Another day in paradise

<i>Angeregt durch:
– Predigtmeditation im christlich-jüdischen Kontext
– <a href="http://www.e-pistel.de" target="_blank">e-pistel</a>
– aus dem Kanzelgruß die Predigten von Mark Meinhard und Uwe Simon.</i>

1. Einleitung
Gerne hätte ich mich heute vor dem vorgeschlagenen Predigttext gedrückt: Die Versuchung Jesu in der Wüste. Dunkel werden sich einige von Ihnen erinnern: ach ja, da war was mit dem Teufel und Jesus. Die Geschichte hat was Okkultes und wirkt bedrohlich.

Nichts Erfreuliches und ich hätte heute gerne einen freundlicheren Text gewählt. Aber, dieser Versuchung wollte ich dann doch nicht nachgeben, wo doch gerade der Text mahnt, den Versuchungen zu widerstehen. Und aus der Luft gegriffen ist diese Mahnung ja nun auch nicht, auch nicht für uns heute, denn Versuchungen sind wir immer wieder ausgesetzt, sei es Abends beim Fernsehen, die Chipstüte auf dem Couchtisch, der wir widerstehen wollten, sei es das Lösungsblatt für die Mathearbeit, das der Lehrer aus Versehen mit in den Papierkorb geworden hat, sei es der Tratsch über die nervige Nachbarin, und und und …

2. „Und führe uns nicht in Versuchung“
Die Geschichte in der Bibel, im Matthäusevangelium, beginnt mit den Worten: „Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde“ (Vs.1). So beginnt der heutige Predigttext. Jesus wird vom Geist in die Wüste geführt, um dort geprüft zu werden. Kein Zufall also, sondern Plan. Und zwar Gottes Plan. Der Geist Gottes, der sich bei der Taufe wie ein Taube auf Jesus gesetzt hatte, führt ihn jetzt, direkt nach seiner Taufe in die Wüste. Und da – fastete Jesus 40 Tage lang.

Der Teufel ist hier in der Geschichte nur Statist. Sein Job ist es, Jesus zu verführen. Gott ist sein Auftraggeber und damit wird der Teufel auch gleich auf seinen Platz verwiesen. In diesem Halbsatz: „damit er vom Teufel versucht würde“, steckt jede Menge Theologie. In ihm wird ausgedrückt, was wir auch jedes Mal im Vaterunser beten: „und führe uns nicht in Versuchung“. Was nichts anderes meint, als: Gott hat alle Macht. Und, wenn da einer ist, der uns in Versuchung führt, dann Gott. Sicherlich nicht mit der Chipstüte auf dem Couchtisch. Und doch auch; auch dahinter steckt etwas von der Gier nach Mehr, die Adam und Eva, also den Menschen, dazu getrieben hat, in den Apfel zu beißen. Und ich möchte versuchen, das für uns, mit der Geschichte von der Versuchung Jesu verstehbar zu machen.

Die Geschichte Jesu soll uns zeigen, dass es im Leben um drei Grundentscheidungen geht. Jesus trifft diese Entscheidungen in der Wüste und die Wüste ist hier Sinnbild für uns für Situationen der Entbehrung, der Einsamkeit und der Machtlosigkeit.

3. Der Materialismus – Das Haben- wollen
Nach dem Jesus 40 Tage und Nächte gefastet hatte, hatte er unglaublichen Hunger. Ich halte es schon nach einem Tag kaum mehr aus, von daher kann ich mir den Hunger Jesu, der mehr als Appetit auf etwas Leckeres ist, gut vorstellen. Und als Jesus diesen Bärenhunger hatte, kam „der Versucher zu ihm und sagte: Bist du Gottes Sohn, dann sag doch zu den Steinen, die da vor dir liegen, dass sie Brot werden sollen. Jesus erwiderte ihm aber: „In der Bibel steht geschrieben: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht“ (Vs. 4).

Jesus hat damals rigoros „Nein“ gesagt. Warum? Womöglich, weil er spürte, dass das schnell herbei gezauberte Brot, seinen Hunger nicht wirklich stillen würde?

