mich nicht. Sie waren ja bisher nur mit sich selber beschäftigt. Aber ich freue mich, dass sie mich sehen, dass sie jetzt offene Augen für andere Menschen haben. Mir ging es nämlich um Pfingsten mal genau so. Das macht Gottes Geist. Übrigens: Ich heiße Petrus.

<b>Mann</b> (zu Petrus): Was Petrus? Herbert Müller. Ich habe früher viel von ihnen gelesen. In der Bibel. Aber dass sie mir direkt zu mir sprechen können, das verwundert mich doch etwas.

<b>Petrus</b> (zu dem Mann): Ja, es ist ein Wunder. Aber so ist das an Pfingsten. Aber am Pfingsten kommt der Geist. Und dann ist alles möglich. Sie können mich hören – und zwar in ihrer Sprache. Für gewöhnlich rede ich ja Aramäisch. Und ich kann sie verstehen, obwohl ich kein Deutsch spreche.

<b>Mann</b> (zu Petrus): Ja, ich glaube schon. Ach: Ich möchte ihnen etwas von meiner Firma erzählen. Dort geschieht nämlich gerade auch so ein Pfingstwunder. Vielleicht hängt das mit dem Geist zusammen.

Da gibt es einen, der sich über mich lustig macht. Ich habe das ja vorher erzählt. Neulich kam er wieder zu mir. „Wie geht es denn unserem Christen?“ fragte er. Ich sagte ihm: „Danke. Ausgezeichnet. Aber wie geht es ihnen?“ „Nun ja, wie soll es mir schon gehen?“, meinte er. „Danke, ich kann nicht klagen.“ Gewöhnlich enden unsere Gespräche dann.

Aber diesmal – diesmal habe ich einfach weiter gemacht. „Manchmal habe ich den Eindruck, sie wollen sich über mich lustig machen.“ „Wie bitte?“ fragt er. „Das mit dem Christen und so.“ „Ach so, ja.“ „Was glauben Sie eigentlich? Glauben Sie an Gott?“ „Also ich weiß nicht so recht. Manchmal frage ich mich, ob es einen Gott gibt. Wie kann man da so sicher sein?“ „Sie sind unsicher?“ wollte ich wissen. „Ja“, sagte er. Und ich fragte: „Warum?“ Dann erzählte er mir von seiner Mutter, die im Moment krank ist. Und dass seine Frau seine Mutter pflegt. Und dass sie viel Kraft braucht. Und dass sie deshalb wenig Zeit für ihn und seine Kinder hat. Und dann sage ich: „Wissen Sie. Ich glaube es gibt Gott. Und ich glaube auch, dass er ihnen helfen kann in ihrer Lage.“ „Wie kann er mir schon helfen?“ „Sie können zu ihm beten. Vielleicht zusammen mit ihrer Frau. Sie können ihm alles sagen, was Sie gerade beschäftigt.“ Sie sehen, ein richtiges Gespräch über den Glauben. So etwas hatte ich lange nicht mehr.

<b>Petrus</b> (zu dem Mann): Ja, das ist ein Pfingstwunder. Der Geist kommt. Dann werden wir zu Propheten. Wir ahnen, irgendetwas mit unserem Mitmenschen stimmt nicht. Irgendwie ist er niedergedrückt. Wir haben Visionen und prophetische Träume. Wie könnte das Leben unseres Mitmenschen weitergehen? Vielleicht kann der Glaube helfen, denken wir. Wir fangen an zu erzählen und andere hören uns zu, wenn wir über unseren Glauben sprechen. Das ist der Geist. Wir fangen an zu sehen. Wir fangen an zu sprechen. Und andere hören uns zu, weil durch uns und aus uns Gott spricht.

<b>Mann</b> (zu Petrus): Ich glaube, damit haben manche hier Schwierigkeiten. Dass Gott durch uns spricht. Er spricht doch eher durch die Bibel.

<b>Petrus</b> (zu dem Mann): Aber genau das steht in ihrer Bibel. Und genau das ist die Erfahrung, die wir Jünger nach dem Tod und der Auferstehung von Jesus gemacht haben. Wir sehen neu. Wir sprechen neu. Man hört uns neu. Durch uns spricht Gott.

(zu der Gemeinde): Und er tut das auch durch Sie, durch Sie alle hier. Auch durch die Menschen, die den Gottesdienst auf Kassette hören. Durch Sie alle spricht Gott. Weil Sie den Geist Gottes haben. Der ist zwar manchmal verschüttet. Aber wenn man ihn sucht, findet man ihn. Und er verändert das Leben. Das habe ich selbst so erfahren.

Wissen Sie was? Ich freue mich für Sie, dass Sie so ein Pfingstwunder in ihrem Leben erlebt haben. Und ich wünsche das der ganzen Gemeinde hier. Gott schenke ihnen viele Pfingstwunder. Er lasse sie neu sehen, neu verstehen, neu reden. Und er schenke Ihren Worten auch Gehör.

<b>Mann:</b> So soll es hier in der Gemeinde sein. Gott gebe seinen Segen dazu.

drucken