Ich bin bei euch (Joh 16,23b-33)

Joh 16,23b-33
[23b] Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er’s euch geben. [24] Bisher habt ihr um nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, daß eure Freude vollkommen sei. [25] Das habe ich euch in Bildern gesagt. Es kommt die Zeit, daß ich nicht mehr in Bildern mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater. [26] An jenem Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, daß ich den Vater für euch bitten will; [27] denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, weil ihr mich liebt und glaubt, daß ich von Gott ausgegangen bin. [28] Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater. [29] Sprechen zu ihm seine Jünger: Siehe, nun redest du frei heraus und nicht mehr in Bildern. [30] Nun wissen wir, daß du alle Dinge weißt und bedarfst dessen nicht, daß dich jemand fragt. Darum glauben wir, daß du von Gott ausgegangen bist. [31] Jesus antwortete ihnen: Jetzt glaubt ihr? [32] Siehe, es kommt die Stunde und ist schon gekommen, daß ihr zerstreut werdet, ein jeder in das Seine, und mich allein laßt. Aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir. [33] Das habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.

Liebe Gemeinde, liebe Eltern, Paten und Verwandten der Mädchen und Jungen, die heute konfirmiert werden; und besonders liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden!

Jetzt sitzt ihr hier geschniegelt und gebügelt und wartet, was auf euch zu kommt. Viele werden in Ihren neuen Sachen sich noch etwas ungewohnt vorkommen. So eine Krawatte, ist für einen Jungen doch noch ganz ungewohnt, das sieht man nur beim Vater, wenn es streng dienstlich zu geht oder, wenn ein wichtiger Kunde kommt. Und den Mädchen geht es ähnlich, wenn sie in den Spiegel schauen, sehen fühlen sie sich vielleicht an die Mutter erinnert, wenn sie zur Cocktailparty geht. Aber das ist hier heute ja gar nicht eine große Verkleidung, wo man mal in eine andere Rolle schlüpft, wie bei der Karnevalsfeier. Da kann man mal für einen Tag ausflippen und etwas sein, was man sonst nicht ist. Ihr schlüpft hier aber nicht nur in eine Rolle, die dann morgen wieder für immer abgelegt wird. Ihr macht durch eure Kleidung auch deutlich, dass ihr euch auf eure zukünftige Rolle als Erwachsene vorbereitet. Zumindest in Fragen des Glaubens seit ihr jetzt mündig und da kann euch niemand mehr etwas vorschreiben.

Bei der Konfirmation werdet ihr im Glauben gefestigt. Das kann nicht nur an einem Tag geschehen. Und auch die Kleidung ist da nur ein äußeres Zeichen. Festigung im Glauben, das hat sicherlich schon vor dem Konfirmandenunterricht begonnen und wird auch nach der Konfirmation noch weitergehen. Es gibt auch noch eine Menge zu lernen, deshalb wird in der Schule noch weiter Religionsunterricht angeboten.

Doch etwas solltet ihr schon in den knapp zwei Jahren Unterricht mitbekommen haben. Nämlich die Fähigkeit zu erkennen, dass es nicht nur um Äußerlichkeiten im Leben geht. Ihr habt erkannt, dass es eine andere Wirklichkeit gibt, als das was wir mit unseren Augen sehen und ihr habt erkannt, dass es andere Werte gibt, als die, die wir im Portemonnaie mit uns herumführen. All das kann man lernen, wenn man sich die Zeugnisse und Schriften der Bibel anschaut und darüber spricht, aber man kann es auch erfahren, in dem man sich selbst auf die Spuren begibt. Das mit den Schriften hat nicht immer alle vom Hocker gehauen, nach einem langen Schultag auch verständlich. Aber wir hatten ja auch manche andere Möglichkeiten. Erinnert ihr euch, als wir auf dem Turm der Reinoldikirche standen? Es lag noch etwas Schnee oben. Und wenn man so über die Brüstung geschaut hat, hat man sich schon fast so gefühlt wie in Gottes Hand. Ein Ereignis war das, dass man nicht jeden Tag erlebt. Ich war auch zum ersten Mal auf dem Turm. Aber es war nicht nur der Höhenrausch, um den es ging, sondern ihr konntet erleben, dass es den Bürgern dieser Stadt wichtig war, dass das höchste ihrer Gebäude Gott geweiht war. Ja, das erste, was ein Reisender sah, wenn er auf eine Stadt zu kam, war der Kirchturm. Und auch in modernen Zeiten war das wichtig. Als die Kirchen wie vieles andere nach dem Krieg zerstört war, hätte man ja auch sagen können, so was brauchen wir heute nicht mehr und man hätte den Platz für etwas anderes nutzen können. Aber gerade das hat man nicht getan, denn als alles zerstört war, da hat man gesehen: es ist doch wichtig, zu erkennen, dass wir nicht selbst über alles Herrschen können. Darum wollten die Menschen zeigen, dass sie eine Macht über sich anerkennen, die nicht von Menschen ist. Eine Macht, die uns hilft aber auch korrigiert und auf den richtigen Weg führt, eine Macht, die uns auch vergibt. Wir haben noch einiges andere kennengelernt. Im Hospiz in Kirchhörde, sind wir Menschen begegnet, die für andere in ihrer schlimmsten Zeit da sind. Wir haben erkannt, das Sterben zum Leben gehört, und wir haben etwas von dem Vertrauen gespürt, dass mit dem Leben auf der Erde, wenn es dann einmal beendet ist, nicht alles aus ist.