„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.“

Trotz Konjunkturloch, ist die Fixierung auf Besitz und Eigentum, auf das maßlose Haben wollen, derzeit ungebrochen. Da werden neue Autos gekauft, nicht weil das alte nicht mehr sicher war, sondern, weil es ein PS- stärkeres gibt; da werden neue Klamotten gekauft, nicht weil die alten kaputt oder verschlissen sind, sondern, weil sie im nächsten Frühjahr, Sommer, Herbst, Winter nicht mehr dem Modetrend entsprechen; da werden Freunde fallen gelassen, weil sie nicht dem Cliquen- Ideal entsprechen; Materialismus in Reinkultur.

Jesus widersetzt sich diesem Trend. Er entscheidet sich von dem zu leben, das er empfängt. Er widersetzt sich der Versuchung, nach mehr zu streben. Er behält sein Vertrauen zu Gott, und, dass der ihn sicher durchbringen wird, auf die Art, die er vorgesehen hat.

Die erste Grundentscheidung im Leben: Haben oder Sein. Leben sichern durch Besitz oder Vertrauen. Was hat wohl mehr Bestand?

4. Ich bin ein Star!
Vergangene Woche wurde Daniel Küblböck, ich nehme an, ihn kennen mittlerweile alle, aus der Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ heraus gewählt. Ich hätte ihn gerne siegen sehen. Nicht weil er gut singt, sondern weil er die ganze Veranstaltung ad absurdum führte und als einziger in diesem Showzirkus mit seiner ganzen echten Verrücktheit, der normalste war. Mit dieser Show, hatte Dieter Bohlen mal wieder den richtigen Riecher für die Sehnsüchte von Millionen. Einmal ein Superstar werden, was auch immer das ist. 10 000 haben sich beworben. Millionen verfolgen das Spektakel. Und doch nur, weil es ein bisschen dieser Sehnsucht stillt, einmal im Rampenlicht zu stehen. Einmal als der oder die gesehen zu werden, der oder die man doch eigentlich ist: Ein Star; es hat nur bislang noch keiner gemerkt.

Die zweite Versuchung: Nach dem der Versucher bei seinem ersten Versuch gescheitert war, führte er Jesus nach Jerusalem, stellte ihn auf die Zinnen des Tempels- und das war ziemlich hoch, so an die 200 Meter werden das gewesen sein – und fordert ihn auf: „Bist du Gottes Sohn, dann stürz´ dich hier runter, denn in der Bibel heißt es doch: `Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten; und sie werden dich auf Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt´. Jesus erwiderte ihm: Wiederum steht auch geschrieben: `Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen´.“ (5+6)

„Jesus Christ Superstar“! Das wär´ doch was, mit einem Sturz von den Zinnen, ein Bunjee- Jump an Gottes Seil und alle Welt weiss, er ist Gottes Sohn! Der Einflüsterer versucht hier Gott zu einem Werkzeug eigener Interessen zu machen. Das Psalmzitat: „Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten“ wird Gott hier quasi im Munde herum gedreht.

Jesus sagt dazu: Nein. Er will sich Gottes Hilfe nicht bedienen, ihn nicht herausfordern, um sich selbst etwas zu beweisen. Gott ist weder der Notnagel unserer Existenz- und Sinnkrisen, noch die Instanz, die uns hilft, unser Ego aufzupolieren.

Auch hier bleibt Jesus bei dem, was ist, bei dem was er ist, wie er ist.

Die zweite Grundentscheidung im Leben: Schein oder Sein. Bei Gott sind wir alle Superstars- ganz ohne Zuschauerabstimmung.

5. Wer ist hier der Boss?
Schauen wir uns die letzte Versuchung an: „Nachdem auch dieser Versuch gescheitert war, führte ihn der Versucher auf einen hohen Berg und zeigte ihm die ganze Welt und ihre Herrlichkeit. Er versprach Jesus: `Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest´. Jesus antwortete ihm: Weg mit dir Satan! Denn es steht geschrieben: `Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen´.“

Dazu eine Legende von drei Teufelslehrlingen, die vor geraumer Zeit in die Welt kamen, um hier ihre Ausbildung zu vollenden. Sie besprachen sich mit Satan, dem obersten aller Teufel, über ihre Pläne, die Menschen in Versuchung zu führen und sie so zu verderben.

