Das erste, was uns die Schrift über die Freude sagt

Liebe Gemeinde,

menschlich gesehen sieht das so aus, das Paulus im Gefängnis sitzt und seine Verkündigung der frohen Botschaft jäh gestoppt ist. Doch Gott hat es anders vor, der Philipperbrief aus dem Gefängnis wird zur Quelle einer tiefen Freude für Millionen von Menschen bis heute. Denn hier ist Freude, die auch in einer Gefängniszelle zwischen Ratten und faulem Stroh nicht am Ende ist. Wir spüren seine Freude, die er trotz dieser schwierigen Lage hat, durch die Zeilen hindurch. Es ist die Freude, von der wir gerade in dem Lied "Jesu meine Freude" gesungen haben. Über diese Freude schreibt Dietrich Bonhoeffer in dem Jahr als der zweite Weltkrieg ausbrach (nach Gesammelte Schriften II, 547ff):

"Das erste, was die Schrift über die Freude sagt, lässt sich zusammenfassen in dem Liedanfang: ‚Jesu, meine Freude . .‘. Das ist der Grundton der biblischen Verkündigung von der Geburt Christi, vom Anbruch des Reiches Gottes in der Gemeinschaft Jesu mit seinen Jüngern, von seiner Auferstehung und Himmelfahrt. Gott will uns durch Jesus Christus froh machen. Er will uns nicht bedrücken, uns nicht Probleme aufgeben, er will uns nicht vor unlösbare Aufgaben stellen, sondern er will, dass wir uns an Jesus Christus und an seiner Herrschaft freuen … Das gehört wieder zu den einfachsten Dingen, die wir über den schwierigen gern vergessen, dass wir uns an Jesus Christus freuen lernen wie die Kinder. Ist es nicht schlimmste Undankbarkeit und Verstocktheit unseres Herzens, wenn uns der, der uns zum Heil, zur Errettung kam, nun zur Last wird? Mit der Freude an Christus geht uns auch die Liebe zu ihm und der Glaube an ihn verloren. Ohne die Freude an dem menschgewordenen und auferstandenen Sohn Gottes geraten wir ins Murren, in den Widerspruch, in die Traurigkeit. Wie finden wir aber solche Freude? Allein durch den festen Glauben: Jesus lebt! Wenn es wirklich wahr ist, dass Jesus lebt, dass er sich uns bezeugt, uns führt und hilft, wie sollten wir dann nicht ebenso froh werden wie die Jünger, als sie ihn am Ostermorgen sahen?

Wer Christus gefunden hat, der geht mit Freuden seinen Weg, der geht mit Freuden hin und verkauft alles, was er hat und kauft die köstliche Perle. Wer den Weg Jesu nicht mitgeht, der wird traurig wie der reiche Jüngling. Wer sich dem Weg Jesu ganz anvertraut, der wird daran froh. Diese Freude bewährt sich auch im Leiden, das dieser Weg über uns bringen kann. Der Grund aller solcher Freude ist die Nähe Jesu. ‚Ach, mein Herr Jesu, dein Nahesein . . .‘ Zugleich aber ist hier die Gewissheit, dass sich gerade so das Werk Jesu Christi auf Erden erfüllt und vollendet. So muss das, was uns Trübsal und Vernichtung bringen soll, durch Gottes wunderbare Gnade unsere Freude nur stärken. Stehen wir in der rechten Freude, dann ist es wirklich so: ‚Keiner nimmt eure Freude von euch‘, denn sie bleibt in Ewigkeit. Die Gemeinde ist eine Gemeinschaft der Freude. An der besonderen Gnade, die dem einen widerfährt, nehmen alle mit Freuden teil. Johannes kennt keine größere Freude, als wenn er seine Kinder in der Wahrheit wandeln sieht. An der Freude seines Leidens um Jesu Christi willen teilzunehmen, bittet Paulus seine Gemeinde. Jesus aber ruft zur Mitfreude dort, wo ein Verlorener wiedergefunden wird, wo ein Sünder Buße tut. Die Christen sind einander täglich unaufhörlicher Grund der Freude. Wer seine Augen offen hat für seine Mitchristen, dem kann es an Grund zur Freude niemals fehlen. Es ist doch erstaunlich zu wissen, dass nicht nur ‚Jesus unsere Freude‘ ist, sondern auch unsere christliche Schwester, unser christlicher Bruder. Haben wir nicht heute Grund genug, von dieser Freude erfüllt zu sein? Der Unsprung aller wahren Freude ist Gottes Freude an uns. Bei Gott im Himmel ist Freude, wenn sein Werk auf Erden zur Erfüllung kommt, wenn der Sünder umkehrt zum Vaterhaus. Jesus ist erfüllt von Freude und es ist seine Freude, die in uns ist und die uns vollkommene, bleibende Freude schenkt. An der Freude Gottes über sein Werk, an der Freude Jesu über die Liebe Gottes teilzunehmen, sind wir berufen. Dass unsere Gebete nunmehr erhört werden, das ist unsere vollkommene Freude. Nicht betrüben sollen wir den Heiligen Geist, sondern das ist unser Ziel, einzugehen in die Freude unseres Herrn."

