Der arme Teufel

Liebe Gemeinde,

es ist ja ein armer Teufel, dieser Teufel. Immer muss er herhalten, wenn wir Menschen was falsch machen oder in Gefahr sind, uns vom Leben zu entfernen. Wir haben es uns angewöhnt, dem Teufel die Schuld zu geben. Wir haben es uns angewöhnt, vor dem Teufel Angst zu haben.

Wahrscheinlich wissen wir alle nicht genau, was der Teufel eigentlich ist. Auf Bildern wird er unterschiedlich dargestellt, vom Wesen mit Hörnern bis hin zum Engel ist alles dabei. Im Neuen Testament heißt er schlicht: der Diabolos – zu deutsch, der Durcheinanderbringer.

Manchmal machen wir Menschen es uns zu leicht mit dem Teufel. Wir tun so, als wäre alles Schlechte vom Teufel. Die Welt wäre ja so gut, wenn es den Teufel nicht gäbe. Das fängt schon im Paradies an. Eva greift nach der Frucht am Baum, weil die böse Schlange – ein Bild für den Teufel – es ihr einredet. Ich war es nicht. Wir erleben es bei Jesus, dass da ganz verschiedene Versuchungen auf ihn zukommen und die Bibel sagt: es war der Teufel.

Und heute: die einen reden vom Teufel Alkohol, andere haben Angst, der Teufel sitzt in den Skatkarten, ein dritter geht nicht zum Fasching, weil das was teuflisches sein könnte, und wieder ein anderer sagt: das Geld ist der Teufel, es macht die Menschen kaputt. Wer so redet macht es sich sehr leicht. Er drückt sich nämlich um die eigene Verantwortung. Wenn die böse Schlange nicht gewesen wäre, wären wir heute alle noch im Paradies. Die arme unschuldige Eva. Wenns kein Geld gäbe, wären wir die friedlichsten Menschen dieser Welt. Wir armen Menschen!

Aber so meint es die Bibel eben nicht. Und sie lässt es nicht zu, dass wir uns mit irgendeinem Teufel herausreden und meinen, wir seien besonders fromm, wenn wir die teuflischen Dinge schön meiden. Sogar unsere Rechtsprechung ist dem Teufel aufgesessen. Ich brauch mich nur richtig zu besaufen, dann kriege ich sogar noch mildernde Umstände, wenn ich dann einen zusammenschlage. Es war ja gar nicht so richtig ich, Teufel Alkohol hat mich verwirrt.

Schön, das die biblischen Menschen diese berühmte Geschichte aufgeschrieben haben. Sie erzählt nämlich eine Menge über den Teufel. Zunächst ist Jesus in der Wüste und fastet. Fasten ist nicht leicht und wer jetzt vor Ostern z.B. auf Süßigkeiten verzichtet, der merkt es ganz deutlich, wie es da manchmal in einem zuckt. Jesus hat einfach Hunger. Und jetzt kommt nicht der Teufel, sondern der Versucher. Der Durcheinanderbringer. Wie mag der kommen, als Person und woran erkennt ihn Jesus? Und das erschreckende ist, dieser Versucher ist ganz fromm. Es wäre ja leicht, wenn der Teufel einfach offen gegen Gott wäre. Er kommt versteckt im Glauben. Plötzlich kommt Jesus ein Gedanke. Ich habe doch die Kraft von Gott. Bei dem Hunger, das nimmt mir doch keiner übel, ich könnte doch einfach mal probieren, ob ich aus den Steinen Brot machen kann. Klar sagt da eine Stimme, das kannst Du. Jetzt muss sich Jesus entscheiden, wie wir Menschen uns immer entscheiden müssen. Da lockt mich was. Aber ist es richtig? Jesus wäre ja der große Zauberer geworden. Aus Steinen Brot, bei dem Hunger auf der Welt heute. Er hätte sogar was Gutes getan. So schlecht meint es der Teufel gar nicht. Aber da lockt ihn etwas. Nämlich die Kraft von Gott zu missbrauchen. Und gerade rechtzeitig kann Jesus noch sagen: Nein. Mit mir nicht.

