Dabei sein ist nicht alles

Liebe Gemeinde!

Die Sporttasche hat er unter den Arm geklemmt, den Strohhut auf dem Kopf und offene Sandalen an den Füßen: der Hundertmeterläufer tritt an die Startklötze. Klar gewinnen will er. Aber wozu den Aufwand. Er spart sich den Gang in die Umkleidekabine. Wozu den Hut ablegen, wozu die Sandalen mit den Turnschuhen tauschen? Darauf kommt es doch gar nicht an.

Du wirst über diesen komischen Wettläufer lachen. So kann er doch niemals gewinnen. Du weißt natürlich, dass es einige wichtige Regeln gibt, die du als Sportler beachten musst, wenn du gewinnen willst:

1.Regel: Zuerst in die Umkleidekabine. Du musst als Sportler alles ablegen, was dich am Laufen hindern könnte. Selbstverständlich brauchst du Turnschuhe, die leicht und griffig sind, dazu Shorts und ein T-Shirt. Dann kann‘s abgehen zu einem Christsein ohne Krampf.

2.Regel: Jetzt musst du starten. Du darfst dich nicht neben die Startlöcher stellen und dort auf den Startschuss warten. Du stehst also dort. Und sobald der Startschuss kommt, darfst du nicht in den Startlöchern sitzen bleiben, sondern du musst loslaufen. Dann kann’s abgehen zu einem Christsein mit Dampf.

3.Regel: Du musst das Ziel im Auge behalten. Als Läufer darfst du dich nicht ablenken lassen. Du kannst es dir nicht leisten auf die Zuschauer zu sehen. Dein Blick muss fest auf das richtige Ziel gerichtet sein, sonst ist aller Einsatz umsonst. Dann lebst du das Christsein als spannenden Kampf.

Solche Regeln gibt es auch für unser Leben und unseren Glauben. Schauen wir uns diese Regeln einmal an.

Regel 1: Du musst zuerst in die Umkleidekabine.
Beginnen wir mit Christopher und Loreen. Die beiden wurden heute getauft. Und der Taufspruch vergleicht das leben mit einem Weg: Jesus sagt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich. (Johannes 14,6) Das wichtige ist, dass wir uns für den Weg des Glaubens bereit machen und damit habt ihr heute bei der Taufe begonnen. Übertragen wir es auf unser Leben. Nehmen wir einen Sportfan. Jede Woche sitzt er vor dem Fernseher und sieht die Sportschau an. Aber damit ist unser Sportfan noch lange kein Sportler. Vor allem, wenn ihm nicht im Traum einfällt, selbst Sport zu treiben. So was nennt man einen Sportfan, so wie sich viele einen Christen nennen, denen aber nicht im Traum einfällt, als Christ zu leben, also keine Christen, sondern Christentum–Fans sind. Es gibt ein unverbindliches Sofa–Christentum, das mit dem, was die Bibel unter dem Leben eines Christen versteht, nichts zu tun hat. Im Brief an Korinth, wo sie die Olympiade erfunden haben, befasst sich der Apostel Paulus mit dem Sofa–Christentum. Er schreibt: "Ihr wisst doch, dass an einem Wettlauf viele Läufer teilnehmen. Aber nur einer kann den Preis bekommen. Darum lauft so, dass ihr den Preis gewinnt! Jeder, der an einem Wettlauf teilnehmen will, nimmt harte Einschränkungen auf sich. Er tut es für einen Siegeskranz, der verwelkt. Aber auf uns wartet ein Siegeskranz, der niemals verwelkt." Ich bezweifle, ob die heutige Olympiade noch viel mit Sport zu tun hat. Aber ich bezweifle nicht, dass wir viel von ihr lernen können. Paulus nimmt sie als Gleichnis für unser Leben und sagt: "Unser Leben ist ein Kampf." Das hören wir gar nicht gerne. Aber wie ist es im Sport. Wenn du gewinnen willst, dann musst du trainieren. Wenn du zu einem Wettlauf gehst, dann gehst du zuerst in die Umkleidekabine, ziehst Turnschuhe, Shorts und T-Shirt an. Wenn du im Leben gewinnen und zu seinem wirklichen Ziel, zur Gemeinschaft mit Gott kommen willst, dann musst du von deinem Sofa–Christentum aufstehen zu einem Christsein ohne Krampf und

Regel 2 beherzigen: Du musst starten
Noch etwas zweites zu der Taufe von Christopher und Loreen. Als Eltern und Paten habet ihr ihnen die Möglichkeit eröffnet, im christlichen Glauben zu starten. Ihr schenkt Ihnen die Möglichkeit, das Licht des christlichen Glaubens zu finden, so wie es im Taufspruch von Christopher heißt: Jesus sagt: Ich bin in die Welt gekommen als ein Licht, damit, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe. (Johannes 12, 46) Christopher und Loreen werden diesen Start, mit eurer Hilfe, einmal selber vollziehen. Wenn du bei der Olympiade starten willst, musst du dich melden. Du kannst nicht einfach ins Stadion gehen und mitmachen. Hast du dich eigentlich schon mal bei Jesus gemeldet? Hast du ihm schon überhaupt gesagt, dass du bei ihm mitmachen willst? Ein Christ bist du nicht dadurch, dass du als Kind getauft worden bist. Ein Christ bist du erst dann, wenn du den Entschluss gefasst hast: "Ich will bei Jesus mitmachen." Diesen Entschluss nennt die Bibel Bekehrung. Ob die Bekehrung nun ein plötzliches Ereignis mit Pauken und Trompeten oder ein langer stiller Prozess ist – jeder Christ muss einmal im Leben den bewussten Entschluss fassen: "Ja, Jesus, ich starte. Ich will mit dir gehören. Ich will dir gehorchen. Ich will dir nachfolgen. Ich will das ewige Leben haben, das du mir versprochen hast." Wenn du diesen Entschluss noch nie in deinem Leben gefasst hast, bist du kein Christ. Trotz deiner Taufe und deiner Konfirmation. Also beherzige Regel 2: Du musst starten. Das ist Christsein mit Dampf. Viele sind schon gestartet. Nicht alle kommen ins Ziel. Und manche erst auf großen Um- und Irrwegen. Dabeisein ist nicht alles.