Das hört sich trotz allem ziemlich traurig an für junge Leute. Wir haben auch Dinge gemacht die von vornherein Spaß machen, wie das Videowochenende oder die Vorbereitung auf den Jugendgottesdienst. Und wir haben gelernt, das man „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ auch als „Rap“ singen kann. Es sind also einige Erinnerungen da, die ihr dann austauschen könnt, wenn ihr euch in 50 Jahren als Goldkonfimanden wieder trefft. Ob ihr mich dann als 84-jährigen dabei habt und fragt, ob ich noch unsere besondere Form des elften Gebotes weiß, das liegt in Gottes Hand.

Aber was passiert in der Zeit dazwischen?

In dieser Zeit müsst ihr leben. Und leben, das heißt bei euch natürlich erst mal, etwas erleben, tolle Sachen machen, fremde Länder kennen lernen. Vielleicht heißt es aber auch Verantwortung übernehmen, für eine Familie, oder für eine Firma, vielleicht für Menschen, die man euch anvertraut. Was macht ihr dann? Hoffentlich werdet ihr euch dann erinnern, dass im Buch der Bibel viele Situationen geschildert sind, die Menschen zu allen Zeiten immer passieren können. Hoffentlich wisst ihr auch dann, dass wenn man überhaupt nicht mehr weiter weiß, auch beten kann. Der heutige Sonntag heißt im kirchlichen Bereich „Rogate“. Es steht auf euren Gottesdienstplänen drauf: „Rogate“. Das lateinische Wort heißt übersetzt: „Betet!“ Ein Gebet kann lang und ausformuliert sein, wie manches, was man in der Kirche hört, eine Gebt kann kurz sein, vielleicht einfach nur die Worte: „Lieber Gott, hilf mir“. Oder es kann das Gebet sein, was wir seit Beginn des Unterrichtes fast immer zum Schluss mit einander gesprochen haben, das „Vater Unser“. Aber dass man in bestimmten Situationen betet, dass müsst ihr für euer Leben gelernt haben. Manche gute Christen beklagen sich, dass die Leute immer nur in der Not beten, dann wenn es ihnen schlecht geht. Man muss doch auch beten, wenn es einem gut geht, man muss Gott danken, für das, was er einem geschenkt hat. Richtig, es wäre schön, wenn ihr das auch tätet. Aber in der heutigen Zeit, bin ich schon froh, dass jemand, der in Not ist, überhaupt weiß, dass er einen hat, der bestimmt zuhört. Gott unser Herr, der eins ist mit Jesus Christus seinem Sohn und dem heiligen Geist. Doch mancher ist dann auch enttäuscht. Nämlich dann, wenn das von Gott erbetene nicht so eintrifft, wie er sich das gedacht hat. Doch Gott geht oft andere Wege als wir denken, vielleicht, lässt er uns auf ganz andere Weise erkennen, dass er da war. Es gibt da eine kleine Geschichte. Ein Mensch, der in den Himmel gekommen ist, sieht die Spuren seines Lebens, wie Fußspuren im Sand. Er sieht zwei Fußspuren. Und Gott erklärt ihm, dass er immer bei ihm war und ihn beschützt hat. Doch auf einmal beklagt sich der Mensch und sagt zu Gott. „Du, da wo es mir besonders schlecht ging, da sehe ich nur eine Spur, warum warst du da nicht da, wo ich dich am nötigsten gebraucht hätte?“ Gott antwortet ihm: „Du siehst deshalb nur eine Spur, weil ich dich da getragen habe!“

