Alles, was Spaß macht

Wenn ich Jugendliche nach dem Wesen der Kirche frage, kommen oft viele Antworten. Manche lassen sich schnell zusammenfassen: Wenn etwas Spaß macht – die Kirche ist dagegen. Ich kann es ihnen – ehrlich gesagt – nicht so ganz verdenken; denn als Spaßbremse hat sich Kirche im Laufe ihrer Geschichte wirklich öfters profiliert. So verstehen etliche Kirche. Manchmal sind es dieselben, die Orientierung suchen, oder die verlangen, dass die Kirche etwas tut, wenn Gesellschaft aus dem Ruder läuft oder Ungerechtigkeiten produziert. Aber sich das verbieten zu lassen, was Spaß macht, das kommt nicht in Frage.

Trotzdem war es von Anfang an wichtig, zu sagen, was das Verhalten von Christinen und Christen ausmacht. Das tut Paulus in seinem Brief an die Thessalonicher und wir dürfen nicht übersehen, dass er hier als Mann an Männer schreibt:

[TEXT]

Der Apostel dankt für das, was ist. Er dankt der Gemeinde für die Liebe, die in ihr lebt und für den Glauben, der bei ihr lebendig ist. Er ist aufrichtig froh, dass die Predigt vom Auferstandenen in Saloniki auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Aber nun darf die Gemeinschaft nicht still stehen. Der Glaube will gelebt werden. Seine Fürbitte zielt auf Wachstum der Gemeinde – und darum ist ihm wichtig, dass Gemeinde als christliche Gemeinde lebt, denn so wie Gemeinde lebt, wird sie auch Attraktivität ausstrahlen. Ein missionarischer Lebensstil ist die beste Mission und sagt mehr als tausend Worte. Und um diesen missionarischen Lebensstil geht es ihm.

Wenn Paulus derart ermahnt, derart bittet um einen anderen Lebensstil, dann geht es ihm um das praktische Leben aus dem theoretischen Glauben. Es geht um die Heiligung, die sich nicht im luftleeren Raum ereignet, sondern im praktischen Leben. Heilig leben: Das ist das Ziel, darauf liegt der Schwerpunkt. Heilig leben: das klingt für Menschen von heute schrecklich. Ich bin kein Heiliger sagen mir Menschen und wollen darauf hinweisen, dass sie mitten im Leben stehen. Das war mir zu heilig, sagte mir letztens jemand, als eine Rede so wenig mit dem Alltag zu tun hatte. Heilig ist eher ein Schimpfwort. Aber heilig ist eigentlich alles, was zu Gott gehört und ein geheiligtes Leben ist ein Leben, dem die Mitmenschen anmerken, dass die Botschaft Folgen hat für das Leben, dass sich Glauben nicht nur in der Stille abspielt, sondern am Leben zu erkennen ist.

Kirche verbietet alles, was Spaß macht, das mögen manche Jugendlichen denken, wenn sie hören wie Paulus hier vor der Unzucht warnt. Aber da geht es nicht um Sexualität insgesamt, sondern um jene ungezügelte Sexualität, die nur die eigene Befriedigung sucht ohne Rücksicht auf Verluste und ohne Rücksicht auf den Anderen, bzw. die Andere. Wie gesagt Paulus schreibt hier als Mann an Männer. Und er weiß oder ahnt, was ungezügelte männliche Sexualität anrichten kann bei den Frauen. Da gibt es eine Grenze deren extreme Überschreitung in Saarbrücken im Moment verhandelt wird.

Im Augenblick läuft dort der Prozess um die schmutzigen Geschäfte in der Tosa-Klause, wo Kinder ohne Rücksicht vergewaltigt wurden, um dreckige Geschäfte damit zu machen. Und wir ahnen, dass es kaum weniger verwerfliche Praktiken immer wieder gibt. Und wir erkennen auch, dass es immer wieder auch um die Verquickung von Sexualität und Geld geht. Darum bringt auch Paulus beides in Verbindung: die ungezügelte Sexualität auf Kosten anderer und die Gier nach Gewinn auf Kosten Anderer. Wir kennen diesen Zusammenhang von Unzucht und Ausbeutung auch. Das passiert, wenn man sich Menschen in Besitz nimmt.
Kirche ist so oft dagegen, wenn etwas Spaß macht, weil sie dagegen sein muss, dass Menschen ihren Spaß haben auf Kosten Anderer. Natürlich sind Blondinenwitze manchmal lustig, und Türkenwitze auch und sexistische Witze ebenso. Aber es ist gar nicht lustig, was sie anrichten können, weil sie Menschen verletzen, weil sie Gemeinschaft zerstören. Kirche muss aus Treue gegenüber ihrem Herrn darauf bestehen, dass Menschen nicht leben auf dem Rücken Anderer. Sie muss sich selber immer daran erinnern, was Sinn macht im Leben: Gott die Ehre geben mit unserem ganzen Leben, auch mit dem Leib. Glauben ist eben kein rein innerliches Geschehen. Es hat mit meinem Alltag zu tun. Es gibt keinen Teil meines Lebens, der nicht zu meiner Gottesbeziehung gehört.

Natürlich muss sich Kirche immer auch an die eigene Nase fassen, an ihren Anteil denken, den sie hat an der Rücksichtslosigkeit des Kolonialismus, wo sie geschwiegen hat zur Rücksichtslosen Ausbeutung, damit sie ihre Missionsstationen erhalten konnte. Natürlich muss sich Kirche immer wieder ihre Fehler vorhalten lassen, aber das darf sie nicht daran hindern ihr Wächteramt wahrzunehmen, vielleicht mit der Milde dessen, der um sein eigenes Versagen weiß, aber auch mit der Deutlichkeit, die nötig ist, um den Schwachen zu helfen.

Kirche verbietet nicht alles, weil es Spaß macht, sie will helfen, dass alle Spaß haben. Wenn Paulus heute durch unsere Stadt ginge, mit unserer Gemeinde korrespondierte, was würde er bei uns finden? Konkreter: Was bei mir Tadelnswertes, Ermahnenswertes?

Es ist dir gesagt Mensch, was gut ist! (Micha – Wochenspruch) – Ich weiß, was dran ist, – Aber wie lebe ich?

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