Briefe über Glauben und Leben

Wann haben Sie das letzte mal einen Brief geschrieben? Und auch ihr KonfirmandInnen überlegt mal, wann habt einmal einen Brief geschrieben?
Keine Klappkarte, zu Weihnachten oder zum Geburtstag, als kleinen Gruß mit ein paar persönlichen Worten, sondern einen richtig langen Brief. Mit der Hand geschrieben, mit eigenen Worten?
Seid der Erfindung des Telefons ist das Briefeschreiben zunehmend aus der Mode gekommen, wenn ich einem fern Verwandten erzählen möchte, wie es mir geht, wie das Wetter in Reinbek ist, oder was sich in meinem Leben an neuem ereignet hat, dann greife ich schnell zum Telefon. Da kann ich dann ein paar Minuten oder auch mal eine Stunde erzählen, was so los ist. Ich kann mich bedanken für das Weihnachtspäckchen und ins plaudern kommen, über dies und das. Einfach, schnell und bequem. Warum also lange hinsetzen und mit ungeübter Handschrift Seiten füllen? Was soll man auch schreiben? Am Telefon, da ergibt sich das Gespräch von selbst und mein Telefonpartner kann ja fragen, was er oder sie wissen will. Wie es den Kindern geht, was die Schule so macht oder wie das Wetter in Reinbek ist. Ob alle gesund sind, oder was auch immer. Und für ganz eilige gibt es ja auch noch das E-Maill, wo mal eben schnell Fotos, Grüsse und Nachrichten rund um die ganze Welt verschickt werden können.
Wann haben Sie das letzte mal einen Brief geschrieben?

Einige von Ihnen, da bin ich sicher schreiben, schreiben gern und nehmen sich dafür Zeit, denn die braucht man, um einen Brief zu schreiben. Ein leeres Blatt, vielleicht ein schönes Briefpapier werden hervorgeholt und es wird geschrieben. Schnell und aufgeregt, weil man etwas loswerden möchte, etwas auf der Seele brennt. Oder ruhig, vorher überlegt, in ausführlichen Beschreibungen.

Die Briefwechsel berühmter Persönlichkeiten sind begehrt, weil man in diesen Briefen manch persönliches erfährt und sie Gleichzeitig einen Einblick in vergangenen Lebenswelten und Themen gibt. Was bewegte die Menschen vor 100 Jahren? Sie sind Erinnerungen, sie erzählen ein Stück Lebensgeschichte. Liebesbriefe, Feldpostbriefe, Urlaubserinnerungen, aber auch Briefe aus dem Alltag.
Ich gebe zu, ich gehöre nicht zu den ausführlichen Briefschreiberinnen, meine Handschrift ist eine Katastrophe, denke ich und daher kommt mir der Computer gerade recht. Aber in einer Schachtel liegen noch Stapelweise Briefe, Damals in den Schulferien habe ich geschrieben und Briefe bekommen von den Freunden und Freundinnen, die in den langen Ferienwochen irgendwo verreist waren, so dass wir uns schreiben mussten, was gerade los ist. Heute sind diese Briefe eine schöne Erinnerung. Und ich hatte eine Brieffreundin in der ehemaligen DDR, mit der ich im regen Briefkontakt stand.
Mal angenommen Sie würden sich überwinden, würden sich Zeit nehmen und sich hinsetzen und schreiben, was würden sie schreiben. Wem würden sie gern einmal schreiben? Auch Konis was glaubt ihr. Was gäbe es zu berichten aus Ihrem, aus Eurem Leben?

Nichts besonderes? Oder doch? Wenn man erst einmal dabei ist und sich die Dinge von der Seele schreibt, dann kommt da einiges zusammen. Es gibt gute Nachrichten, die man gern weitererzählt. Und es gibt das, was einem Sorgen bereitet, ärgert, wütend macht.
Papier ist geduldig, widerspricht nicht, hier kann ich einfach mal drauflos schreiben und sagen was ist. Dass ich die Welt manchmal nicht mehr verstehe, mit all diesen Reformen und Veränderungen, die sich wie Verschlechterungen anfühlen.

Auch über Sorgen, die man mit jemandem teilen möchte und gar nicht weiss, wie man das genau beschreiben soll, was da so in einem rumort. Oder auch Erlebnisse, die nur heute aktuell und interessant sind, gar nichts tief greifendes, einfach das, was eben so los ist. Mein Gegenüber, eine ferne Freundin, eine liebe Tante, oder auch ein fremder Brieffreund, der wird es vielleicht verstehen.

Früher, da gab es ja kein Telfon, keine Handys, mit denen man aus dem Urlaub kurz anruft, keine E-Mails, da gab es nur die Post, um Nachrichten zu verbreiten. Ob das besser oder schlechter war? Es war anders. Paulus hat Briefe geschrieben, er konnte seine Kontakte nur über Briefe pflegen. Er schrieb denen, die er besucht hatte und die jetzt Fragen, Kritik oder Ärger hatten. Er schrieb um Kontakt aufzunehmen, Streit zu schlichten oder Ratschläge zu geben. Und er schrieb, um weiterzuerzählen, was ihm ganz wichtig war.
Vielleicht hat er auch private Briefe geschrieben, an seine Familie, oder an alte Schulfreunde, aber darüber wissen wir nichts. Die Briefe, die uns in der Bibel überliefert sind erzählen von seiner Arbeit, seiner Mission, seinem Lebenswerk. Sie erzählen uns heute das, was er glaubte. Sie erzählen, was er weitergeben, weitersagen wollte. Und sie erzählen in einzelnen Passagen auch etwas über ihn.
Einen Brief schreiben, an einen guten Freund, oder einen Verwandten, das ist schon schwer genug, aber Menschen, die einem völlig fremd sind, von etwas überzeugen, was mit Glauben, mit Gott, mit Jesus zu tun haben, das ist, wie soll ich es sagen, kaum vorstellbar, oder?