Eine Bildergeschichte aus unserer Zeit. Ein Bild, das uns deutlich macht, Gott hilft uns, auch wenn wir es nicht bemerken. Doch Jesus spricht in unserem Predigttext davon, dass die Bilder nicht immer ausreichen, einmal wird es ohne Bilder gehen müssen, dann werdet ihr allein mit dem Leben zurecht kommen müssen. Die Jünger sagen, ja wir verstehen alles, auch dann wenn du nicht in Bildern redet. Aber Jesus macht ihnen deutlich, dass Tage kommen werden, in denen sie ganz auf sich allein gestellt sind. 32 Siehe, es kommt die Stunde und ist schon gekommen, dass ihr zerstreut werdet, ein jeder in das Seine, und mich allein lasst. Eine Situation, in die ihr auch kommen werdet. Eine Situation, in der ihr ganz allein entscheiden müsst, in der ihr eure Eltern nicht fragen könnt, in der es auf euch ankommt. Werdet ihr dann daran denken, was ihr hier im Kirchlichen Unterricht gelernt habt? Werdet ihr dann wissen, dass es nicht nur auf Spaß, Profit oder Erfolg ankommt? All das soll nicht zu kurz kommen, aber nicht auf Kosten anderer. Werdet ihr den Mut haben in einer zukünftigen Welt, in der der christliche Glaube vielleicht nicht mehr so gefragt ist wie heute, zuzugeben, dass ihr konfirmiert seid. Und nicht nur weil das damals halt modern war, sondern weil ihr inhaltlich dahinter steht?

Um solchen Mut zu haben, muss man unabhängig sein. Unabhängig davon, ob die andern einen toll finden, Unabhängig davon, ob das, was ich tue gerade in ist, unabhängig davon, was die wechselnden Mehrheiten, gerade als herrschende Meinung ausgeben. Wenn die Zeit, die wir miteinander verbracht heben, keine verlorene Zeit sein soll, dann müsst ihr in Zukunft bereit sein, euch dazu zu bekennen. Bekennen zum Glauben an Jesus Christus, der uns liebt und uns vergibt. Das heißt natürlich nicht, dass ihr alles toll finden müsst, was ich mit euch gemacht habe. Sich zum Glauben zu bekennen, dass muss immer wieder neu geschehen und dabei könnt ihr euch auf die Wurzeln beziehen, auf die Bibel und den Glauben an Gott, und dann auch mit eigenen Worten diesen Glauben formulieren, Jesus sagt: 33 Das habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.

Es geht nicht darum euch Angst zu machen, auch ihr sollt Frieden haben. Aber damit solche Angst erst gar nicht aufkommt, müsst ihr erkennen, dass diese Welt nicht alles ist: In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Es kommt nicht darauf an, dass ich nach den Regeln der Welt Erfolg habe, es kommt darauf an, zu wissen, dass es jenseits dieser Welt noch eine andere Wirklichkeit gibt. Ob das dann „Himmel“ heißt, oder „Ewiges Leben“, die Ausdrücke, die wir dafür haben treffen es sowie so nicht ganz richtig, es kommt darauf an, zu wissen, dass es mehr gibt, als Erfolg, Gewinn und Vergnügen. Seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Das heißt, über den Tellerrand hinausschauen, sich selbst nicht als Maßstab aller Dinge nehmen.

Wenn Ihr gleich Eure Urkunden in Empfang nehmt, dann werdet Ihr darauf ein Bild unserer Kirche finden. Eine Erinnerung an den heutigen Tag und an die Gemeinde, in der ihr groß geworden seid. Ihr werdet auch die Bilder finden, die ich zu Beginn des Unterrichts von euch gemacht habe. Ihr könnt sie ja mit auf die Seite des Fotoalbums kleben, auf die das Konfirmationsbild kommt, das wir eben aufgenommen haben. Eine kleine Überraschung gibt es noch dazu, aber was ich besonders wichtig finde, ist das kleine Kreuz, dass ihr auch bekommt. „Ich bin bei euch“ steht darauf. Jesus sagt es zu zwei Menschen, die bei ihm sitzen. Ich bin bei Euch, hoffentlich findet dieses Kreuz einen Platz in Eurem Zimmer und Jesus Christus einen Platz in Euren Herzen.

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