Soweit Dietrich Bonhoeffer. Für Christen ist die Freude das Zentrum ihres Glaubens, so wichtig wie der Pulsschlag für das Lebens. Aber wie geht es der Freude in unserer Zeit? Wir Deutschen sind Weltmeister, nicht nur im Dauerhandball, sondern auch im Meckern. Wie wäre es, wenn wir in Hardheim nicht nur einen Weltrekord im Handball aufstellen, sondern auch den Weltrekord Gottes in der Freude annehmen. Jesus lebt, freu dich.

Also wie geht es der Freude in unserer Zeit? Ist sie noch am Leben? Natürlich ist sei noch am Leben, seitdem Jesus vom Tod auferstanden ist, kann sie keiner mehr totschlagen. Jesus lebt, freu dich.

Wie geht es der Freude in unserer Zeit? Ist unsere Botschaft frohmachend, bringt sie Freude, ist sie Evangelium – das heißt Frohe Botschaft? Als Christen haben wir die freudigste Botschaft der Welt, das selbst der Tod nicht das Leben besiegen kann. Der auferstandene Jesus Christus hat den Feind aller Freude, den Tod, besiegt. Jesus lebt, freu dich. Zur Wiederentdeckung der Freude müssen wir nur unsere Bibel aufschlagen. Das hat uns Dietrich Bonhoeffer mit seinen Worten gezeigt, die Bibel möchte uns Freude machen – und Mut froher zu leben. Alle, die Dietrich Bonhoeffer kannten, erzählen, wie ansteckend fröhlich er sein konnte. Hier erfahren wir den Grund. An diesem Grund hat sich seit dem Februar 1939, in dem diese Bibelarbeit entstand, nicht geändert. "Haben wir nicht heute Grund genug, von dieser Freude erfüllt zu sein?" Wir hätten schon, wenn da nicht immer unser ‚ja aber‘ wäre. Doch die christliche Freude war stärker als der Spott des kommunistischen Regierung, mächtiger als die Folter der Roten Armee und lebendiger als der gewaltsame Tod. In dem Buch "Gib nicht auf, Wanja" geht es um den jungen, gläubigen Soldaten Iwan Moissejew in der Roten Armee. Er bekannte auch dort seinen Glauben und ging durch unsägliche Qualen und starb schließlich unter Folter. Als die Eltern die Nachricht von seinem Tod erhielten, glaubten sie nicht an den vorgetäuschten Badeunfall. Aber durch sein Zeugnis kam fast die ganze Kompanie zum Glauben. Nach seinem Tod wurden diese Soldaten über die ganze Sowjetunion verteilt und so wurde an fast hundert weitern Orten die Frohe Botschaft von Jesus verkündet. Denn hier ist eine Freude, die durch wirklich alle Lebenssituationen trägt.

Wie Paulus bekannte Iwan Moissejew: "Denn Christus bedeutet für mich alles; er ist mein Leben."

Wer mit dieser Freude und diesem Lebensmut leben kann, für den ist der Tod die Tür zum ewigen Leben: "Deshalb kann das Sterben für mich nur Gewinn sein."

Paulus hat Briefe geschrieben, es ist uns nicht bekannt, ob er auch Lieder gedichtet hat. Das Lied, welches wir als Schlusslied singen, drückt die Haltung von Paulus im Gefängnis genau aus: "Seid nicht bekümmert, seid nicht bekümmert, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke! Jesus, der auferstandene Herr, ist in eurer Mitte." Das ist der Grund unserer Freude.

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