Darum ist Regel 3 so wichtig: Behalte das Ziel im Auge.
Eines, auf was unser Leben zuläuft, das ist uns am Montag wieder schmerzlich bewusst geworden, ist der Tod. Er ist nicht das Ziel, er ist Durchgangsstation. Wer an Jesus glaubt, für den ist das Ziel das ewige Leben bei Gott. Das drückt auch die diesjährige Jahreslosung aus: Jesus Christus spricht: Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen. (Markus 13,31) Hier finden wir den Hinweis darauf, wo wir das richtige Ziel finden, das ewigen Bestand, also auch im Angesicht des Todes, hat.

Wer zusagt: "Ich starte, ich mach mit", muss automatisch andere Dinge absagen. Der muss sich enthalten und verzichten. Verzichten ist etwas, was wir heute nicht mehr können und wollen. Das Grundprinzip unseres modernen Lebens ist: "Ich mach nur das, wozu ich Lust habe. Was keinen Spaß macht: Null Bock." Jeder versucht das Brett an der dünnsten Stelle zu bohren. Jeder will das größte Stück vom Kuchen, nach dem Motto: "Wir wollen alles und davon möglichst viel." Jeder will möglichst schnell möglichst mühelos möglichst viel erreichen und auf möglichst nichts verzichten.

Dass z. B. Sexualität etwas ist, was Verzicht erfordert, um zur Reife und Erfüllung zu kommen, sehen viele der heutigen Menschen nicht ein. Sondern heute gilt die These: "Sex macht Spaß, also wird‘s gemacht. Und was die Bibel dazu sagt, das ist doch nur altmodischer Zopf." Und auch viele Christen denken und handeln so und sehen die Sexualität nicht mehr als Aufgabe, sondern bloß als Lustgewinn und führen vor und außer der Ehe ein freies Sexleben, so als ob Jesus nicht gesagt hätte, dass die Ehebrecher das ewige Leben nicht kriegen werden. Jeder weiß, dass jeder Sportler, der sich zur Olympiade meldet, in Bezug auf Sexualität, Rauchen, Trinken und Essen sich an ganz bestimmte Regeln halten und verzichten muss. Kein Sportler ist so blöd und behauptet: Sexualität, gutes Essen und Wein wären Sünde und grundsätzlich schlecht. Das ist Unsinn. Der Mensch soll sich ordentlich ernähren, ein Gläschen Wein in Ehren ist nicht zu verwehren. Und für die Sexualität hat Gott extra einen Platz, nämlich die Ehe, eingerichtet.

Aber wenn du dich nicht an die Regeln hältst, mit den falschen Partnern, an den falschen Plätzen zur falschen Zeit hemmungslos spielst, hemmungslos alles mitnimmst, dann bleibst du auf der Strecke und kommst nicht ans Ziel. Ohne Kampf, ohne hartes Training, ohne Verzicht erreichst du das ewige Leben nicht. Christsein ist nichts für Schlaffies. Christsein erfordert Opfer. Und genau vor diesen Opfern schrecken viele zurück.

Jesus verlangt eine totale Absage an die Sünde. Das griechische Wort für Sünde heißt wörtlich übersetzt Zielverfehlung. Wir sündigen immer dann, wenn wir unsere eigenen Ziele stecken und unsere eigenen Wege gehen. Deshalb: Konsequente Ausrichtung auf das Ziel des ewigen Lebens, denn knapp daneben ist eben auch vorbei. Wenn ein Fußballspieler am Tor vorbeischießt, ist das kein Tor. Betrüge dich nicht selbst, indem du sagst: "So schlecht bin ich doch nicht." Die Frage ist nicht, ob du gut oder schlecht bist. Die Frage ist, ob du das Tor triffst, ob du Gottes Ziel erreichst. Dabeisein ist nicht alles.

Um Gottes Ziel zu erreichen, musst du auf manches verzichten. Du kannst dich fragen, ob sich das lohnt. Ich kenne Menschen, die sind, wenn sie etwas wollen, zu enormen Verzichtleistungen bereit. Oder nimm nur die Sportler, auf was die alles verzichten, damit sie die Leistung erbringen. Aber ohne das wollen geht es auch bei ihnen nicht. Auch den Glauben musst du wollen. Kannst du dir also das ewige Leben verdienen?

Nein, das ewige Leben kriegst du von Gott nicht, weil du es verdienst, sondern aus Gnade. Aber, du kannst durch dein Handeln das ewige Leben zwar nicht gewinnen, aber du kannst es verlieren. Alle, die in der Kampfbahn laufen, kriegen Lorbeeren. Aber eben nur die, die laufen. Wer nicht läuft, bei dem läuft nichts.

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