Athen – Das regt mich auf

Also, das regt mich auf. Olympia. Athen. Und wir als großes Deutschland? Na klar! Wir bekommen unseren Platz in der Welt, wir werden an dritter Stelle im Medaillenspiegel landen.

Weil wir so gut sind, weil wir soviel Geld zahlen, weil wir unsere Leute so gut trainieren lassen, weil wir die Deutschen sind und überhaupt.

Aber die Sportler! Sind das nicht in erster Linie Menschen? Vielleicht noch Männer und Frauen? Bestimmt sind es Sportler. Aber Deutsche im Olympischen Sinn?

Also das regt mich auf. Es geht nicht mehr um die Menschen, sondern darum, das die Deutschen am drittmeisten Medaillen gewinnen.

Ist Sportlichkeit nicht eine Gabe Gottes?

Und nun: die ersten Tage haben viele „sichere Medaillen“ an uns vorbei verteilt werden lassen. Sätze wie: „Sie werden um den dritten Platz schwimmen“ – „Unsere „Gold-Franzi“ ist eine sichere Bank.“ – „Da rechnen wir fest mit drei Medaillen …“ – klingen mir noch in den Ohren. Aber am Ende war dann doch nichts mit Edelmetall. Nur noch Schrott war zu hören.

Also das regt mich auf: was da nach den Wettkämpfen über die „deutschen Verlierer“ geredet wurde … Was manche Sportler da von sich gegeben haben …

Sätze wie: Das Wasser war nicht schnell genug für mich, ich habe alles gegeben aber in diesem Wasser kam ich nicht voran. Oder: Wir hatten zu sehr mit dem Wind zu kämpfen und fanden nicht in unseren Rhythmus.

Oder dann gab es da eine Radfahrerin, die völlig überraschend Silber gewinnt. Und was macht die? Die zeigt auf der Ziellinie den Stinkefinger in die Kameras. Sie sagt: diese Medaille ist Scheiße, warum hat der Verband nicht meine Lebenspartnerin nominiert, die ist noch viel besser, dann hätten wir Gold gekriegt.

Ich habe kein Inteview von einem deutschen Starter gehört, der keine fadenscheinigen Ausflüchte benötigt hat. Kein „die anderen waren besser“. Kein „ich habe mein bestes getan, aber es hat nicht gereicht“. Kein „ich freue mich über den fünften Platz. Das heißt doch nur vier bessere auf der ganzen Welt, aber Millionen hinter mir“. Kein ach was weiß ich denn noch.

Also, das regt mich auf …

Vielleicht stimmt es aber doch; wir bekommen das was wir verdienen. Deutschland bekommt was es verdient. Mich erinnert diese ganze Diskussion, diese ganzen Kommentare, auch von den Reportern, tatsächlich fatal an die Situation in Deutschland.

Für mich ist es ein Spiegelbild dessen, was in unserem Lande geredet und getan wird. Mittlerweile zeigen wir lieber auf andere, die Schuld sind an dem, wie es uns geht. Die zu verantworten haben was mit uns geschieht.

Ist das denn richtig? Kennedy sagte einmal: Frage nicht, was Dein Land heute für dich getan hat, sondern frage was Du heute für Dein Land getan hast.

Ich möchte noch weitergehen: Fragt Euch nicht was andere für Euch getan haben, sondern was Ihr für Euch getan habt und was Ihr für andere getan habt.

Wir leben heute im Haben, Sein und Bekommen. Nicht mehr im Tun, Werden und Machen. Team-Geist ist in. Ihr wisst, dass Team eine Abkürzung ist? Toll – Ein – Anderer – Machts.

In diesem Sinne ist auch Gottes Gabe, Gottes Geschenk, Gottes Barmherzigkeit, Gottes Bot-schaft des heutigen Predigtextes zu sehen.