Aber, was mich so versucht, das gibt so schnell nicht auf. Wieder kommt der Teufel ganz fromm. Jesus, du glaubst doch an Gott. Ganz fest. Dann kann dir doch gar nichts passieren. Steig einfach mal auf den Turm und springe runter. Gott wird dich bestimmt auffangen. Wäre das nicht ein toller Glaube und ein gutes Vertrauen, wenn Jesus das machte? Oder würde ihn Gott einfach da unten zerschmettern lassen. Viele Christen scheitern an diesem Teufel. Sie sagen: egal, was kommt, der Herr wird mich schon durchbringen. Und sie denken, das wäre Gottvertrauen. Dabei ist das der Teufel. Glaube heisst eben nicht, dass ich auf Risiko lebe und den lieben Gott zwinge, mich dann noch zu retten. Dietrich Bonhoeffer hat es gesagt: Gott gibt uns Kraft, durchzukommen, aber nie im Voraus. Gott möchte, dass wir selber verantwortlich entscheiden und selber vermeiden, was uns schadet. Und darum springt Jesus nicht. Du sollst Gott nicht im voraus seine Kraft abtrotzen.

Und durch ein Dritte muss Jesus noch durch. Da kommt ihm eine Gedanke, den wir Menschen vielleicht manchmal haben. Also, wenn ich was zu sagen hätte, wenn ich die Macht hätte, dann wäre alles anders. Präsident Bush scheitert genau an dieser Stelle: Er meint, dass er berufen ist, die Welt in Ordnung zu bringen, er glaubt sogar, dass er von Gott gesandt ist. Und das tragische ist, dass ausgerechnet die ganz frommen Christen in Amerika, die Evangelikalen, wie man bei uns sagt, diesen teuflischen Kurs unterstützen. Die das wirklich glauben, dass Gott so etwas will. Sicher, solche Phantasien, die kommen einem schon mal. Ich würde auch einiges ganz anders machen in der Politik. Aber würde ich es gut machen? Oder würde ich nicht auch ganz schnell das Geld schmecken lernen und die Macht? Würde ich es nicht auch machen wie Edmund Stoiber und die anderen in Grund und Boden schimpfen, Stoiber, der sich auch zu den Christen zählt. Jesus weiß um die Gefahr der Macht. Und um so etwas zu erleben, brauche ich keinen bösen Teufel. Nein, es sind wir Menschen selber. Es steckt in uns drin. Und es ist ein Irrtum, zu meinen, wenn ich dieses oder jenes vermeide, dann bin ich fein raus. Wer nicht zum Fasching geht, weil dort irgendjemand als Hexe verkleidet herumläuft, ja das ist teuflisch und gefährlich, der hat den Teufel noch nicht erkannt. Zu Jesus kommt der Teufel ja eben nicht im Trubel und im Fest, sondern bei einer ganz frommen Sache. Beim Fasten. Wo er Gott sich ganz besonders widmet. Es steigt in uns auf in dem Moment, wo wir meinen, uns kann es nicht passieren. Ich denke, ich bin ein verantwortungsvoller und sicherer Autofahrer. Und dann bin ich auf der Autobahn und auf einmal kommt der Gedanke, mal sehen, was die Maschine hergibt. Und dann drücke ich durch bis zum Anschlag. Was ist das denn, brauche ich das wirklich? Und da ist alles drin, ich kann mein Auto verwandeln in etwas, was mich stark macht, ich kann mir einreden, mir kann doch gar nichts passieren, ich fahre doch mit Gott und ich habe Macht, über die Maschine, über meine kleine Welt, sogar über die, die langsamer sind. Ist das der Teufel? Das ist mir zu billig. Und Jesus hat recht: lerne Gott richtig zu verstehen und Du wirst dem Bösen widerstehen können. Aus der Geschichte lerne ich, nicht das, was ich denke, ist der Teufel, sondern das, was mir ganz fromm hochkommt und mich dennoch von Gott abbringt. Und das kann wahrscheinlich alles sein. Nicht der Alkohol ist schlecht, aber wo er mich dazu bringt, mich und andere zu zerstören, wird er zum Teufel. Nicht das Geld ist schlecht, aber wo sich mein ganzes Sinnen und Denken nur ums Geld dreht, wird’s gefährlich. Auch nicht, wie manche denken, die Skatkarte oder der Fasching ist schlecht, sondern immer dort, wo das Leben, wo das Miteinander von Menschen zerstört wird, dort ist es teuflisch. Aber ich habe es selber in der Hand, ob es so werden kann. Der Teufel selber kann gar nichts ausrichten, wo ich wie Jesus mit Gott verbunden bin.

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