Was würde ich schreiben, was würden Sie schreiben, wenn Sie in einem Brief noch einmal Ihr Leben Revue passieren ließen, Wenn Sie vielleicht als Vermächtnis an ihre Enkel oder Urenkel aufschrieben, was Ihnen in Ihrem Leben wichtig war. Was sie erlebt haben, was Sie geprägt hat, was Ihre Mission war, wofür Sie gekämpft haben? Wie komme ich dazu. Sollen doch all die Prominenten, wie Dieter Bohlen, oder Hilary Clinton wie sie auch heißen, ihre Lebensgeschichten schreiben, was habe ich schon erlebt. Und Lebensziele, oder eine Lebenswerk, eine Mission, wer bin ich denn?

Nicht so schnell aufgeben! Würden Sie sich hinsetzen und aufschreiben, was sie erlebt haben, wie Sie es erlebt haben, sie wären erstaunt? Und ich bin sicher sie würden auch etwas über Gott schreiben, über das beten, über Jesus, das Kreuz, ihre Kirche unsere Kirche.

Und ihr Jugendlichen, ihr habt Glück euer Brief könnte etwas kürzer ausfallen. Und anders als die älteren, die heute hier sitzen, die eure Eltern, Verwandten oder Großeltern sein könnten habt ihr auch keinen Krieg erlebt und vermutlich auch keinen Berufsstress, keine Sorgen um Haushalt und kleine oder große Kinder. Ihr kennt manches davon nur aus Erzählungen.

Aber manche von euch haben erlebt, was es heißt, wenn ein Mensch stirbt, den man lieb hatte, Und was Enttäuschung ist, das wisst ihr auch und sicher auch, was es heißt Glück zu haben, noch mal davon gekommen zu sein, oder was gute Freunde sind. Wie das ist, wenn jemand da ist, der einem zuhört. Was es bedeutet Eltern zu haben, ein zuhause, Menschen, die auf einen Warten, sich um einen Sorgen. Und manche wissen auch, was das ist, wenn Eltern sich trennen, oder wenn man umzieht und irgendwo noch einmal neu anfängt. Auch ihr hättet etwas zu schreiben.

Wenn ich meinen Enkelkindern einen Brief schreiben würde, was würde ich schreiben. Etwas von erfüllten Träumen, von wunderbaren Reisen, einem Beruf, der genau der richtige für mich ist, aber auch davon, dass im Leben manches anders gekommen ist als ich es gedacht oder geplant, mir gewünscht habe. Dass es Augenblicke gibt, in denen man ratlos ist, nicht weiter weiß, von Trauer und Abschied, von Freundschaften und Liebe und von vielem mehr. Aber vor allem auch davon, dass alles in allem, wir Leben können, weil da einer ist, der mit uns geht. Einer, der ein Gegenüber ist, aber auch ein Zufluchtsort, einer, der dem Leben, dem normalen, ganz alltäglichen Leben einen Sinn gibt, allein dadurch, dass er Ja sagt zu mir und das ist Jesus Christus und dass ich diese Erfahrung jedem und jeder wünsche. Jung und alt, groß und klein, reich und arm, Mann und Frau, hier und da, weil man im Glauben versteht, dass das Leben Sinn macht.

Ich möchte Ihnen aus einem dieser Briefe vorlesen, Walter Jens, hat ihn noch einmal neu übersetzt:

Hört, Schwestern und Brüder in Rom:
Dies ist das Evangelium, dies ist die Botschaft von Jesus Christus, unserem Herrn. Seine Gnade gab mir, Paulus, dem Apostel, die große Macht, Menschen aller Völker zum Gehorsam im Glauben zu führen ? auch Euch. Denn auch Ihr seid von Jesus Christus berufen, Gottes Namen zu ehren. Und darum schreibe ich, Paulus, an Euch in Rom, Ihr Gottgeliebten, Auserwählten des heiligen Gottes! Ihr sollt aber auch wissen, wie oft schon ich mir ? vergeblich! ? vorgenommen habe, zu Euch zu kommen, um unter Euch die Ernte einzubringen, so wie bei anderen.
Paulus, der Apostel, ist den Griechen in gleicher Weise verpflicht, wie jenen, die keine Griechen sind. Ich bin in der Schuld der Klugen, aber genauso in der Schuld der vielen, die schlicht im Geist.
Deshalb will ich auch bei Euch in Rom das Evagelium predigen: Ihr seid mir nah ? vertraut wie alle anderen. Denn ich bekenne mich zum Evangelium ? auf ihm beruht Gottes Kraft. Und Rettung für alle, die darauf vertrauen ? die Juden und auch die Griechen. Offenbart wird in dieser Schrift, im Glauben beginnend und endend, die Gerechtigkeit Gottes. Das Wort bleibt gültig: Du wirst leben und bist ein Gerechter, weil du glaubst.

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