Aber Gott ist reich an Erbarmen. Er hat uns seine ganze Liebe geschenkt. Durch unseren Ungehorsam waren wir tot; aber er hat uns mit Christus zusammen lebendig gemacht. – Bedenkt: Aus reiner Gnade hat er euch gerettet! Er hat uns mit Jesus Christus vom Tod auferweckt und zusammen mit ihm in die himmlische Herrschaft eingesetzt. In den kommenden Zeiten soll das enthüllt werden. Dann soll der unendliche Reichtum seiner Gnade sichtbar werden: die Liebe, die Gott uns durch Jesus Christus erwiesen hat. Eure Rettung ist wirklich reine Gnade, und ihr empfangt sie allein durch den Glauben. Ihr selbst habt nichts dazu getan, sie ist Gottes Geschenk. Ihr habt sie nicht durch irgendein Tun ver-dient; denn niemand soll sich mit irgend etwas rühmen können. Wir sind ganz und gar Gottes Werk. Durch Jesus Christus hat er uns so geschaffen, dass wir nun Gutes tun können. Er hat sogar unsere guten Taten im voraus geschaffen, damit sie nun in unserem Leben Wirklichkeit werden.

Wir sollen, nein wir brauchen nicht immer voller Neid auf die anderen sehen, was die da können oder was die da haben oder was die da sind.

Wir haben es gar nicht nötig uns über die anderen aufzuregen oder voller Neid zu Ihnen hinzusehen.

Wir sind Gottes Werk und er hat uns so geschaffen. Mit unterschiedlichen Gaben und Fähigkeiten zwar (oder zum Glück), aber wir sind so, weil er es will. Er hat uns so geschaffen, damit wir Gutes tun, damit wir andere weiterbringen. Und wenn wir Fehler machen? So what? Er weiß davon, er hat uns unsere Fehler vergeben in seiner Gnade. Er hat uns in Güte die Fehler gegeben um das Gute besser zu erkennen.

Aber unsere Wehleidigkeit, unsere Unfähigkeit andere vor uns zu sehen, unser Unvermögen, die Leistungen anderer anzuerkennen und unsere eigenen Schwächen einzugestehen? Bestenfalls ist das einer unserer Fehler, die wir in Gottes Gnade vergeben bekommen. Aber gerade dann … Hey Leute! Rafft Euch auf und seit wieder positiv. Zeigt es wieder nach außen:
– Hier bin ich und ich tue Gutes!
– Ich werde Euch weiter bringen!
– Ich arbeite an mir und werde besser!
– Ich finde es toll was Du kannst und ich freue mich für Dich.
– Du bist besser als ich, toll

… und bitte, lebt das doch auch!

Auch das gab es in Athen.

Der Goldmedaillengewinner wird durch eine Richterentscheidung disqualifiziert und dem Zweiten soll die Goldmedaille gegeben werden. Der lehnt sie ab, weil er seinen Gegner nicht im Wettkampf sondern am grünen Tisch besiegt hat: „So ist Gold nur Mist, die will ich nicht. Denn ich habe nicht gewonnen.“

Gott fordert uns ganz klar auf: Geht raus, tut Gutes, redet darüber, reißt andere mit.

Fehler? Ehy Ihr seid Menschen und darum passieren schon mal Fehler. Shit happens? So What! Schon vergeben und vergessen. Gut gemacht? Hey, Klasse! Weiter so, dafür seid ihr da!

Das ist, salopp gesagt die Botschaft im Menschen. In Liebe und Frieden.

Fest verwurzelt wie ein Baum, verwurzelt im Glauben und in Gottes Barmherzigkeit. So können wir Gottes Werk auf Erden weiterführen. Wer von Euch, von Ihnen hat schon einmal geliebt? Ich meine nicht die Eltern oder Kinder, nein so richtig wie die erste Liebe?

Haben wir nicht aus Überzeugung Dinge getan, die wir eigentlich nie machen würden? Bilder malen, Briefe geschrieben, Gedichte verfasst?

Sind wir nicht, und sei es nur im Kleinen, über uns herausgewachsen?

Andererseits; haben wir dieses je getan, dieses wohlige Gefühl je gehabt, wenn wir neidisch waren? Wenn wir jemanden gehasst haben?

Ich glaube kaum.

So ist Gottes Liebe zu uns und so sollte unsere Liebe zu Gott und seiner Schöpfung sein. Weil wir an Gott glauben, weil wir Gott lieben, weil Gott uns liebt. Deshalb können wir großes und kleines im Guten tun und „unsere“ Welt im Guten weiterbringen.

Also TUN wir es auch endlich und hören auf wehleidig zu klagen. Das ist Gottes Wille.

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