Der erste Lehrling sagte: "Ich werde die Menschen lehren, dass es keinen Gott gibt." Satan winkte ab: "Damit wirst du kaum einen Menschen gewinnen können. Auch wenn ihnen oft genug die Sprache dafür fehlt, wissen die meisten Menschen doch in ihrem Herzen, dass es einen Gott gibt."

Der zweite Lehrling sprach: "Ich werde den Menschen sagen, dass es keine Hölle gibt und dass sie für ihre Sünden keine Strafe zu fürchten brauchen." Satan antwortet: "Auch auf diese Weise wirst du keinen für uns gewinnen. Die Menschen haben längst begriffen, dass all ihr Tun und Sagen nicht ohne Folgen bleiben kann."

Der dritte Lehrling trat vor Satan: "Ich werde den Menschen einreden, dass ihre Welt vollständig erklärbar ist. Ich werde sie lehren, sich selbst als Maßstab anzusehen." "Geh ans Werk", sprach der Fürst dieser Welt, "du wirst Erfolg haben. Tausende wirst du betrügen und uns in die Arme treiben."

Die Vorstellung, Macht zu haben, der Maßstab aller Dinge zu sein ist verführerisch. Schließlich ist man dann wer. Man besitzt Einfluss.

Jesus sagt „Nein“ zu der Versuchung, alles besitzen und beherrschen zu können. Und bleibt auch hier bei dem, was er ist und hat.

Die dritte Grundentscheidung im Leben: Herrschen oder Dienen. Oder anders: Sehe ich mich selbst als Maßstab aller Dinge oder bin ich Teil dieser Welt.

6. Another day in Paradise
Drei Grundentscheidungen, die Jesus aus dem Glauben heraus trifft: Er ist sich sicher, Gott wird für ihn sorgen; wird ihm seinen Weg zeigen und seine Macht ist in den Schwachen mächtig. Jesus bewahrt sein unbedingtes Vertrauen in Gott selbst. So bewahrt er seine ihm von Gott geschenkte Freiheit. Er liefert sich nicht den Versuchungen aus.

Am Ende kann der Teufel nicht anders; er muss Jesus verlassen. Das Böse muss weichen; seine Nichtigkeit ist aufgedeckt worden. „Und siehe, da traten Engel zu ihm und dienten ihm“ (Vs.11).

So wird die Wüste für einen Augenblick zum Paradies, zum Garten Eden, aus dem die Menschen schon längst vertrieben worden sind, weil sie den Versuchungen nicht widerstehen konnten.

Das Ende dieser Geschichte zeigt uns aber, dass es einen Weg zurück gibt und führt bildhaft vor Augen, wie es ist, wenn ein Mensch Gott Gott sein lässt und Ihm allein die Ehre gibt. Die Versuchungsgeschichte zeigt, was geschieht, wenn ein Mensch von den Versuchungen nicht korrumpierbar ist, wenn er sein Leben nicht auf Illusionen aufbaut.

Jetzt könnten wir einwenden, ja, Jesus, der konnte das, der war ja auch Gottes Sohn, der hatte andere Voraussetzungen als wir. Für uns aber ist das doch gar nicht möglich, allen Versuchungen zu widerstehen. Mag sein, aber auch Jesus hatte nur einen Orientierungspunkt, nämlich die Bibel und die steht auch uns zur Verfügung – dafür müssen wir natürlich auch selbst drin lesen, denn vom im Schrank stehen haben, werden wir kein bisschen schlauer.

Sie allein ist der Maßstab für die Freiheit, die Jesus hat und damit ist sie auch der Maßstab für uns, die Kinder Gottes, die angesichts des Bösen in der Welt voller Vertrauen beten können: „und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen“.

Jesus hat der Versuchung widerstanden, weil er wusste , wie er zu Gott steht. Auch wir können den Versuchungen des Lebens widerstehen, wenn wir für uns geklärt haben, wie wir zu Gott stehen. Dann können wir ehrlich und vertrauensvoll beten: „und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen“.

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